Auf ein Glas Wein mit Neukirchens Bürgermeister Markus Müller auf der Landesgartenschau

Markus Müller ist der Inbegriff eines gestandenen Lokalpolitikers. Der Bürgermeister von Neukirchen beim Heiligen Blut und stellvertretende Landrat ist außerdem Geschäftsführer der Hohenbogenbahn. Auf der Landesgartenschau beeindruckt er bei einem Glas Wein den Gesprächspartner mit seiner klaren Art, seiner Kompetenz und seinem Gerechtigkeitssinn.
„Ich bin ein guter Zuhörer“, sagt der Neukirchner Rathauschef von sich selbst. Das kann schon sein. Heute soll er aber erzählen, schließlich interessiert doch vor allem auch, warum er, der beinahe sein ganzes Leben lang politisch engagiert ist, scheinbar Knall auf Fall verkündet hat, nicht mehr für das Amt antreten zu wollen.
Doch der Reihe nach: Der 58-Jährige stammt aus einem politisch konservativen Elternhaus. Bereits 1982 ist er in die Schülerunion eingetreten und hat schnell Verantwortung übernommen. „Das war eine verrückte Zeit“, erinnert er sich. Er hat sich damals für den Nato-Doppelbeschluss stark gemacht, weil er der Meinung war, es tut uns gut, wenn der Westen dem Osten etwas entgegenhalten kann. Bis heute ist Müller außerdem ein Verfechter der Atomkraft. 1984 ist er dann wieder aus der Schülerunion ausgetreten. „Das war im November aus Protest, weil die Kreis-CSU damals das Krankenhaus in Neukirchen geschlossen hat“, sagt er und lächelt.
Seit 2014 im Chefsessel im Rathaus
Heute sieht er das anders, ist überzeugt davon, dass nicht jeder kleinere Ort es sich leisten kann, solche Einrichtungen zu betreiben. Später hat er in die Christlich-Soziale Familie zurückgefunden, war Marktrat, 2. Bürgermeister (ab 2008), und ab 2014 hat er den Chefsessel im Rathaus und den Stellvertreterposten im Landratsamt übernommen. Die Entwicklung der Heimat, mitzuhelfen, sie positiv zu gestalten, das waren von Anfang an seine Triebfedern. „Wenn man so an der Scholle hängt wie ich, dann setzt man sich dafür ein.“ Ein im positiven Sinne eindrückliches Erlebnis war die Grenzöffnung, die nicht nur dem Landkreis Cham eine weitere Himmelsrichtung eröffnete. „Das hat uns einen enormen Aufschwung gebracht.“
Doch nicht nur in der Politik der Region hat er Spuren hinterlassen. Seine zweite Herzensangelegenheit ist der Tourismus. „Auch damit bin ich groß geworden“, sagt er. Schnell hat man sein Talent für den Fremdenverkehr erkannt und ihm nach einigen Stationen die Leitung der Touristinfo in Neukirchen übergeben. Bereits 1992 wurde das Wallfahrtsmuseum eröffnet, das bis heute hohe Besucherzahlen verzeichnet. Und dann ist da ja auch noch die Hohenbogenbahn. Dass er heute erfolgreich die Geschicke des Freizeitzentrums leitet und gerade über eine Kapitalerhöhung nachdenkt, um die Attraktivität weiter zu steigern, hat er zumindest mittelbar auch seinem Vater zu verdanken. Der war Gründungsmitglied der Hohenbogenbahn. 1972 ging der Skilift in Betrieb, ausgerechnet in einem Jahr, in dem es im Winter kaum Schnee gab. Viele Widrigkeiten waren zu überwinden, bevor der Berg mit Sommerrodelbahn, Beschneiungsanlage, Events und mehr zu dem wurde, was er heute ist.
