Geglückte „Hausgeburt“: Warum sich eine Mama aus Abensberg für ein Tiny House entschied

Mit einem Tiny House erfüllte sich die Single-Mama Maria Biberger aus Abensberg im Landkreis Kelheim den Traum von den eigenen vier Wänden. Vom Wunsch zur Wirklichkeit war es aber ein langer Weg.
Wie ein großes Paket steht es da. Philipp kann es kaum erwarten und friemelt schon einmal ein bisschen ander Folie herum. Unter der verbirgt sich das schönste Geschenk, das sich seine Mama Maria Biberger selbst hätte machen können: Ein Tiny House, oder auf Deutsch: ein winziges Haus mit 33 Quadratmetern Wohnfläche. Damit erfüllt sich die 44-Jährige den Traum vom Eigenheim.
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Der vergangene Donnerstag war dann für die Abensbergerin das spannende Finale einer langen Reise. Denn das kleine Häuschen musste in die noch kleinere Straße gegenüber der Gillamooswiese transportiert und schließlich mit dem Kran auf das dafür vorgesehene Schraubenfundament gehoben werden. Gegen Mittag ist das geschafft, was am Morgen mit einem „Kraftakt“ begann. „Wir kamen mit dem Schwertransport nicht in die Straße rein, ein Stück Zaun musste weichen.“ Aber zum Glück gibt es findige Handwerker und schnelle Hilfe aus der umliegenden Nachbarschaft.

Das Haus hat einen langen Weg hinter sich. Es wurde über 1600 Kilometer weit aus Litauen über den Seeweg, und schließlich ab Rostock über Land bis nach Abensberg transportiert.
Kleine Fläche, kleines Haus
Ein langer Weg war es auch vom ersten Gedankenspiel bis zur Realisation. „Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit minimalistischem Wohnen und freilich damit, wie ich selbst ein Eigenheim haben könnte“, so Biberger.
Ein nur 265 Quadratmeter großes Grundstück im Hochwassergebiet der Abens, das für normale Häuser zu klein wäre, brachte sie schließlich diesem Traum ein Stückchen näher. „Letztes Jahr im November hatte ich das Grundstück zum ersten Mal gesehen.“

Dann musste mit den Behörden geklärt werden, ob hier überhaupt ein Tiny House gebaut werden kann. „Aber die waren alle wirklich sehr zuvorkommend und hilfsbereit.“ Viele, viele Stunden der Recherche folgten. Biberger holte eine Architektin mit an Bord, für den Bauantrag und die Abwicklung des Ganzen. Und sie machte sich über Tiny Häuser schlau, lernte, dass es große Unterschiede gibt. „Manche sind teuer, aber dann nicht mal so gut in der Qualität. Und andere wiederum sind zwar billiger, aber in der Verarbeitung nicht so schön.“ Schließlich fand sie „ihr“ Haus in ähnlicher Bauweise in Hessen, schlief sogar eine Nacht darin. „,Wow‘, dachte ich mir, ,das fühlt sich einfach gut an.‘“ Schon alleine der Holzgeruch überzeugte sie.

Im April wurde das Haus dann bestellt und war sechs Wochen später fertig: 30 Quadratmeter mit Platz für Bad, Kinderzimmer und Ess-Wohnbereich. Nun musste sich Biberger noch um den Transport aus Litauen und um den Aufbau hier in Abensberg kümmern. Das Haus ruht auf einem Schraubenfundament. Der Abstand dieser Schrauben musste im Vorfeld von Experten exakt berechnet werden, damit sie das Haus stabil halten können. Betoniert wurde nichts, „was ja für die Umwelt besser ist“, sagt Biberger. Zudem könnte, wenn man denn wollte, das Haus so auch wieder leicht an einen anderen Ort versetzt werden.
Von der 94 Quadratmeter großen Wohnung in ein 30 Quadratmeter-Haus umzuziehen, das erfordert freilich die Konzentration aufs Wesentliche, den Mut zum Minimalismus. „Ich habe viel ausgesondert.“ Dafür kehrt nun ein Gefühl der Leichtigkeit ein: „Ich finde, auf 30 Quadratmetern mit wenig Graffl lebt es sich einfach besser.“ Außerdem ist da noch eine alte Scheune auf dem Grundstück, in der man zur Not auch etwas unterstellen kann.
Gegen Altersarmut
Beheizt wird das Ganze im Übrigen über eine Stromheizung, die soll künftig aus einer Photovoltaikanlage auf dem Dach gespeist werden. In diesen Tagen wird das Häuschen noch an Strom- und Wasserleitungen angeschlossen, eine Küchenzeile muss noch ausgesucht werden und dann kann Biberger einziehen.

Für Biberger ist die Entscheidung für ihr neues Haus, das sie ohne Grundstück etwa 90.000 Euro gekostet hat, auch ein Schritt, „um der Altersarmut zu entgehen“, wie sie sagt. Der erste Schritt ins neue Wohnen ist schon einmal gemacht. Als das Haus nach Stunden auf dem Schraubenfundament steht, schauen nicht nur die Handwerker, die dabei halfen, glücklich drein. „Lang gnua homa umeinander tan“, meint Kranführer Gerhard Hauner, nachdem er das große Paket sanft abgesenkt hat. Biberger umarmt ihn glücklich, „es ist eine Hausgeburt“, sagt sie scherzhaft. Und um die Ecke, dort, wo künftig ein Stück Garten entstehen wird, findet Sohn Philipp derweil eine Schnecke, mit ihrem „Tiny House“ auf dem Rücken.