Bürger-Forum Burglengenfeld ist seit 40 Jahren ein unbequemer Mahner

Das Bürger-Forum Burglengenfeld (BFB) im Landkreis Schwandorf feierte am Samstagabend im Gasthof „Zum Burgblick“ 40. Geburtstag. Sprecher Hans-Edmund Glatzl blickte dabei nicht nur auf 40 Jahre Kommunalpolitik unter dem Motto „Bürger für Bürger“ zurück, sondern gab auch einen Ausblick auf die Zukunft.
Ein Schlussstrich soll beim Bürger-Forum noch lange nicht gezogen werden – ganz im Gegenteil. Mit Unterstützung durch den Schwandorfer Kreisverband der Freien Wähler soll die kommunalpolitische Arbeit auch nach den Kommunalwahlen im Frühjahr des kommenden Jahres weitergehen.
Den Rückblick gestaltete Glatzl zunächst anhand einschneidender Ereignisse aus der jüngeren Burglengenfelder Stadtgeschichte, bei denen das BFB besondere „parteipolitisch festgenagelte Bretter“ zu bohren gehabt habe. Bei der Durchsicht der Unterlagen habe es ihn ziemlich mitgenommen, was „sie“ mit ihnen in all den Jahren gemacht hätten, stellte Glatztl als Resümee seines Weges in der Kommunalpolitik fest.
Nicht einmal Rederecht bekommen
Ausgehend von der erfolgreichen Schaffung der Umgehungsstraße in den 80/90er Jahren und dem Einzug in den Stadtrat im Jahr 1990, kamen in seinem Bericht auch viele Misserfolge zur Sprache. Der teure Parkhausbau sei durchgesetzt worden, und das BFB habe seinerzeit nicht einmal ein Rederecht bekommen. Die alte Bundeswehrliegenschaft wurde nicht als Standort für Gewerbebetriebe genutzt, sondern preisgünstig an die Familie Heuser für die Nutzung als Pflegeeinrichtung abgegeben, die Hallen abgerissen.
Das Baugebiet in der Holzheimer Straße wurde laut Glatzl trotz Bedenken auf einer ehemaligen Hausmülldeponie erschlossen. Ein anderer Fall habe darin gegipfelt, dass Glatzl in einem mehrheitlichen Stadtratsbeschluss offiziell zum „Lügner“ erklärt worden sei. Erst per Verwaltungsgerichtsbeschluss habe „diese rechtswidrige Abstimmung“ damals zurückgenommen werden müssen, so der Sprecher.
Finanzen sieht Hans-Edmund Glatzl als größtes Problem der Stadt
Das größte Problem seien aber nach wie vor die Finanzen, der Stadt, so Glatzl weiter. Das herausragende Beispiel dafür sei das „Bulmare-Finanzabenteuer“, das immer noch schwer auf der Stadt laste. Gerade deswegen blicke das BFB nach vorn und trete weiter für die Bürger ein.
Ein Ziel sei dabei die Rückführung der Tochterunternehmen in die städtische Verwaltung, um die Kontrolle über die Kassen zu erhalten. Zudem fordere das BFB mehr Sparsamkeit durch Aufstellung eines verbindlichen Finanzplans, der sich auf die notwendigen kommunalen Pflichtaufgaben beschränke. Vorrangig seien dabei Investition in die Infrastruktur, so der BFB-Sprecher.
Hans-Edmund Glatzl ist der Fels in der Brandung.Martin Scharf, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler
Gastredner MdL Martin Scharf (FW) sagte, er habe Glatzls Ausführungen gut zugehört und „sich dabei oft wieder erkannt“. Es sei wichtig, immer wieder nachzubohren, denn dies habe Auswirkungen auf die Zukunft. Daher danke er für die stets kritische Stimme, denn Ja-Sager seien in der Politik fehl am Platz. Glatzl sei für ihn „der Fels in der Brandung“, so Scharf wörtlich. Er selbst werde zusammen mit MdL Tobias Gotthardt und Glatzl in Kürze bei Heidelberg Materials zu Gast sein und ausloten, was man bewirken könne. Abschließend sicherte Scharf dem Bürgerforum uneingeschränkte Unterstützung bei der Aufstellung einer Bewerberliste für den neuen Stadtrat zu.
Immer den Finger in die Wunde gelegt
Anschließend galt es, zehn Gründungsmitglieder zu ehren,. Sie stellen immerhin noch ein Viertel des aktuellen Mitgliederbestandes dar. Fast hätte sich Glatzl bei den Ehrungen selbst vergessen, aber seine Frau Ursula übernahm diesen Part. Sie skizzierte ihren Mann mit den Worten: „Du warst ein scharfer Kritiker von Verschwendung und Großmannssucht. Du hast stets den Finger in die Wunde gelegt. Das wurde und wird auch heute nicht gern gesehen. Wir wünschen uns, dass du deine Dynamik behältst“.
BFB-Mitglieder der ersten Stunde waren Georg Bäuml, Christina Bernet, Reinhard Ehrenreich, Max Duschinger, Renate Duschinger, Hans-Edmund Glatzl, Pia Kieslich, Josef Roidl, Rudolf Schuster und Ludwig Steiner.