Manchmal braucht es was zusätzlich - Wie eine Grundschule Kids fit fürs Leben macht

Das Bildungssytem befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Immer wieder muss es sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Dazu gehört an der Grundschule Neustadt a.d. Donau auch ein Programm, das sogar von privaten Geldgebern unterstützt wird.
Lesen, Schreiben und Rechnen waren die Kernkompetenzen der Grundschule. Dazu kam, als der Grundschulbesuch vor 100 Jahren im Deutschen Reich für alle Kinder als Pflicht eingeführt wurde, noch der Respekt vor den Erwachsenen und meist auch noch der Religionsunterricht. Heute geht es um mehr. Heimat- und Sachkundeunterricht gehören genauso zum Programm wie Kunst, Musik, Werken und Gestalten oder Sport und sogar Englisch.
Doch damit allein ist es nicht mehr getan. Die Schule soll mehr vermitteln als reines Wissen, sie hat zunehmend auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Ein Baustein dieser Zielsetzung ist „Schule 2000“ – ein Programm, das sich auf seiner Homepage selbstbewusst als „Deutschlands größtes Programm zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltprävention“ beschreibt. Kinder in der Grundschule lernen mit „Schule 2000“ das Einmaleins des gesunden Lebens.
Von der 1. bis zur 4. Klasse lernen und erfahren Kinder gemeinsam mit Klaro, einer Spielfigur, was sie selbst tun können, um gesund zu bleiben und sich wohlzufühlen. „Gesund, stark und selbstbewusst“ sollen Kinder aufwachsen, wirbt „Schule 2000“. Zu den Programmthemen gehören gesund essen und trinken, bewegen und entspannen, sich selbst mögen und Freunde haben, Probleme und Konflikte lösen sowie kritisch denken und Nein sagen.
Die Themen selbst sind damit nicht neu und schon seit vielen Jahren in der Gesellschaft vorhanden. Sie werden seit einigen Jahren auch unter dem Stichwort „Achtsamkeit“ an Einrichtungen der Erwachsenenbildung vorgestellt – aber an Grundschulen sind sie mehr als ein Programm für Einzelpersonen.
Projekt über vier Jahre
Es geht auch um das Miteinander der Kinder. Und da ist die Grundschule Neustadt eine Schule, die „gefordert“ ist, denn sie verfügt über einen erheblichen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Bei vielen Kindern arbeiten zudem beide Eltern und ganz nebenbei ist die Schule die größte Grundschule im Landkreis Kelheim geworden, was auch zu räumlichen Problemen führt, wie unlängst in dieser Zeitung zu lesen war. 22 Klassen werden aktuell an der Grundschule unterrichtet.

Vom Erfolg der „Schule 2000“ ist Rektor Norbert Nadler überzeugt. Seit mehreren Jahren läuft das Programm in Neustadt. „Es ist keine Eintagsfliege“, sagt er. „Das Projekt zieht sich über vier Jahre. Jeder Schüler und jede Schülerin nimmt über seine gesamte Schulzeit bei uns daran teil.“ Dreimal im Jahr findet eine Unterrichtsstunde zu den Themen statt, aber auch sonst ist „Schule 2000“ präsent: Klaro, die kleine Spielfigur, ist fortwährend im Klassenzimmer und wird bei sich bietenden Gelegenheiten eingesetzt.
Das Programm sei nachhaltig‘, sagt Konrektorin Judith Dumann. „Es sind ganz viele Übungen dabei.“ Zum Beispiel über Gefühle. „Wenn man sehr nervös ist, wird erklärt, was man gegen die Nervosität tun kann.“ Eine Lösung sei beispielsweise bei Klassenarbeiten, dass man auf die Atmung achte. „Wir Erwachsenen wissen das, aber die Kinder müssen es lernen.“
Das ist dann auch ein Moment, wo Klaro seinen Auftritt hat. Spielerisch lernen so schon Erstklässler mit Stress umzugehen.
An der Notwendigkeit des Programms haben Norbert Nadler und Judith Dumann keinen Zweifel. Die Gesellschaft sei schnelllebig geworden, man denke oft zu wenig an sich selbst. Da brauche es Hilfe. Es gehe deshalb darum, den Kindern das Bewusstsein und das nötige Wissen zu geben, warum es wichtig ist, auf sich selbst zu achten.
„Die Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie bietet die Chance, das Zusammenleben zu fördern und was fürs Leben mitzunehmen“, erläutert der Rektor und stellt fest: „Unsere Schülerschaft ist vielfältig. Jedes Kind bringt Stärken und Schwierigkeiten mit sich. Da ist ‘Schule 2000‘ ein Baustein für uns.“
Verschiedene Angebote
Wobei „Schule 2000“ nicht das einzige Mittel ist, um Kinder und Eltern zu unterstützen. Die Ganztagsbetreuung gehört auch dazu, ebenso das Schulobst, das Erlernen von Alltagskompetenzen und die Streitschlichter, wo schon kleine Kinder lernen, dass vieles zwei Seiten hat und dass es so etwas wie Gerechtigkeit gibt.

Aber auch „Schule 2000“ lebt nicht von allein. Es braucht Unterstützer von außen. Bürgermeister Thomas Memmel freute sich deshalb zu Wochenbeginn, als die neuen Förderer vorgestellt wurden. Es sind der Autozulieferer Motherson, die AOK, die Stadtwerke Neustadt, der Rotary-Club Neustadt-Vohburg, die Firma Stanglmeier und die Stanglmeier-Stiftung aus Abensberg sowie das Gesundheitsamt. „Manchmal braucht es was zusätzlich“, sagte Memmel. Und das war in diesem Moment – vielleicht unbeabsichtigt doppeldeutig: Es braucht die zusätzliche Unterstützung für die Kinder und die, die das finanziell unterstützen.