Geld für Chamer Energieprojekte: Kommunen ringen um Millionen für ehrgeizige Windkraftpläne

Von Christoph Klöckner · 25. August 2025 um 15:00

Die Regionalwerke Landkreis Cham wollen gemeinsam mit ihren Partnern groß investieren. 250 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren in die Windkraft fließen, um günstigen, regional produzierten Strom für Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung zu haben. Aufbringen sollen das Geld auch die beteiligten Kommunen – dem Vernehmen nach geht es um 20 Millionen. Doch können sich das die Gemeinden leisten?

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Auf die Nachfrage bei den Regionalwerken, die am Landratsamt angesiedelt sind, nach der Summe von 20 Millionen Euro aus Gemeindekassen, die dem Vernehmen nach im Raum steht, gibt es keine klare Antwort. „Die beteiligten Kommunen sind überzeugt: Der wirtschaftliche Erfolg einer Region hängt maßgeblich vom Thema Energie ab. Es ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge der Kommunen für eine bezahlbare Energieversorgung zu sorgen“, so Fabian Koller, Pressesprecher des Landratsamtes, auf die Frage, ob die Summe so richtig sei.

Die Grundlage für die Regionalwerke hätten 37 der 39 Gemeinden und der Landkreis Cham durch die Gründung des gemeinsamen Kommunalunternehmens „Regionalwerke Landkreis Cham“ gelegt. „Dessen Betrieb ist durch den Beitrag von drei Euro je Einwohner solide finanziert. Dieses Geld ermöglicht die Entwicklung und Planung von konkreten Projekten in den Bereichen Solarenergie, Windkraft und Energiespeicherung“, heißt es dazu weiter.

Von Anfang an war allen Gemeinden und dem Landkreis klar: Für die Umsetzung jedes dieser Projekte braucht es eine projektbezogene Finanzierung. Diese setzt sich aus kommunalen Mitteln, Beteiligungen von Bürgern und Unternehmen sowie Fremdfinanzierung – etwa durch Banken – zusammen. Das wurde auch immer offen so kommuniziert.

Fabian Koller, Pressesprecher des Landratsamtes Cham

Für Verwirklichung jedoch braucht es deutlich mehr Mittel, bei Kosten pro Windrad zwischen drei und sechs Millionen Euro pro Windrad. Daher heißt es weiter: „Von Anfang an war allen Gemeinden und dem Landkreis klar: Für die Umsetzung jedes dieser Projekte braucht es eine projektbezogene Finanzierung. Diese setzt sich aus kommunalen Mitteln, Beteiligungen von Bürgern und Unternehmen sowie Fremdfinanzierung – etwa durch Banken – zusammen. Das wurde auch immer offen so kommuniziert.“

EEG abgesichert?

Das ist so richtig. Doch ist das mit den Kommunen auch umsetzbar, deren Kassen in den meisten Fällen klamm sind? Das Landratsamt sieht da keinen Widerspruch. „Denn die Grundphilosophie hinter allen Projekten der Regionalwerke lautet: Kein Risiko – alle Projekte sind durch das EEG finanziell abgesichert“, teilt Koller mit. Wobei gerade erst das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit seinen Vergütungen von Wirtschaftsministerin Reiche infrage gestellt wurde. Denn auch dem Bund geht das Geld aus. Reiche forderte unter anderem die Reduzierung der EEG-Vergütungen.

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„Alle profitieren, nicht nur Einzelne – Ziel ist eine verbraucherfreundliche und bezahlbare Energieversorgung als Teil der regionalen Daseinsvorsorge“ – das sei die zweite Grundlage der Regionalwerke, sagt Koller. Und wie hoch der kommunale Anteil an den Investitionskosten sein werde, sei aktuell noch nicht klar. Er hänge von mehreren Faktoren ab, die da wären: Welche Projekte können rechtlich und praktisch umgesetzt werden?Wie hoch sind die Bau-, Finanzierungs- und Anlagenkosten?Welche Einnahmen werden langfristig durch das EEG garantiert? Welche politischen Entscheidungen werden auf Bundesebene getroffen? Und wie sind die weiteren Rahmenbedingungen?

Eine Momentaufnahme vom 13. August, mittags, 13 Uhr, des Energiemonitors der Bayernwerk AG für den Landkreis Cham. Die Sonne brennt, keine Wolke am Himmel – alle erneuerbaren Energien des Landkreises – insbesondere die PV-Anlagen — produzieren deutlich mehr Strom als hier gebraucht wird. - Foto: Christoph Klöckner

Fragen, die teils schwierig zu beantworten sind. „Einige dieser Parameter sind bekannt, andere noch nicht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regionalwerke arbeiten intensiv daran, möglichst viele dieser Punkte abschließend zu klären. Ziel ist es, mit jedem Projekt verlässliche Eckdaten zu liefern, damit jede Kommune entscheiden kann, ob und in welcher Höhe sie sich beteiligen möchte“, erläutert Koller. Gleiches gelte für Beteiligungen von Bürgern und Unternehmen.

