16 Hektar groß: Investor will in Kelheim Agri-PV-Module auf XXL-Hühnerweiden bauen

Von Beate Weigert · 9. Oktober 2025 um 05:00

Während 95.000 Hühner scharren, sollen senkrechte Solarmodule in Kelheim Strom liefern. Das zumindest ist der Plan eines PV-Investors aus Dillingen. Auch Bürger sollen sich finanziell beteiligen können.

Ein neuer PV-Investor macht sich auf, im Kelheimer Stadtgebiet die erste Agri-PV-Anlage zu realisieren. Auf 16 Hektar um Gut Schwaben will die Next2Sun Projekt GmbH aus Dillingen eine Anlage von bis zu 9 MWp bauen. Auch eine Bürgerbeteiligung soll möglich sein.

Im Süden der Hallertau bei Freising sind PV-Module im Hopfengarten schon länger Realität. Im Landkreis Kelheim wäre solch eine Anlage nach wie vor ein Novum. Vor einiger Zeit hatte zwar ein anderer PV-Investor bei Staubing auf einer Teilfläche höher geständerte Agri-PV-Module angedacht, war dann aber wieder von der Idee abgekommen.

Nun kam ein anderer Investor mit Agri-PV-Plänen auf die Kreisstadt zu. Noch geht es nicht um den konkreten Bauantrag. Denn bevor dieser eingereicht werden kann, müssen zunächst zugrundeliegender Bebauungs- und Flächennutzungsplan in dem Kelheimer Ortsteil geändert werden.

Im Bauausschuss stellten am Dienstag Geschäftsführer Markus Probst und Projektentwickler Marius Sinn erste Details vor. Die Firma beschäftigt 130 Mitarbeiter und hat ihre Zentrale im Saarland, aber auch Stützpunkte im Ausland, etwa in Österreich.

Senkrechte Module geplant

Next2Sun fungiere in Deutschland als Projektentwickler wie auch Anlagenbauer, sagte Probst. So gebe es Anlagen, die weiterhin als Grünlandflächen dienten, wo Kartoffeln oder Linsen angebaut würden.

Auch in Gut Schwaben seien senkrecht montierte Module in Ost-Westausrichtung angedacht. Sie könnten auf beiden Seiten (Vorder- wie Rückseite) Strom erzeugen, erläuterten die beiden Gäste.

Gepachtet seien die Flächen bereits – vom Eigentümer und vom Betreiber der dort ansässigen Bavaria Ei, so Probst. Aktuell wie auch künftig werden die Flächen als Auslauf für 95.000 Hühner genutzt.

Denn Vorteil der vertikal aufgestellten Module sei, dass nur etwa fünf Prozent der Fläche für Solarpanele oder Trafostationen benötigt werde. Der Rest der Fläche könne weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Je nach Art der Bewirtschaftung könnten die Reihenabstände zwischen acht und 15 Metern variieren, theoretisch seien Abstände von fünf bis 25 Metern möglich. So dass – je nach Maschinenpark – die Flächen entsprechend kultiviert werden könnten. Um Gut Schwaben seien acht Meter breite Reihen angedacht, hieß es.

Das Besondere an der angedachten Ost-West-Ausrichtung der Module sei, dass Strom dann erzeugt werde, wenn er gebraucht werde, sprich in den Morgen- und Abendstunden. Zudem ließe sich damit bis zu zehn Prozent mehr Stromertrag erzielen, als bei klassischer Süd-PV. Pro Hektar gehen die Next2Sun-Vertreter von 350 bis 550 kWp-PV-Leistung aus.

Ein Nachteil sei die Veränderung des Landschaftsbilds. Wobei das ins Auge gefasste Gelände „nicht groß einsehbar“ sei, so Probst und Sinn.

Bürger können sich beteiligen

Auch interessierte Bürger könnten sich finanziell an der Freiflächen-Photovoltaikanlage beteiligen. Quasi über „Schwarm-Finanzierung“ könnten Menschen aus der Region der Firma Darlehen gewähren. Wenn Interesse da sei, könne man eine Info-Veranstaltung bieten, so Probst auf Nachfrage von Grünen-Stadtrat Christian Rank.

Für die Verpächter biete solch ein Agri-PV-Projekt eine weitere Einnahmequelle. Denn PV-Module und Hühner könnten unkompliziert nebeneinander bestehen. Die Stadt Kelheim könnte pro eingespeister Kilowattstunde 0,2 Cent verdienen, sagte Probst.

Einstimmig fiel im Bauausschuss der Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan sowie die Empfehlung an den Stadtrat zur Änderung des Bebauungsplans.

Die Kosten für die Änderung des Bebauungs- und Flächennutzungsplans trägt der Investor.