Buchhandlung Dombrowsky in Regensburg: Emotionale Übergabe an neue Inhaberin Lalena Hoffschildt

„Es werden Tränen fließen! Aber alles fließt ja“, stimmt Ulrich Dombrowsky fast philosophisch ein auf den Abend. Zunächst fließen sommerliche Getränke an der improvisierten Bar am Kassiansplatz. Viele Kunden, aus denen oft Freunde wurden, sind gekommen, um der Übergabe der Buchhandlung an die neue Besitzerin beizuwohnen.
Umarmungen, Busseln, Austausch von Erinnerungen beleben den Raum vor den Schaufenstern. Mit sehr unterschiedlichen Gefühlen stehen Ulrich Dombrowsky, seine Gattin Daniela und Lalena Hoffschildt vor dem Laden, den nun letztere weiterführen wird. An ihre Seite haben sie BR-Moderator Achim Bogdahn eingeladen.
Vorbild für den FC Bayern
In seinen Talk-Sendungen entlockt er geschickt den Gästen Einzelheiten zu deren Leben. „Aber das ist meine erste Geschäftsübergabe“, erklärt er. Zuvor hatte der ehemalige Theologie-Student und Bischofssohn noch eine Trauung rhetorisch begleitet.
Die Geschäftsleute zum Sprechen zu bringen, fällt ihm nicht schwer. Der Laden sei „die beste Buchhandlung der Welt“, bekundet er. Immerhin hatte er hier schon mal sein eigenes Buch vorgestellt und eine weitere Veranstaltung moderiert. „Der FC Bayern auf seiner Trainer-Suche kann hier lernen, wie eine gut organisierte Nachfolgeregelung funktioniert.“ Diese Spitze muss der bekennende Sechziger-Anhänger einfach noch raushauen, zum Amüsement des bestens aufgelegten Publikums.
Überwältigt und überzeugt vom Konzept
„Ich bin einfach überwältigt und überzeugt vom bisherigen Konzept der Buchhandlung“, strahlt Lalena Hoffschildt in die Runde. Zum ersten Mal übernimmt die gelernte Münchner Buchhändlerin eigenverantwortlich einen Laden. Den hatte sie vor zwei Jahren zum ersten Mal betreten als Verlagsvertreterin. Die Dombrowskys und sie hätten einander gleich sympathisch gefunden. Das Angebot, das Geschäft zu übernehmen, habe sie in der U-Bahn per Handy erhalten. Nach einer Nacht Bedenkzeit habe sie zugesagt. Und dann ging alles ganz schnell. Zwei Wochen später war der Deal perfekt.
Bei der Übergabe verpasste sie dem Geschäft Anfang Mai gleich mal ein Warenwirtschaftssystem. Bis so etwas richtig funktioniere, stöhnen andere Buchhändlerkollegen, dauere es ein Jahr. Lalena Hoffschildt jedoch liebt die Herausforderung. Sie sprüht vor Selbstvertrauen und Unternehmungsgeist. Eine Episode zunächst als Köchin in Südengland, wohin sie mit Mann und Pferd gezogen war, hätte beinahe beim renommierten Buchhändler Waterstones in Oxford geendet. Stattdessen nahm sie eine verantwortliche Stellung bei Hugendubel am Münchner Marienplatz an.
Über Umwege zur Buchhandlung
Auch die Dombrowskys waren nicht unbedingt auf dem geradesten Weg zu ihrem Geschäft gelangt. Ulrich fand vorher die Arbeit mit Holz oder im Ladenbau reizvoll. Sozialpädagogin Daniela ist Seiteneinsteigerin und brachte sich selbst das Nötige bei. Neben der Beschäftigung mit Büchern schätzt sie (auch weiterhin) die Beratung von Kunden, die oft zum Austausch mit Freunden gerate. „Ich war ja eher ein „lonely wolf“, nicht ganz so kontaktfreudig. Mir war es recht, wenn Menschen auf mich zukamen“, präsentiert Ulrich Dombrowsky sein eigenes Temperament. Ungläubiges Staunen im Publikum.
An welche Momente sich die bisherigen Betreiber besonders intensiv erinnern? Da war zum einen das Treffen mit dem zugedröhnten Bommi Baumann, ein Abend, der fast aus dem Ruder gelaufen wäre. Zum anderen stand das Geschäft während des ersten Lockdowns vor ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Aber die Solidarität ihrer treuen Kunden sorgte letztlich für einen Umsatzrekord. Mehrfach gepriesen werden die Kompetenz und die menschlichen Qualitäten des achtköpfigen Teams, für das Hoffschildt die Verantwortung übernimmt. Weder Namen noch Grundkonzept des Geschäfts will sie ändern.
Tränen zum Abschied
„Diese Buchhandlung ist wie eine Insel, aber mit Verbindung zum Festland“, so lässt die neue Besitzerin ein Loblied in Reimform auf den Laden und dessen Vorbesitzer erklingen. Ulrich Dombrowsky wird sich demnächst ebenfalls literarisch betätigen und sein Leben sowie das seiner Familie beschreiben. Die Gäste feiern draußen weiter, mit Backwerk in Schlüsselform, tauschen Anekdoten aus über den Buchhandel in der Stadt und vergießen doch noch ein paar Tränchen in der Nacht.