Die Rettungshunde der Johanniter helfen, wenn Menschen verloren gehen

Am vergangenen Wochenende fand eine bundesweit anerkannte Rettungshundeteam-Prüfung in der Kategorie Mantrailing bei den Johannitern statt. Zwölf Hund-Mensch-Teams aus dem gesamten Bundesgebiet kamen nach Regensburg, um diese nicht gerade leichte Prüfung zu bestehen. Karin Manner, stellvertretende Leiterin der Johanniter-Rettungshundestaffel Oberpfalz, organisierte zusammen mit Leiter Udo Hackbarth sowie den Ausbildern Martin Fuchs und Elisabeth Sternemann die zwei Tage lang dauernde Veranstaltung.
„Man muss sich vorstellen, dass die Hunde und ihre Führer mindestens 150 Lehreinheiten hinter sich haben müssen, um als Team zu gelten“, erklärt Manner. Der Vierbeiner bekommt einen Geruchsträger zum Schnüffeln, das können etwa Kleidungsstücke sein. Dann nimmt der Hund die Fährte auf und sucht die Person. Man unterscheidet bei den Hunden Tiere, die Einzelfährten aufnehmen oder andere, die ganze Abschnitte, etwa in Wald und Wiese, nach Menschen „abschnüffeln“. Das ist wichtig, wenn eine Person vermisst wird.
Hohe Anforderungen
Das können Kinder sein, aber auch Senioren mit Demenz, die aus dem Altenheim weglaufen, sich auf unbekanntem Terrain bewegen und nicht so leicht gesehen werden können.
Das kann in Flur und Wald sein, aber auch in der Stadt kann ein Mensch verloren gehen und muss gefunden werden. Deshalb werden die Mitarbeiter und Hunde dieser Teams so genau geprüft. Wie Fuchs erklärte, liege die Durchfallquote bei 50 Prozent. „Wir müssen uns im Einsatzfall auf Hund und Mensch verlassen können. Da geht es wirklich um Leben und Tod“, so der Ausbilder.
Er schrieb folgendes Szenario: „Ein älterer Mensch aus dem Seniorenheim verirrt sich nur mit Schlafanzug bekleidet im Januar bei Minusgraden im Wald – vielleicht noch bei Dunkelheit. Die Person muss gefunden werden, so schnell es geht. Hier leisten die Hunde unentbehrliche Dienste.“
Aber auch Kinder verlaufen sich oft und finden nicht heim, wie im Fall der achtjährigen Julia im Grenzgebiet des Bayerischen Waldes zu Tschechien 2021. Dort kamen Suchhunde zum Einsatz. „Da waren wir mit unseren Hunden auch dabei“, sagt Karin Manner. Letztlich wurde das Kind wohlbehalten gefunden.
Geeignet für diese Arbeit sind mittelgroße bis große Hunde. Das können Schäferhund, Labrador oder Shepards sein. „Kleine Hunde sind weniger geeignet, da das Gras manchmal höher ist oder der Bewuchs im Wald, und da können die kleineren Hunde die Fährte weniger gut aufnehmen.“ Wie Karin Manner weiter sagt, könne bei den Welpen mit leichtem Training bereits mit zehn Wochen begonnen werden – spielerisch versteht sich. Belohnt werden die Vierbeiner dann entweder mit Leckerli oder mit ihrem Lieblingsspielzeug. Manche Hunde machen dies aber auch mit großer Freude, um ihren Herrchen oder Frauchen zu gefallen.
Dieses Gefühl hat man bei der noch relativ jungen Hündin Kate. Sie schnüffelt ständig umher, möchte ein Leckerli. Doch davor steht Arbeit. Einer der eine lange Amtszeit hinter sich hat ist Kent. Der Weimaraner Rüde darf jetzt nach einer langen Zeit im Dienst und vielen Sucherfolgen in den verdienten Ruhestand. Kent hatte bereits Gastauftritte in der TV Serie „Alarm für Cobra 11“, ist somit auf DVD verewigt und ein Star.
„Kent ist mittlerweile zwölf Jahre alt. Viel für einen großen Hund, aber er ist immer noch am Schnüffeln und Erkunden“, weiß seine Führerin Susan Baumbach aus Essen. Sie ist mit einem Prüfling nach Regensburg gekommen.
Die Prüfung bietet ein realitätsnahes Szenario zur Feststellung der Einsatzfähigkeit von Rettungshundeteams und gilt als Voraussetzung für den Einsatz im Ernstfall. Sie muss dann regelmäßig alle 24 Monate wiederholt werden.
Zwei bis drei Jahre Training
Zur Vorbereitung auf die Prüfung gehört langes Training. Grundsätzlich arbeiten die Hundeführer etwa zwei bis drei Jahre mit einem Hund auf die Prüfung hin. Gleichzeitig durchläuft jeder Hundeführer die Grundausbildung der Johanniter und zusätzliche Module wie Einsatztaktik, Witterung und Themen rund um den Erste-Hilfe-Hund.
Im ersten Prüfungsteil, dem sogenannten Short-Trail, müssen die Hunde zunächst zusammen mit ihrem Hundeführer zeigen, dass sie eindeutig entscheiden können, ob sich am Ort des Geschehens die vermisste Person aufgehalten hat oder nicht. Wenn dies zutrifft, müssen sie auch noch entscheiden, in welche Richtung sie gelaufen ist.
Falls der Geruch der gesuchten Person nicht am Einsatzort auffindbar ist, muss der Hund auch das anzeigen und seinem Hundeführer übermitteln können.
Im anschließenden Hauptteil, falls der erste Teil bestanden ist, folgt eine realitätsnahe Suche einer vermissten Person. Die Geruchsspur, also der Trail, ist dabei allerdings schon 24 Stunden alt. Der Hund muss dann anhand einer Geruchsprobe die Spur ausarbeiten und ihr bis zur vermissten Person folgen. Wird der Vermisste gefunden, versorgen ihn die Rettungskräfte natürlich umgehend.