Auf ein Glas Wein mit einem selbstbewussten Further Drachen Fanny

Von Alexander Frimberger · 8. Oktober 2025 um 11:00

Mit dem Abschluss der Landesgartenschau Furth im Wald endet auch unsere kleine Serie: „Auf ein Glas Wein mit...“ Für das Finale haben wir uns einen ganz besonderen Gesprächspartner ausgesucht: Den Further Drachen. Weil aber mein Drachisch dramatisch eingerostet ist, standen mir zwei Übersetzer zur Verfügung: Sandro Bauer, als Bürgermeister praktisch auch Herrscher des Drachenimperiums, und Thomas Roßmann Primus inter pares (Erster unter Gleichen) der Drachenmannschaft. Schnell wurde klar, der Further Lindwurm weiß schon um seine Bedeutung und ist mit gesundem Selbstvertrauen ausgestattet.

Eine grundsätzliche Frage vorweg: Fanny oder Tradinno, wie wollen Sie lieber angesprochen werden?

Fanny: Natürlich Fanny. Tradinno ist eine Wortkombination aus Tradition und Innovation. Das hat in meiner Entwicklungsphase gepasst, aber schon lange nicht mehr. Fanny finde ich viel hübscher. Bekommen habe ich den Namen übrigens von Sandro Bauer, Thomas Roßmann und Hans Lauerer. Letzterer soll ja ein Urgestein im Umgang mit Drachen sein und hat wohl auch schon meinen Vorgänger betreut.

Wie kommen Sie damit klar, dass es in diesem Jahr mit der Landesgartenschau und dem Cave Gladium gleich zwei Konkurrenten im Kampf um die Publikumsbeliebtheit gegeben hat?

Fanny (schnaubt verächtlich, Rauch und Feuer lassen mich zusammenzucken): Sie belieben zu scherzen, Landesgartenschau, Cave Gladium, von mir aus. Aber ich bin der Star, das ist ja wohl klar. Die Leute wollen mich in Aktion sehen und wenn sie schon da waren, sind sie halt auch auf die Landesgartenschau gegangen.

Beeindruckende Zahlen

Natürlich traue ich mich da nicht zu widersprechen. Fakt ist aber auch, wie Sandro Bauer sagt, dass die Karten für die Drachenstichfestspiele immer gut verkauft werden, die Zahlen heuer aber durch die Decke gegangen sind. 97 Prozent Gesamtbelegung (2024 waren es 89 Prozent). Neun Vorstellungen waren sogar ausverkauft. Also lieber eine andere Frage.

Nach welchen Kriterien haben Sie sich denn ihre Betreuer der Drachenmannschaft ausgesucht?

Fanny: Um das richtig zu stellen, es sind meine Angestellten. Jede Königin braucht einen Hofstaat. Natürlich habe ich sorgsam ausgewählt. Zum einen mussten die Fähigkeiten passen, zum anderen haben ja alle noch Nebenjobs bei der Stadt, so dass ich auf die einzelnen Abteilungen verteilen musste, damit nicht einseitig zu viel Arbeitskraft verloren geht.

Lesen Sie ein weiteres Interview: Auf ein Glas Wein mit Neukirchens Bürgermeister Markus Müller auf der Landesgartenschau

Haben Sie die Namen der Drachenmannschaft für uns?

Fanny: Thomas Roßmann, Alexander Lauerer, Kevin Roßmann, Stefan Ege, Markus Igl, Bastian Bauer und Andreas Mühlbauer sorgen dafür, dass ich mich wohl fühle.

Im Vertrauen verraten mir Roßmann und Bauer, dass jede einzelne Funktion über Fernbedienungen gesteuert wird. In der ersten von Roßmann, der auch die Hauptkontrolle hat, stecken die Programme für das Schreiten und die Rumpfbewegungen. Die Kontrolle kann er an seinen Sohn Kevin und Bastian Bauer abgeben, die sich abwechseln. Der Hauptschalter bleibt aber beim Organisationsleiter. Igl ist für Hals, Kopf und Maul zuständig, Ege ist Herr über die Flügel, den Ton, Schwanzbewegung, Rauch und Blut. Den Wagen, auf dem der Drache ruht, steuert Lauerer. Was man auf den ersten Blick nicht glauben möchte, er hat mit die größte Verantwortung. Er muss den Drachen zentimetergenau durch Engstellen bugsieren und vor dem Tor zur Arena am richtigen Punkt platzieren, damit Fanny auch durchschreiten kann. Andreas Mühlbauer kümmert sich um die Betriebsstoffe. Er schaut also, dass Fanny immer genug zu essen und zu trinken hat. Grundsätzlich sind sich die beiden am Interview beteiligten Zweibeiner aber sicher, „dass jeder vom anderen abhängig ist.“ Weiter zur nächsten Frage.

Eine weitere Personalie, das diesjährige Ritterpaar Antonia Buschek und Tobias Jelinek, wie waren sie zufrieden?

Fanny: Auch wenn beide an meine schauspielerische Leistung nicht heranreichen, die jungen Leute haben das gut gemacht. Nur Tobias hätte mich nicht so stark herhauen müssen. Ich habe wohl schon meinen Angestellten leid getan, Einer hat mir im Vertrauen verraten, dass man kurz überlegt hat, ob ich dieses Jahr auch mal gewinne. Aber wie sage ich immer: Alles für die Rolle.

Ganz verletzungsfrei sind Sie ja auch in dieser Saison nicht geblieben, worauf führen Sie das zurück?

Fanny: Auf mein Arbeitspensum natürlich. In der Festspielzeit keinen Tag frei, ständig bewegte Führungen in der Parkarena, da können sich die Verantwortlichen glücklich schätzen, dass es für Drachen kein Arbeitsschutzgesetz gibt. Zweimal hatte ich kleinere Verletzungen und einmal habe ich mir den Fuß verknackst.

Alle für den Drachen

Die menschlichen Dolmetscher klären auf: Es gab einen Getriebeschaden und einen Kabelbruch (wir berichteten). Im Fuß war ein Stoßdämpfer fest, so dass die Fußstellung nicht gestimmt hat. Das hatte Auswirkungen auf die Startstellung. Aber auch dieses Problem hat das Team mit Hilfe von Außen gelöst. „Wenn es um den Drachen geht, da gibt es von keinem Further ein Nein“, sagt ein stolzer Bürgermeister.

Roßmann (li.) und Bauer: Bei einem Glas Wein dolmetscht es sich besser. - Foto: Alexander Frimberger

Zum Schluss darf natürlich noch einmal Fanny ran.

Wie geht es weiter, gönnen Sie sich ein paar freie Tage?

Fanny: Wie mir gesagt wurde, gibt es am 24. Oktober noch eine Abendveranstaltung in der Parkarena, darauf bereite ich mich natürlich akribisch vor. Schon weil der Jahresabschluss von Feuerkünstlern begleitet wird. Lächerlich, als ob die ein größeres Feuerspektakel als ich machen könnten. Dann ist Winterpause und ich begebe mich auf Kur: Wenn Sie es nicht verraten, da bin ich dann auch nackert.

Klarheit bringt wieder Thomas Roßmann. Der Drache wird durchgecheckt, da müssen natürlich auch ein paar Schuppen runter.