Weshalb in diesen Hallertauer Hopfengärten nicht nur Dolden geerntet werden

Von Karin Trouboukis · 7. Oktober 2025 um 19:00

Sieben Meter hohe Gerüstanlagen, an denen entlang der Aufleitdrähte Hopfenreben wachsen. Ein gewohntes Bild in der Hallertau, das sich seit zwei Jahren auch in anderen Facetten präsentiert: In Neuhub bei Au hat der Landwirt Josef Wimmer auf zunächst 2,4 Hektar seiner Hopfengärten Photovoltaikmodule installiert und damit die bundesweit erste Agri-PV-Hopfenanlage geschaffen – mit viel Pioniergeist, Idealismus und Risikobereitschaft.

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Doch das Pilotprojekt bewährt sich und ist gewachsen. Jetzt sollen weitere Hopfengärten mit PV-Modulen bestückt werden – auch an der Grenze zum Wolnzacher Gemeindebereich.

Wurzeln liegen im Schutz vor Hagelschlag

Hopfen-Agri-Photovoltaik. Drei Begriffe, dreifache Tragweite. Es geht um möglichst optimale Bedingungen für den Hopfenanbau, um eine zukunftsorientierte Landwirtschaft und Erneuerbare Energie. In dieser Reihenfolge, denn die allererste Hopfen-PV-Anlage hat tatsächlich einen anderen Ursprung: „Eigentlich ging es uns darum, etwas zu finden, wie wir unseren Hopfen vor Hagelschlag schützen können“, so Josef Wimmer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Hagelkatastrophe von 2009 saß ihm und seinen Berufskollegen noch tief in den Knochen, die Bilder von regelrecht zerfledderten Reben hatten sich tief eingebrannt. Als beauftragter Hagelschätzer sei er viel herumgekommen, so der Hopfenbauer. Auch nach Tettnang, wo die Obstbauern ihre Anlagen durch spezielle Netze vor Hagel schützen. Ob so etwas nicht im Hopfen auch machbar wäre? Warum nicht mit der Montage von Photovoltaik-Modulen über den Reben? „Und so wurde aus Hagelschutz PV“, so Wimmer.

Bundesweit erste PV-Anlage über Hopfenanlagen

Die bundesweit erste PV-Anlage über Hopfenanlagen hat er 2023 in Betrieb genommen: Leistung ein Megawatt auf 2,4 Hektar. Heuer folgte dann die zweite PV-Anlage nach ähnlichem Prinzip, wieder auf ungefähr der gleichen Fläche mit gleicher Leistung – allerdings um einige Erfahrungen reicher. Stichwort Verschattung. Da es bislang keine vergleichbaren Projekte gab, habe man hier experimentieren müssen, was die Installation und die Größe der PV-Module betrifft, weil der Hopfen zum Wachsen ja doch auch Sonne braucht. „Da haben wir aus der ersten Anlage durchaus gelernt“, sagt der Landwirt und Hopfen-PV-Pionier. Deshalb hat er gerade das Grundgerüst für eine weitere Agri-PV-Anlage rund um seinen Betrieb in Neuhub bei Au errichtet, weitere Anlagen könnten folgen.

Und eben dafür wolle er für seinen Betrieb nun die baulichen Voraussetzungen schaffen, nämlich über ein Bauleitverfahren, zu dem jetzt auch der Markt Wolnzach gehört wurde: weil der räumliche Geltungsbereich an Gschwend und Holzjackl und damit an den Gemeindebereich Wolnzach grenzt.

Geltungsbereich umfasst insgesamt 25,8 Hektar

25,8 Hektar umfasst der Geltungsbereich insgesamt, eine Zahl, die auch im Wolnzacher Rathaus zumindest für Aufhorchen sorgte. Denn schließlich hat man hier im Februar 2023 Richtlinien für Freiflächen-PV-Anlagen beschlossen, in denen eine Maximalgröße von zehn Hektar festgelegt ist. Die Zahl von 25,8 Hektar kann der Antragsteller erklären: „Das ist praktisch die gesamte Fläche rund um unseren Hof herum“, so Josef Wimmer. Durch das Bauleitverfahren soll für die Zukunft die Möglichkeit geschaffen werden, auch noch weitere Hopfengärten entsprechend umzurüsten. Wenn schon Bauleitverfahren, dann gleich für alle eventuell in Frage kommenden Flächen. Die baurechtlichen Vorgaben und der entsprechende Zeitaufwand würden ja schließlich nicht weniger, so Wimmer.

Wohlwollen aus Wolnzach

In der Marktgemeinde Wolnzach jedenfalls steht man seinem Vorhaben sehr offen, sehr wohlwollend und auch sehr interessiert gegenüber. „Ich meine, diese doppelte Nutzung ist absolut der richtige Weg, den wir positiv begleiten sollten“, so Bürgermeister Jens Machold (CSU). Ganz genau so sieht es Zweiter Bürgermeister Josef Schäch (GfW), dem vor allem auch der Gedanke gefällt, dass hier für eine PV-Anlage kein zusätzlicher Boden verbraucht wird. Roman Neuber (CSU) der beruflich viel mit PV-Anlagen zu tun hat, meinte gar: „Besser geht’s nicht.“ Landwirtschaft und Energieerzeugung, Module auf Hopfengärten, wo Tiere weiter unten durch laufen können, Hagelschutz obendrein, das sei eine perfekte Kombination. „Zwei Fliegen mit einer Klappe“, lobte auch Karin Sedlmeier (Grüne) das Projekt in der Nachbargemeinde, das uneingeschränkt positiv vom Wolnzacher Bauausschuss begleitet wird.

Landwirt Josef Wimmer freut die Wolnzacher Einschätzung, wie er sagt: „Das ist ja schon mal sehr gut.“ Und wichtig, gerade in Zeiten, in denen bürokratische Vorgaben immer umfangreicher werden.