Abgebranntes Jagdschloss im Thiergarten: Angebliches Antifa-Bekennerschreiben aufgetaucht

War es doch Brandstiftung? Wurde das Jagdschloss der Familie Thurn und Taxis im Landkreis Regensburg und der dort angesiedelte Golfclub ein Opfer linksextremer Täter? Am Donnerstag ist ein angebliches Bekennerschreiben der Antifa im Netz aufgetaucht. Doch die Polizei ermittelt nach wie vor in alle Richtungen.
Bislang behaupteten lediglich rechtsgerichtete Blogger im Netz, es habe sich beim Brand des Jagdschlosses um einen linksextremen Anschlag gehandelt. Das historische Kleinod, das seit den 60er Jahren den Golf- und Landclub beherbergte und der Fürstenfamilie gehört, ist Anfang der Woche bis auf die Grundmauern abgebrannt. Doch nun ist ein Bekennerschreiben der Antifa im Netz aufgetaucht.
„Das Ziel wurde nicht willkürlich ausgewählt“
Auf der bei Linksextremen bekannten Seite Indymedia, auf der regelmäßig auch Bekennerschreiben zu Straftaten veröffentlicht werden, hieß es wörtlich: „Das Ziel wurde von uns nicht willkürlich ausgewählt.“ Und weiter: „Seid (sic!) Jahrhunderten steht Thurn und Taxis für Monarchie, Menschenverachtung und eine Klassengesellschaft. Während die Zeiten auch in Deutschland wieder für einen großen Teil der Bevölkerung härter werden, sehen wir uns damit konfrontiert, dass mit Gloria von Thurn und Taxis eine Großkapitalistin mitten in Regensburg residiert, in einem Schloss das mehr Zimmer als der Buckingham Palace hat.“
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Die Adelige bewegt sich weitgehend frei in Regensburg. Erst vor ein paar Monaten fuhr sie zusammen mit ihrer schwerbehinderten Nichte im Golfwagen durch das Bürgerfest, dann über einen Skateplatz. Wer die Adelige anspricht, der bekommt auch eine Antwort von ihr. Doch wie unbeschwert können sich Mitglieder der Familie noch in Regensburg bewegen? Nach Erscheinen desangeblichen Antifa-Schreibens kommentierte die Adelige, auch die breite Berichterstattung über Boykottaufrufe gegen sie und die Schlossfestspiele hätten die Situation herbeigeführt: „So etwas schaukelt sich hoch und wird unkontrollierbar“, so von Thurn und Taxis.
Polizei kennt das Schreiben
Das Polizeipräsidium Oberpfalz antwortet auf die Frage, ob Familie und Schloss in Regensburg gefährdet sind, nicht. Doch man kennt das, was angeblich von der Antifa veröffentlicht wurde: „Das in Rede stehende Schreiben ist den Ermittlern der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg bekannt. Es wird derzeit im Rahmen der laufenden Ermittlungen geprüft und in die Gesamtbewertung des Sachverhalts einbezogen“, sagte eine Sprecherin der Behörde. Und weiter: „Ungeachtet dessen erfolgen die polizeilichen Ermittlungen weiterhin in alle Richtungen.“ Es werde mit Nachdruck allen relevanten Spuren und Erkenntnissen nachgegangen, „um ein möglichst umfassendes Bild der Geschehnisse zu erhalten und etwaige Hintergründe oder Motive zu klären“.
Auch die Regensburger Staatsanwaltschaft hat zwischenzeitlich auf eine Anfrage dieser Zeitung geantwortet. Oberstaatsanwalt Dr. Stephan Brunner teilte mit: „Die Bewertung des Bekennerschreibens wird gerade vorgenommen. Vom Ergebnis dieser Bewertung hängt ab, ob eine Abgabe des Verfahrens an den Staatsschutz oder die Bundesanwaltschaft geprüft wird.“
Golf- und Landclubs-Präsident meldet sich zu Wort
Öffentlich zu Wort gemeldet hat sich am Freitag Dr. Bernd Zimmermann, der Präsident des Golf-und Landclubs Regensburg, dessen Clubhaus mit dem Jagdschloss in Flammen aufgegangen ist. „Für uns ist das ein Supergau, eine Riesentragödie“, sagt Zimmermann zu dem Brand, dem Büros, Sekretariat, Veranstaltungsräume, Serverraum und sanitäre Anlagen zum Opfer gefallen sind. Zusammen mit seinem Vorstandsteam war der Präsident in den letzten Tagen nahezu pausenlos damit beschäftigt, sich einen Überblick zu verschaffen und die Mitgliederdaten wieder herzustellen. Da sie der Verein in einer Cloud gesichert hatte, hält sich zumindest der digitale Schaden in Grenzen.
Treffen mit dem Fürstenhaus ist geplant
Zwischenzeitlich hat es nach Auskunft von Zimmermann bereits erste Gespräche mit dem Fürstenhaus gegeben. In den nächsten Tagen ist ein Treffen geplant, um darüber zu sprechen, wie es für den Golfclub weitergehen kann. Innerhalb des Vorstands wurde schon einmal eine kurzfristige Container-Lösung angedacht. Zumindest eine positive Nachricht gibt es für die Mitglieder des Golfclubs: In den nächsten Tagen wird der Platz wieder geöffnet.