Ziel ist es, mit jedem Projekt verlässliche Eckdaten zu liefern, damit jede Kommune entscheiden kann, ob und in welcher Höhe sie sich beteiligen möchte.

Fabian Koller, Pressesprecher des Landratsamtes Cham

Im November 2024 war eine erste Planung publik geworden. Die Regionalwerke Cham wollen demnach ein Windrad auf dem Gemeindegebiet von Pemfling im Bereich Engelsdorf verwirklichen. Das Windrad habe eine Nabenhöhe von rund 180 Metern, womit sind daraus eine Gesamthöhe von rund 200 bis 250 Metern ergebe, hieß es im Gemeinderat. Im Dezember des vergangene Jahres hatte dann die den Landkreis beratende BBH-Gruppe, eine Kanzlei für die Energie- und Infrastrukturwirtschaft, die das Vergabeverfahren für Public-Private-Partnership im Bereich Windenergie im Landkreis Cham begleitete, wie auch der Landkreis gemeinsam mit dem Unternehmen Max Bögl angekündigt, was da kommen soll. Die Windkraftprojekte haben demnach ein Investitionsvolumen von 250 Millionen Euro und eine Energieleistung von 140 Megawatt. Der Zeitraum, in dem die Windräder hier aufgestellt werden sollen, liegt bei 15 Jahren. Im Zuge der Umsetzung bis 2030 sollen voraussichtlich sieben Windparkgesellschaften gegründet werden, die 20 Windkraftanlagen bauen und betreuen sollen.

Max Bögl Wind AG als Windkraftpartner

Die Max Bögl Wind AG hat den Zuschlag als Windkraftpartner für das interkommunales Großprojekt im Landkreis Cham bekommen und das Projekt im Dezember 2024 mit Landrat Löffler vorgestellt. Gemeinsam soll der Ausbau der Windkraft hier nun vorangetrieben werden, der jahrzehntelang von der Politik blockiert wurde. Daher steht bislang nur ein einziges, großes Windrad im Landkreis – und zwar in Kalsing – und liefert Strom.

Mehrere Unternehmen oder auch Einzelinvestoren haben über die Jahre Pläne für Windkraftanlagen auf den Tisch gelegt – und dank des Gegenwinds aus dem Landratsamt wie von der Landespolitik wieder verworfen. Selbst die Bürger des Landkreises, die sich an der Genossenschaft Energielandkreis Cham beteiligt haben, die einst mit Hilfe des Landratsamtes ins Leben gerufen wurde, investierte hier vergeblich viel Geld in die Planung eines Windrads.

Nun soll alles mit den Regionalwerken Cham und die Firma Max Bögl im Boot besser werden. Bögl wird dabei als Kooperationspartner die gesamte Planung und den Bau der Windparks aus einer Hand übernehmen. „Die Genehmigungsplanungen starten jetzt unverzüglich und erste Bauanträge sollen bereits im nächsten Jahre eingereicht werden“, hieß es im Dezember. Um möglichst bald regionalen Strom verlässlich und günstig bereitzustellen. Neben PV-Anlagen und Energiespeichern seien auch Windkraftanlagen für den richtigen Energiemix notwendig, so Löffler. Mit der Max Bögl Wind AG habe man einen Partner gefunden, der von der Projektentwicklung über die Planung bis hin zum Bau „alles aus einer Hand“ liefern könne.

Als nächsten Schritt auf dem Weg zur Umsetzung werden laut Regionalwerke-Vorstand artenschutzrechtliche Prüfungen, Turbulenzstudien sowie Windmessungen an den geplanten Standorten folgen.

Informationen zum Kooperationspartner Bayernwerk

Neben dem Unternehmen Max Bögl holte sich der Landkreis im Januar einen weiteren Partner ins Boot: Die Regionalwerke Landkreis Cham vereinbarten mit dem Unternehmen Bayernwerk eine strategische Zusammenarbeit. Die Regionalwerke Landkreis Cham, die Bayernwerk AG und die Bayernwerk Netz GmbH unterschrieben dafür gemeinsame Absichtserklärungen. Die Unternehmen sollen demnach bei der regenerativen Energieerzeugung und dem hierfür erforderlichen regionalen Netzausbau zusammenarbeiten. Für die Gestaltung der Windparks werde ein interkommunales Energieparkdesign entwickelt, das Trafostationen, Speichermöglichkeiten und PV-Anlagen umfasst, so Regionalwerke-Vorstand Martin Ritt dazu. Einspeisepunkte ins Stromnetz sollen auf diese Weise effektiv genutzt und unnötige Leitungskosten vermieden werden.