Ein Glas Wein mit Heidi Wolf: Ein Rückruf als Glücksgriff für die Gartenschau in Furth

„Ein Glas Wein mit...“ Ich habe diese Idee von meinem Kollegen Alex Frimberger geklaut und mir logischerweise jemanden ausgesucht, den ich gut leiden kann: meine Berufskollegin Heidi Wolf. Sie ist Presse-Chefin der Gartenschau in Furth, weil sie einmal zu oft zurückgerufen hat. Daraus ist ein echter Glücksgriff für beide Seiten geworden.
Ich schreibe jetzt nicht, wie lange ich Heidi Wolf schon aus meiner Arbeit kenne. Die einzige Frage, die sie mir mit einem charmanten Lächeln verweigert hat, war nämlich die nach ihrem Alter: „Des sog i dir net.“ Ich sag’s mal so: Ich kenn sie schon lange. Als hervorragend vernetzte Kollegin, als versierte Redakteurin und als Frau – so würde es der Bayer formulieren – mit am G’nack. Für die Hochdeutschen: mit Rückgrat.
Erkenntnis: „Das bin ja ich!“
Es begann also mit einer Rückrufbitte. Herwig Decker hatte darum gebeten. Er war in der Anfangszeit kurz Geschäftsführer der Gartenschau. Seine Frage: „Kennst du jemanden, der die Pressearbeit für uns machen könnte?“ Dann beschrieb Decker die Anforderungen. „Je länger der geredet hat, desto mehr hab ich gedacht: Das bin ja ich“, sagt Heidi Wolf.
Zu diesem Zeitpunkt war sie nach ihrer Laufbahn im Bayerischen Rundfunk als Pressereferentin für den Landrat von Grafenau, Alexander Muthmann, tätig und später für den dortigen Bundestagsabgeordneten Muhanat Al-Halak. Nicht einfach, erinnert sie sich. Zwei Mal pro Woche von Grafenau nach Berlin zu fahren. Dazu eine etwas schwer verdauliche Büroleiterin...
900 Überstunden
Dann rief Furth. Der Abschied vom Bundestagsabgeordneten war unglaublich traurig, sagt Heidi Wolf. Nach 14 Tagen Bedenkzeit hat sie aber am 7. Januar 2024 doch in Furth angefangen. Was sie damals nicht wusste: Die Arbeit als Presse-Chefin der Gartenschau sollte einer der forderndsten Jobs werden, die sie bisher hatte. Und das waren einige...
Eingestiegen ist sie mit 20 Wochenstunden. Schnell war klar: Das reicht niemals! „Im Sommer hatte ich 120 Stunden in drei Wochen“, erinnert sie sich. Im Februar waren es dann 160. Heute hat sie unter dem Strich 900 Überstunden stehen und versucht dafür ihren Vertrag zu verlängern, um die abzubauen.
Augen zu und durch den eigenen Garten
Am Erfolg der Gartenschau hat die Pressesprecherin ihren Anteil. Darauf ist sie auch stolz: „Wir sind die erste Landesgartenschau, die es in die Tagesthemen geschafft hat.“ Während Furth aufblüht, erlebt der Garten zuhause ganz neue Zeiten: „Der ist jetzt sehr naturnah... Augen zu und durch...“
Ich fahre mit Freunden jetzt wieder gerne nach Furth. Und auch die Further haben sich verändert. Sie sind richtig stolz auf das, was aus ihrer Stadt geworden ist.
Heidi Wolf, Pressechefin der Gartenschau Furth im Wald
Zur Entscheidung für den Job in Furth hat auch beigetragen, dass Heidi Wolf eine sehr emotionale Beziehung zur Drachenstadt hat: „Mein Opa hat mir dort von dem Geld, das er für seinen Honig bekommen hat, die ersten Ohrringe gekauft“, erzählt sie.
Das hat der Bürgermeister nicht gut gefunden
Es hat ihr wehgetan, zu beobachten, wie es mit Furth bergab ging. Auch nach der Grenzöffnung erlebte sie die Stadt als einen Ort der verpassten Chancen. „Bürgermeister Sandro Bauer hat es nicht so besonders gut gefunden, dass ich Furth als sterbende Stadt gesehen habe“, sagt Wolf.
Heute ist sie glücklich über die Wandlung, die Furth mit seiner Gartenschau durchgemacht hat. „Ich fahre jetzt wieder gerne mit Freunden hierher. Und auch die Further haben sich so verändert. Sie sind richtig stolz auf das, was aus ihrer Stadt geworden ist.“
Die schönen Schlüsselmomente
Heidi Wolf erinnert sich noch gut an das Bangen und die Kassandra-Rufe, dass die Gartenschau Furth es nicht bis zur Eröffnung schaffen wird. Und so war es einer der schönsten Momente für die Presse-Chefin, als Umweltminister Thorsten Glauber zur Eröffnung kam und klar war: Wir haben es hingekriegt.
Und dann war da noch diese Möglichkeit viele Schlüsselmomente hautnah mitzuerleben. Beim Zimmerer Josef Penzkofer im Betrieb zu stehen und die erste riesige Wabe der Parkarena am Boden liegen zu sehen. „Und du kannst dir nichts vorstellen in dem Moment. Schon gar nicht, dass daraus ein derart filigranes Objekt werden wird“, sagt Wolf. Und sie schwärmt bis heute von Josef Penzkofer und seinem Architekten Peter Hickl: „Das sind zwei im besten Wortsinne Besessene.“
Ein tiefes Loch? Nicht für Heidi Wolf!
Oder dieser Moment, als die Kalte Pastritz in ihr neues Bett ungeleitet wurde und der Bauunternehmer Peter Kolbeck zu seinem Sohn sagte: „Davon kannst du noch deinen Enkeln erzählen, dass du hier dabei warst!“ Das war für Heidi Wolff überhaupt eines der Schlüsselelemente für den Erfolg: Der Zusammenhalt der Firmen auf der riesigen Baustelle: „Da hat jeder dem anderen geholfen.“
Und was jetzt? In ein paar Tagen ist die Gartenschau vorbei. Kommt dann ein tiefes Loch für die Heidi Wolf? Sie lacht. „Nein. Ich werde einfach ein paar Tage schlafen.“ Dann fliege ich zu meiner Familie in Finnland und nehme mir Zeit für den anderen Teil der Familie in Arnschwang.
Und sie erinnert sich mit einem Lächeln an den Spruch von Bürgermeister Sandro Bauer, dass so eine Gartenschau auch ein Karrieresprungbrett sein kann. „Ich brauche wohl eher ein Absprungbrett“, sagt sie. Und bei aller Liebe zu Furth, fügt sie hinzu: „Sowas mache ich aber nie wieder!“
Cafe? – Langweilig!
Was dann? Da ist die Heidi Wolf spontan: „Ich habe beruflich in einem Leben immer alle auf mich zukommen lassen. Das halte ich wieder so.“ Und dann sagt sie was, das jedem, der sie kennt, sowieso klar war: „Im Cafe sitzen ist mir auf die Dauer zu langweilig. Ich bin da mal gesessen und habe mir gedacht: Auch schön, aber nichts für mich. Man muss die kleinen grauen Zellen füttern, damit sie fit bleiben!“
Ach ja: Und mit uns von der Presse ist sie immer gut zurechtgekommen, sagt Heidi Wolf. Das kann ich bestätigen. Ich mag diese Heidi Wolf. Ein Profi mit breitem Rückgrat und dabei immer freundlich, liebenswürdig und kompetent. Mit so jemandem ein Glas Wein zu trinken, hat Spaß gemacht und war mir ein Bedürfnis. Danke auch dafür.