Jagdschloss der Fürsten von Thurn und Taxis liegt in Trümmern: Die bewegte Geschichte

Das Jagdschloss im Thiergarten bei Donaustauf im Landkreis Regensburg war ein Juwel aus der Kaiserzeit, der sogenannten Belle Epoque. Doch in der Nacht von Sonntag auf Montag brannte es vollständig aus; die Ursache des Feuers ist weiter unklar. Die Mittelbayerische hat die Geschichte des Schlosses rekonstruiert, die nicht nur zurückreicht bis zu Kaiserin Sisi von Österreich – sondern auch eine dunkle Vergangenheit hat.
Der Schock sitzt nach wie vor tief: Kein Wunder, das Jagdschloss im Thiergarten ist eines der schönsten Beispiele der Villenarchitektur aus der Belle Epoque. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde das Schloss ein Raub der Flammen. Wie Gloria von Thurn und Taxis dieser Zeitung bestätigte, gehörte es nach wie vor zum fürstlichen Besitz. Ihr Ehemann Fürst Johannes (1926 bis 1990) hatte es, noch als Erbprinz 1969 an den Golf- und Land-Club Regensburg übergeben.
Thurn und Taxis und der Golf- und Landclub Regensburg: eine fürstliche Symbiose
Der Golfclub atmet Geschichte: Bereits 1966 wurde er gegründet, damals spielten die Fans des englischen Rasensports allerdings auf dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gelände der Messerschmitt-Flugzeugwerke im Regensburger Westen. „Es erwies sich nun als Glücksfall, dass der Erbprinz und spätere Fürst Johannes von Thurn und Taxis nicht nur als Ehrenprotektor und Gönner gewonnen wurde, sondern er sich auch für den Golf begeisterte“, schrieb der Leiter der Hofbibliothek von Thurn und Taxis, Dr. Peter Styra, in einer Festschrift zum 50. Geburtstag des Clubs. Am 27. Juli 1968 fand das Richtfest statt. „Unter den 200 geladenen Gästen befanden sich auch Fürst Karl August und sein Sohn, Erbprinz Johannes von Thurn und Taxis“, berichtet Styra. Seither wird die Beziehung des fürstlichen Hauses mit dem Golf- und Landclub, der die Farben des Hauses Thurn und Taxis in den Vereinsbannern trägt, als ideal bezeichnet. Die Pacht des Golfclubs sorgte für den Unterhalt des wunderschönen Gebäudes.

Zu der Zeit, als es erbaut wurde, verkehrte eine der mächtigsten Frauen der damaligen Welt in Regensburg. Kaiserin Elisabeth von Österreich, vielen bekannt als Sisi, besuchte regelmäßig ihre Schwester Helene. Die war früh Witwe geworden, ihr Ehemann Maximilian Anton von Thurn und Taxis war jung verstorben. Das Leben Helenes, die Maximilian Anton aus Liebe geheiratet hatte, war tragisch: Ihr ältester Sohn Maximilian Maria verstarb mit nur 18 Jahren im Jahr 1885. Dieses Jahr markiert auch den Bau des Jagdschlosses. „Für Fürst Albert wurde es zum beliebten Wohnort anlässlich der Jagden im Wildpark“, berichtet Fabian Fiedler in seiner Doktorarbeit über die repräsentativen Bauten des Fürstenhauses.
Jagdschloss im Thiergarten bei Donaustauf war „Statistisch-wissenschaftliches Institut des Reichsführers-SS“
Doch auch eine dunkle Geschichte hatte das Gebäude, für das allerdings das Fürstenhaus wenig konnte. Ein Regensburger, der Statistiker Dr. Richard Korherr (1903 bis 1989) erstellte angeblich als Geburtstagsgeschenk für Adolf Hitler im Auftrag des SS-Reichsführers Heinrich Himmler den ersten Bericht über die Ermordung der europäischen Juden. Korherr geriet allerdings ins Visier der SS-Generäle. Himmler versetzte ihn zurück in seine Heimat – die Dienststelle für Statistik hatte ihren Dienstsitz in den letzten beiden Kriegsjahren im Jagdschloss. Himmler selbst verfügte persönlich die Umbenennung in „Statistisch-wissenschaftliches Institut des Reichsführers-SS“.
Korherr beschäftigte sich dort beispielsweise mit den Punischen Kriegen, die das römische Reich an den Rande des Untergangs geführt hatten – er sollte beleuchten, wie die Wende gelang. Doch das tausendjährige Reich brach im Mai 1945 doch zusammen – Korherr verbrachte mit seiner Frau die Monate nach dem Krieg dort.
Die Familie Thurn und Taxis galt als sehr Nazi-kritisch. So war Karl August, Johannes Vater, sogar interniert worden, weil ihn ein Förster bei den Nazi-Schergen wegen Wehrkraftszersetzung hingehängt hatte. Sein Vater Fürst Albert hatte seinen Söhnen verboten, zur Hitlerjugend zu gehen – der bekennende Monarchist war ein Regime-Gegner.
Erinnerungen an Ministerpräsident Franz Josef Strauß
Bekannt ist auch, dass die Fürstenfamilie in der Aschenbrennermarter, die dorfähnliche Jagdanlage im Jagdgebiet Thiergarten, die letzten Kriegstage verbrachte. Dort, wenige Kilometer entfernt vom nun abgebrannten Schloss, landete auch der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß am 1. Oktober 1988, weil er mit dem Fürsten zur Jagd wollte. Gloria von Thurn und Taxis wurde damals Zeuge: „Das war alles wie in einem Film mit schlechtem Ausgang.“ Auch diesmal spricht die Adelige gegenüber der Mediengruppe Bayern davon, wie schrecklich der Brand ist, der das Jagdschloss vernichtete. Für die Familie Thurn und Taxis, aber auch für Bayern ist das Jagdschloss damit ein Schicksalsort.