Tankstelle in Pentling zu: Wasserstoffauto eines Rodingers ist nun unbrauchbarer „Edelschrott“

Vor Henry Lehmanns Haustür im Landkreis Cham steht ein schwarzer Toyota. Das Problem: Er steht. Vergangenes Jahr hat sich der 63-Jährige einen Mirai II für rund 42.000 Euro gekauft – ein Wasserstoffauto. Doch vor ein paar Monaten hat die einzige Wasserstofftankstelle in der Nähe, im rund 50 Kilometer entfernten Pentling bei Regensburg, geschlossen. „Das ist jetzt Edelschrott“, sagt Lehmann – und verklagt nun den Autohändler.
Mit seinem ersten Wasserstoffauto war Lehmann nicht ganz zufrieden – vor allem wegen der ihm zufolge geringen Reichweite von 250 bis 280 Kilometern. Er gab es in Zahlung und machte nach eigenen Angaben 20.000 Euro Verlust. Dennoch sei er überzeugt von der Technologie – und sehe sie als Alternative zu batteriebetriebenen Fahrzeugen. Wasserstoffautos vereinten aus seiner Sicht die Vorteile von Verbrennern – etwa kurze Tankzeiten – mit einem elektrischen Antrieb. Der Mirai II bot eine neue Generation der Brennstoffzelle, eine höhere Reichweite sowie besseren Komfort und digitale Ausstattung. Doch nun fehlt das Wichtigste: eine Tankstelle.
Tankpreis für Wasserstoff war teuer
Die Schließung in Pentling kam für Lehmann völlig unerwartet – auch weil eigentlich angekündigt war, dass dort ab 2028 grüner Wasserstoff fließen soll. Das hätte auch den Tankpreis deutlich verringert. Bis vor Kurzem bezahlte Lehmann noch rund 19,25 Euro pro Kilo. Vergleicht man das mit aktuellen Benzinpreisen, ist Verbrenner fahren günstiger.

Lehmann lebt in der Nähe von Roding im Landkreis Cham. Nachdem die Wasserstofftankstelle in Pentling dicht gemacht hat, befinden sich die nächsten bei Nürnberg, Ingolstadt oder Landshut – also rund 115 bis 140 Kilometer entfernt. Mit seinem Auto kommt Lehmann circa 300 bis 350 Kilometer weit, obwohl das Händlerversprechen bei 500 Kilometern liegt, sagt er. Das bedeutet: Wenn er nach dem Tanken nach Hause fährt, müsste er eigentlich direkt wieder umkehren.
Einige Wasserstofftankstellen in Deutschland schließen
Verkaufen scheint aber dieses Mal keine Option zu sein. „Man kriegt es nicht los, weil Tankstellen aktuell eher schließen als aufmachen.“ Tatsächlich ist die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland seit 2023 rückläufig – zumindest was die betrifft, die rein für die Betankung von Autos ausgelegt sind. Darauf verweist H2 Mobility. Das Unternehmen ist der größte Betreiber von öffentlichen Wasserstofftankstellen in Deutschland. Von aktuell 68 betreibt H2 Mobility 46. Grund für die Schließungen – auch in Pentling – sei die geringe Nachfrage.
Schaut man sich die Zulassungszahlen von Wasserstoffautos mit batterieelektrischem Antrieb an, verwundert das nicht: Bis August diesen Jahres verzeichnete das Kraftfahrtbundesamt gerade einmal 46 Neuzulassungen. Zum Vergleich: Bei Elektroautos (ohne Plug-in-Hybrid) lag die Zahl bei 336 707. Zum 1. Januar gab es deutschlandweit 1802 Wasserstoffautos – ein Rückgang von 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Millionenschwere Förderungen für Tankstellen
Der Trend geht also klar zu batteriebetriebenen Fahrzeugen. Aber nach Zahlen des bayerischen Wirtschaftsministeriums wurden in den vergangenen Jahren Wasserstofftankstellen für Lkw und Busse, teils auch für Pkw, für mehr als 60 Millionen Euro gefördert. Der Landtagsabgeordnete Florian von Brunn (SPD) kritisierte diese Förderpolitik von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) kürzlich: „Die Staatsregierung fördert mit vielen Millionen Euro Wasserstoff-Tankstellen für Fahrzeuge, die es nicht gibt. Das heißt: Hubert Aiwanger vergeudet Steuergeld für eine fixe Idee. “ Das Wirtschaftsministerium wiederum beklagt „einen fehlenden kohärenten Förderrahmen des Bundes“. Es brauche beide Technologien – Elektro und Wasserstoff – um die Klimaschutzziele im Verkehrssektor zu erreichen. „Insofern ist der Bedarf von Fördermitteln im Wasserstoffsektor größer.“
So oder so: Lehmanns Wasserstoffauto ist durch die fehlende Infrastruktur unbrauchbar. H2 Mobility verweist auf Nachfrage nach Tankmöglichkeiten in der Oberpfalz auf Tankstellen in der Metropolregion Nürnberg und ein neues Projekt bei Ebermannsdorf an der A6 im Landkreis Amberg-Sulzbach. Der Baubeginn ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen. Aber für Lehmann sind das keine Lösungen.
Lehmann hat einen Verbrenner als Alternative
In Lehmanns Augen muss der Autohändler den Mirai zurücknehmen. Doch der sieht dafür keinen Anlass, teilt er schriftlich mit. Lehmann ist sich aber sicher: „Die Geschäftsgrundlage ist weg und der Sachmangel ist gegeben.“ Deswegen verklagt er ihn nun.
„Ich habe gelernt, zu kämpfen“, sagt der Rodinger. Er ist optimistisch, dass seine Klage Erfolg hat. „Ich bin zuversichtlich, dass sie das Ding zurücknehmen müssen. Ich bin enttäuscht worden.“
Ganz aufs Fahrrad muss Lehmann bis zu einer Entscheidung aber nicht umsteigen. Neben seinem Wasserstoffauto steht nämlich auch noch eine Mercedes S-Klasse mit satten 480 PS auf dem Hof – ein Verbrenner. „Ich hatte immer eine Alternative.“ Und auf die scheint Verlass zu sein. „Das ist das beste Auto, das ich je gefahren bin.“
Wasserstoff: Marktsituation und Prognosen
• Markt: Laut Wasserstofftankstellenbetreiber H2 Mobility haben sich die Marktanforderungen grundlegend verändert. Der prognostizierte Hochlauf der Brennstoffzellen-Pkw sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Der Markt für Wasserstoffmobilität befindet sich derzeit in Deutschland in einer Phase der Konsolidierung – das ist bei neuen Technologien ein normaler Prozess.“ Während Tankstellen der ersten Generation, die nur für Autos ausgelegt sind, schließen, werde der Bedarf im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge größer. „Wir konzentrieren uns seitdem auf den Netzausbau für Busse und Lkw, die bei 350 bar tanken.“ Bei solchen neuen Tankstellenprojekten könnten auch immer Autos tanken.
• Zukunft: Für H2 Mobility ist auch wegen zahlreicher Prognosen klar, dass die Nachfrage nach Wasserstoff zukünftig deutlich steigen wird. Für Autos „vor allem dort, wo hohe Reichweiten und kurze Betankungszeiten gefragt sind“.