Tankstellen für Wasserstoff sind rar in der Oberpfalz – BMW plant trotzdem Serienmodell

Von Franziska Mahler · 25. Oktober 2025 um 19:00

Die Schließung der Wasserstofftankstelle in Pentling (Kreis Regensburg) hat für Aufsehen gesorgt. Für einen Autofahrer aus Roding ist sein Fahrzeug seitdem unbrauchbar. Auch ein Taxiunternehmer berichtet, dass die Stilllegung ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Obwohl es an Tankstellen in der Region mangelt und die Zahl der Wasserstoffautos sinkt, hält BMW an seinen Plänen fest: Der X5 soll ab 2028 als Wasserstoffmodell in Serie gehen.

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Für 13 Monate bereicherte die Fahrzeugflotte von Taxi Ostbayern ein Wasserstoffauto – der Mirai 2 von Toyota, sagt Inhaber Alpár Kósa. Das Unternehmen mit Standorten in Straubing, Bogen und Regensburg wollte die Wasserstofftechnologie in der Domstadt testen. Kósas Fazit: „Es ist ein top Fahrzeug.“ Er hätte das Wasserstoffauto gerne behalten. Doch durch die Schließung der Wasserstofftankstelle in Pentling – die einzige in weniger als 115 Kilometer Entfernung – macht das keinen Sinn mehr. Ähnlich erging es Henry Lehmann aus Roding. Er fuhr ebenfalls einen Mirai 2 und war grundsätzlich zufrieden damit. Weil andere Wasserstofftankstellen zu weit entfernt sind, steht das Auto aber eigentlich nur noch auf dem Hof.

Immer mehr Pkw-Wasserstofftankstellen schließen

Immer mehr Wasserstofftankstellen, die für die Betankung von Autos ausgelegt sind, schließen. Laut H2 Mobility, dem größten Betreiber von öffentlichen Wasserstofftankstellen in Deutschland, sei der Grund die geringe Nachfrage.

Das spiegelt sich auch in den Neuzulassungen wider: Bis August dieses Jahres verzeichnete das Kraftfahrtbundesamt gerade einmal 46 Stück. Zum 1. Januar gab es deutschlandweit 1802 Wasserstoffautos. Wesentlich gefragter: Elektrofahrzeuge. Hier (ohne Plug-in-Hybrid) lag die Zahl der Neuzulassungen bei 336.707.

BMW sieht Wasserstoff als Ergänzung

Auch BMW verweist auf „stetig steigende“ Absatzzahlen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Trotzdem hält BMW daran fest, 2028 das erste wasserstoffbetriebene Serienmodell auf den Markt bringen zu wollen: den BMW iX5 Hydrogen. „Eine einzige Technologie wird nicht ausreichen, um klimaneutrale Mobilität weltweit zu ermöglichen“, heißt es auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern. Man wolle neben dem Ausbau der „BEV-Familie“ auch das Potenzial von Wasserstoff und der Brennstoffzellentechnologie nutzen, um die Transformation des Mobilitätssektors zu beschleunigen. „Es ist keine Entweder-Oder-Frage.“

Was die Infrastruktur betrifft, spricht BMW von einer „wichtigen Übergangsphase“. Die EU-Gesetzgebung sehe den Aufbau eines flächendeckenden Netzes an 700-bar-Wasserstoff-Tankstellen in allen EU-Mitgliedsstaaten bis 2030 vor. „Dazu müssen die Tankstellen-Angebote deutlich ausgebaut werden. “ Die erste Generation der Wasserstoff-Tankstellen sei mittlerweile zehn bis 15 Jahre alt und oft mit kleinen Vor-Ort-Wasserstoffspeichern auf Autos ausgelegt. Um den Bedarf insbesondere von Lastwagen und Bussen bedienen zu können, würden nun moderne, größere Tankstellen errichtet werden, die sowohl Nutzfahrzeuge als auch Autos betanken können. Dabei gab es zum 1. Januar deutschlandweit gerade einmal 263 Lkw mit Wasserstoffantrieb. Auch hier dominieren batterieelektrische Fahrzeuge.

Konzentration auf Netzausbau für Busse und Lkw

H2 Mobility spricht von einer „Phase der Konsolidierung“ in Deutschland. Das sei bei neuen Technologien ein normaler Prozess. „Wir konzentrieren uns auf den Netzausbau für Busse und Lkw, die bei 350 bar tanken.“ Hierfür werden 700-bar-Tankstellen mit der 350-bar-Technik ausgestattet. Dieser Wandel der Infrastruktur führt laut BMW kurzfristig zu Schließungen einzelner Standorte. Langfristig werde sich die Zahl der Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland und Europa jedoch deutlich erhöhen, ist der Konzern überzeugt. „Die BMW Group hat sich daher bewusst für einen Markteintritt ihres ersten Wasserstoff-Fahrzeugs im Jahr 2028 entschieden.“

Geeignet seien Wasserstoffautos für Kunden, die weder zu Hause noch an ihrer Arbeitsstelle laden können. Oder für Personen, die viel unterwegs sind „und ihr Leben nicht um das Laden herum planen können oder möchten“. Als Hauptvorteil des Wasserstoffantriebs hebt BMW das schnelle Auftanken hervor. Außerdem gebe es einige Regionen und Metropolen, in denen es schwierig sein werde, elektrische Ladestationen für alle BEV-Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen.

Bei der Entwicklung der Antriebstechnologie hat der Konzern eng mit Toyota zusammengearbeitet und verwendet im iX5 Hydrogen Brennstoffzellen des japanischen Partners. Das Fahrzeug soll eine Reichweite von über 500 Kilometern erreichen. Zu den Kosten könne BMW noch keine verbindlichen Angaben machen. Er soll sich aber im üblichen Preissegment des Modells bewegen – das fängt bei rund 90.000 Euro an. Die genauen Märkte befinden sich noch in Klärung. Sie hängen unter anderem von der Entwicklung der Infrastruktur in den jeweiligen Ländern sowie der Kundenakzeptanz ab.

Wasserstoff im Regensburger BMW-Werk

• Umstellung auf Wasserstoff: Die BMW Group will sich unabhängiger von fossilen Energieträgern machen. Deswegen setzt der Konzern ab 2026 in der Produktionslogistik im BMW-Werk Regensburg sukzessiv auf Wasserstoff. Mit der Umstellung von Strom auf Wasserstoff erweitere man den Energiemix im Werk Regensburg, teilt BMW mit. Gleichzeitig optimiere man die Logistikprozesse und spare wertvolle Flächen.

• Der Vorteil von Wasserstoff: laut BMW die schnelle Betankung. Die Tankstellen werden dezentral in den unterschiedlichen Produktionsbereichen installiert und benötigen nur wenig Platz, so BMW weiter. Überlegungen, die Infrastruktur am Standort Regensburg perspektivisch auch für Autos zugänglich zu machen – etwa für Mitarbeitende oder die Öffentlichkeit – gibt es nicht.