Pflege-Drama: Regensburgerin kommt mit schwerkrankem Ehemann nicht aus dem Haus

Ohne Rampe kann Barbara Perniß mit ihrem schwer kranken Ehemann nicht aus dem Haus. Denn in dem Wohnhaus im Südosten von Regensburg befinden sich zwischen der Wohnung der Familie und der Haustür mehrere Treppenstufen, die mit Rollstuhl kaum zu bewältigen sind. Ein Umbau würde mehrere tausend Euro kosten – zu viel für die Rentnerin.
Mit den Enkelkindern ein Eis essen – oder einfach gemeinsam an die frische Luft gehen: Für Barbara Perniß ist das nicht mehr ohne Weiteres möglich. Seit sechs Jahren pflegt sie ihren Ehemann. „Damals ist Hans-Jürgen am Rücken operiert worden – eigentlich eine Standard-OP, alles ist gut gelaufen. Doch nach etwa einer Woche hatte er plötzlich wieder starke Schmerzen, so schlimm, dass ich den Notarzt rufen musste“, erzählt die 69-Jährige. „Es hat fast vier Wochen gedauert, bis herauskam, dass hinter der Narbe alles entzündet war. Zwei verschiedene Bakterien hatten sich eingenistet.“
„Mittlerweile“, sagt Barbara Perniß, „geht eigentlich gar nichts mehr“. Der 78-Jährige hat Pflegegrad 5 – die höchste Stufe der Pflegebedürftigkeit. „Er kann weder allein essen noch trinken.“ Seit zweieinhalb Jahren bekommt das Ehepaar Unterstützung durch einen Pflegedienst. Er hilft bei der Körperpflege, setzt Hans-Jürgen Perniß am Mittag in den speziellen Komfort-Rollstuhl und bringt ihn am Abend wieder zurück ins Bett. „Das ist gut so“, sagt Barbara Perniß. „Aber ich komme eigentlich gar nicht mehr raus.“
Rollstuhl könnte umkippen
Allein lassen kann sie ihren Mann nicht. Doch mit ihm die Wohnung zu verlassen, ist ebenfalls alles andere als einfach. Denn in dem Wohnhaus im Südosten der Stadt befinden sich zwischen der Wohnung der Familie Perniß und der Haustür mehrere Treppenstufen. Mit dem schweren Rollstuhl sind diese kaum zu bewältigen. „Mit meiner Tochter haben wir eine mobile Rampe gebaut. Die muss ich auf die Stufen legen. Aber ganz ehrlich: Das ist wirklich gefährlich.“ Ohne Hilfe kann Barbara Perniß ihren Mann sowieso nicht über die wacklige, steile Konstruktion schieben. „Die Nachbarin muss mir helfen – und selbst zu zweit ist es schwierig.“

Dass der Ausgang nicht barrierefrei ist, führt auch zu Problemen mit der Tagespflege. „Im letzten Jahr bin ich selbst sehr krank geworden“, sagt sie. „Seitdem haben meine Töchter mich überzeugt, meinen Mann an zwei Tagen in der Woche in die Tagespflege zu geben.“ Doch für die Mitarbeiter, die Hans-Jürgen Perniß abholen wollen, sind die Stufen ebenfalls ein großes Hindernis. Aus versicherungstechnischen Gründen dürfen sie den Senioren nicht über die selbst gebaute Rampe fahren. „Die haben Angst, dass der Rollstuhl umkippt“, sagt sie. „Sie können ihn nur mitnehmen, wenn er vor dem Haus wartet.“
Balkon-Umbau kostet viel Geld
Da „diese Abhängigkeit“ auf Dauer kein Zustand ist, hat sich Barbara Perniß über Lösungen informiert. Über das Seniorenamt der Stadt Regensburg ist sie zu einem Bausachverständigen gekommen, der sich die Wohnsituation angeschaut hat. „Der hat gesagt, dass die einzige Lösung über den Balkon führt. Vom Hochparterre aus sind es etwa 50 Zentimeter nach unten. Man könnte dort eine Tür anbringen und den Rollstuhl mit einem Hublift rauf- und runterbringen. So würde auch nicht dauerhaft ein Hindernis auf dem Gehweg stehen.“
Nach einigen Gesprächen stimmte die Hausverwaltung zu. Nicht geklärt ist bislang allerdings, wie Barbara Perniß das Projekt finanzieren soll. „Der Balkonumbau kostet rund 2900 Euro. Dazu kommen 7600 Euro für den Hublift“, sagt sie. Den Umbau würde die Pflegekasse übernehmen. Insgesamt könnte man von dort mit rund 4000 Euro rechnen. Den Rest müsste sie aus eigener Tasche stemmen. Für die Rentnerin ein schwieriges Unterfangen. „Das kann ich nicht so einfach aufbringen.“
Pflege ist „Mammutaufgabe“
Die zuständige Pflegekasse bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der finanzielle Zuschuss für „Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen“ laut aktuellem Rechtsstand einen Betrag in Höhe von 4180 Euro nicht überschreiten dürfe. Dieser Höchstsatz sei in diesem Fall auch bewilligt worden. Neben der Pflegekasse können sich Pflegebedürftige und deren Angehörige für eine zusätzliche Beratung an den nächstgelegenen Pflegestützpunkt wenden.

Mit dieser Beratungsstelle ist Perniß über das Seniorenamt bereits in Kontakt. Man habe ihr auch bereits den Kontakt zu Stiftungen und Wohltätigkeitsorganisationen vermittelt. Zur Übernahme eines Teils der Kosten habe sich bislang aber niemand bereit erklärt. „Entweder kam keine Rückmeldung oder eine Absage - zum Beispiel mit der Begründung, dass ich ja bereits eine Rampe hätte. Ich glaube, die können sich nicht vorstellen, wie das in der Realität aussieht.“
Grundsätzlich, sagt Perniß, sei sie sehr dankbar, dass sie vom Seniorenamt der Stadt Unterstützung bekomme – und dass die Pflegekasse einen Teil des Betrages übernehme. Trotzdem würde sie sich wünschen, dass von irgendwoher zumindest doch noch ein Zuschuss für das Projekt komme. „Pflege ist eine Mammutaufgabe“, sagt sie. „Wer das nicht gemacht hat, weiß gar nicht, was da alles dranhängt.“
Info: Hilfe für Pflegende
• Pflegeberatung: Als Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung können sich Pflegebedürftige jeden Alters, Angehörige sowie Zugehörige bei Fragen an den Pflegestützpunkt wenden, heißt es von der Stadt Regensburg. Der Pflegestützpunkt kann unterstützen, wenn es um die Beantragung eines Pflegegrads geht, bei der Organisation der Pflege sowie bei Problemen im Pflegealltag.
• Treffpunkt: Neben dem Beratungsangebot des Seniorenamts können Bürger der Stadt Regensburg das ehrenamtliche Unterstützungsangebot des „Treffpunkt Seniorenbüro“ in Anspruch nehmen. Stadtteilkümmerer stehen dabei als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung.
• Alltag: Hilfe bei der Bürokratie im Alltag bietet das Projekt „Papierkram – na und?“. Das Team besteht aus ehrenamtlich Engagierten, die Erfahrung in sozialen, wirtschaftlichen und behördlichen Angelegenheiten haben. Des Weiteren bietet die Stadt einen Besuchsdienst für ältere Menschen. Zudem unterstützt der Helferkreis Auszeit und übernimmt stundenweise die Betreuung.