Seit 31 Jahren verheiratet
Seit 31 Jahren ist Müller inzwischen mit seiner Frau Marion verheiratet, die seine Aktivitäten immer mitgetragen hat. „Bürgermeister ist ein interessanter Job, man kann gestalten und hat den Blick immer nach vorne gerichtet.“ Zumindest war das einmal so. In seiner Zeit als 2. Bürgermeister hat er das spektakuläre Naturbad hauptsächlich verantwortet und bezeichnet auch die Veranstaltungsreihe Kultur im Schloss als großen Wurf für seine Marktgemeinde.
So etwas vergisst du nie mehr.
Neukirchens Bürgermeister Markus Müller über das Jahrhunderthochwasser am 1. August 1991
Dann wird Markus Müller emotional. Er berichtet vom verheerenden Jahrhunderthochwasser am 1. August 1991. Als Feuerwehrmann hat er diesen schrecklichen Tag mit drei Toten, 100 betroffenen Gebäuden und 30 Millionen Euro Schaden erlebt. Seine Schwägerin hat die Katastrophe nur mit viel Glück überlebt. „So etwas vergisst du nie mehr.“Seither treibt ihn der Hochwasserschutz um. Dass der als kommunale und nicht als staatliche Aufgabe gesehen wird, findet er falsch.
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Eine Schattenseite seines Jobs sei aber auch, „dass es mit der kommunalen Selbstverwaltung nicht mehr weit her ist“. Der Amtsschimmel wiehert gewaltig. Vieles wird von oben herab bestimmt. Detailliert und fundiert berichtet Müller von Bürokratiemonstern, wie dem Einwegkunststofffondsgesetz oder der Trinkwassereinzugsgebietsverordnung (wen die Details interessieren, der möge das Internet befragen). Vieles, was er erzählt und aus umfangreichen Schriftstücken zitiert, was ihn schließlich amtsmüde gemacht hat, klingt nach Satire. „Ja“, sagt er „und die wird ja bekanntlich nur von der Realität übertroffen.“ Seiner Ansicht nach muss sich die Bundespolitik um die großen Themen wie Rente, Pflege und Infrastruktur kümmern. „Dafür sollen sie uns die kommunale Selbstverwaltung machen lassen.“
Es muss ein Junger ran, der nicht vorbelastet ist.
Neukirchens Bürgermeister Markus Müller über einen möglichen Nachfolger im Amt
Die Nachfolge vom aus dem Amt scheidenden Franz Löffler anzutreten kam für ihn ohnehin nicht in Frage, und auch auf dem Chefsessel im Rathaus hat er lange genug gesessen. „Es muss ein Junger ran, der nicht vorbelastet ist“, findet Müller, der auch beklagt, dass die Anspruchshaltung einiger Bürger immer größer wird.
Auf Tour mit dem Wohnmobil
Geschäftsführer bei der Hohenbogenbahn bleibt er schon, hat noch einiges vor. Doch in Zukunft soll mehr Zeit sein für Dinge wie Rad fahren. Auch der Garten mit Streuobstwiese und einer Bienenweide – beides hat er selbst angelegt – sind bisher zu kurz gekommen. Dann wäre da auch noch das Wohnmobil, mit dem sich die Müllers ihre Auszeiten gönnen.
Musikalisch ist er übrigens nicht, hat eine Zeit lang, wie er sagt, Akkordeon, Gitarre und Trompete gequält. Aber er hört gerne Musik. Die australischen Hardrocker AC/DC zum Beispiel. „Da war ich auf allen Konzerten der letzten Jahre“, sagt er. Gerne lauscht er aber auch den Konzerten bei Kultur im Schloss.
„Alles hat seine Zeit, auch deswegen gehe ich nicht im Groll“, sagt Müller, der als Lieblingsplatz auf der Landesgartenschau den Rand des Biergartens beim Teich auserkoren hat. „Da hat man so einen schönen Überblick über das Geschehen.“ Als Bürgermeister, ist er überzeugt, muss man Menschen mögen. Und sie mögen ihn. Am Ende des Gesprächs wird er abgeholt. Im Schattengarten wird er zu einer weiteren Plauderei erwartet.