Einsatzleiter schildert Kampf gegen die Flammen im Fürstlichen Jagdschloss – Was ihn beeindruckt hat

Von Mittelbayerische Zeitung · 14. Oktober 2025 um 05:00

Christopher Möck war vor gut einer Woche der erste Feuerwehrmann, der vor dem brennenden Jagdschloss im Thiergarten (Landkreis Regensburg) gestanden ist. „Die Szenerie war unheimlich – die Hitze, der Rauch, das lodernde Feuer. Etwa zwei bis drei Minuten war ich allein, bevor die ersten Kräfte eintrafen“, schildert der Donaustaufer Feuerwehr-Kommandant seine Eindrücke. Gegenüber der Mediengruppe Bayern lässt er den Einsatz noch einmal Revue passieren.

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Möck, der den Einsatz gegen das verheerende Feuer leitete, geht es vor allem darum, allen beteiligten Organisationen und Einsatzkräften seinen tief empfundenen Dank auszusprechen. Nachdem die Donaustaufer Feuerwehr und ihre Sulzbacher Kollegen alarmiert worden waren, erkundete Möck die Lage zunächst allein, während die anderen Helfer noch damit beschäftigt waren, das Tor zum Golfplatz aufzubrechen. Er konnte sich durch eine Lücke im Tor zwängen und lief zum Schloss.

Bereits bei der Anfahrt hatte der Donaustaufer Kommandant gesehen, dass es sich um ein massives Brandereignis handelte. Er vermutete einen massiven Waldbrand und erhöhte die Alarmierung auf „Waldbrand groß“. Erst vor Ort zeigte sich, dass das Jagdschloss lichterloh brannte.

Ortskenntnis im Thiergarten zahlte sich aus

Daraufhin wurde die dritthöchste Alarmstufe ausgelöst und zusätzlich 6000 Liter Löschwasser, 20 Pressluftatmer, acht Löschgruppen mit jeweils neun Einsatzkräften sowie das Technische Hilfswerk (THW) und der Alarmbeamte des Landratsamtes angefordert. Als besonders wertvoll gerade für die ersten Maßnahmen wertet Möck die hervorragende Ortskenntnis des Kameraden der Feuerwehr Sulzbach.

Zwei Meter hoch lag der Brandschutt in den Ruinen des Gebäudes.

Ein wesentliches Problem war die Wasserversorgung. Hinzu kamen die beengten Platzverhältnisse und die schwierige Zufahrt. Schon zu Beginn wurde ein sogenannter Bereitstellungsraum vor der Hammermühle eingerichtet, hier warteten die Fahrzeuge und wurden nur auf Abruf einzeln zum Objekt beordert. So konnte verhindert werden, dass sich Kräfte gegenseitig behindern.

Über mehrere Stunden kämpften nach Auskunft des Einsatzleiters mehr als 250 Einsatzkräfte verschiedenster Organisationen gemeinsam gegen die Flammen. „Der Einsatz verlief hochprofessionell und ohne Zwischenfälle“, betont Möck. Trotzdem war das historische Schloss nicht mehr zu retten. Es gelang jedoch, das angrenzende Gebäude mit dem Golfshop sowie die umliegende Vegetation zu schützen.

Donaustaufer Kommandant lobt nach Brand beim Jagdschloss die Zusammenarbeit

„Was mich besonders beeindruckt hat, war das perfekte Zusammenspiel aller Beteiligten“, lobt der Donaustaufer Kommandant den Einsatz aller Helfer. „Alle Einheiten und Einheitsführer haben wie Zahnräder ineinandergegriffen – ohne Hektik, ohne Diskussionen, ohne Eigendynamik“, betont Möck. Sehr wichtig: Trotz der schwierigen Bedingungen wie Nachtzeit, steiles Gelände und enorme Hitzeentwicklung, gab es bei dem Einsatz keine Verletzten unter den Feuerwehrdienstleistenden. Am Morgen übernahm dann der stellvertretende Kommandant Patrick Schrödel die Einsatzleitung. Ab diesem Zeitpunkt begannen die Nachlöscharbeiten.

Zu diesem Zeitpunkt war der Brand zwar unter Kontrolle, aber das Feuer noch nicht gelöscht: So lagen im Erdgeschoss etwa eineinhalb bis zwei Meter hoch Brandschutt und glimmende Holzteile. Dazu wurden mehrere Tanklöschfahrzeuge mit insgesamt rund 10.000 Litern Wasser angefordert. „Diese Fahrzeuge brachten im Pendelverkehr Wasser aus einem Hydranten im Ortsgebiet Sulzbach zur Zisterne“, berichtet Schrödel. Die Koordination des Pendelverkehrs stellte eine Herausforderung dar: Die enge Zufahrtsstraße ließ kein Kreuzen der Fahrzeuge zu, gleichzeitig durfte die Zisterne als Pufferspeicher nicht geleert werden. Für den reibungslosen Ablauf sorgten hier die Abschnittsleiter Wolfgang Weigert und Michael Wagner.

Der Brand in Bildern: Was vom Jagdschloss Thiergarten in Donaustauf übrig bleibt

Um ein sicheres und effizientes Arbeiten sicherzustellen, wurde sowohl der THW-Baufachberater als auch die Feuerwehr-Drohne des Landkreises zur Einsatzstelle beordert. Während der Experte vom THW die Standfestigkeit der Außenmauern beurteilte, überwachte die Drohne die Löscherfolge mit ihrer integrierten Wärmebildkamera live. „Wir hatten in jedem Drehleiterkorb einen Mann der in Echtzeit ein Wärmebild angezeigt bekam und so gezielt löschen konnte, das war genial“, berichtet Schrödel.

BRK versorgte die Helfer beim Brand des Jagdschlosses

Insgesamt 250 Helfer waren im Einsatz. - Foto: Feuerwehr Altenthann

Mit im Einsatz war auch das Bayerische Rote Kreuz Regensburg unter Führung von Einsatzleiter Rettungsdienst Jos Pompetzki. „Der Rettungsdienst hielt uns den Rücken frei, versorgte uns hervorragend und sicherte unsere Einsatzkräfte medizinisch ab“, berichtet Möck. Sogar eine Feldküche wurde aufgebaut – der Kaffee und die warmen Mahlzeiten kamen genau zur richtigen Zeit. Christopher Möck ist überzeugt: „Dieser Einsatz hat gezeigt: Wenn die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, funktioniert die Kette – und zwar gemeinsam, über alle Organisationsgrenzen hinweg.“

Obwohl keine Menschen verletzt wurden, sei der Einsatz aber emotional belastend gewesen. „Der Verlust dieses historischen Gebäudes, das Teil unserer Ortsgeschichte ist, hat uns alle bewegt“, betont Möck und erklärt weiter: „Der Gedanke, dass der Golfclub sein Zuhause verloren hat, hat uns erschüttert.“ Der Einsatzleiter weist darauf hin, dass es bei der Feuerwehr eine Parallele zum aktuellen Einsatz gebe: Das Jagdschloss Thiergarten ist von der fürstlichen Familie Thurn und Taxis 1885 als Ersatzbau für das im Jahr 1880 beim Marktbrand zum Opfer gefallene Sommerschloss Donaustauf errichtet worden. Auch damals waren die Feuerwehren aus Donaustauf und Umgebung schon im Löscheinsatz.