Günstige Mieten inklusive: Stadt Cham investiert in Heimat des bezahlbaren Wohnens

Die Baujunktur floriert – zumindest in Cham. Egal, wo man in der Stadt fährt, wird irgendwo irgendetwas gebaut. Und es scheint nicht zu enden. Eine Großbaustelle der Stadt sieht dem Ende entgegen: Die Sanierung der sechs städtischen Wohnblocks in Cham-West soll im August 2026 beendet werden. Dann hat die Stadt am Ende über sechs Millionen Euro dort verbaut.
Wobei die Stadt hier auf Fördergelder der Regierung der Oberpfalz für den sozialen Wohnungsbau und der KfW für die energetische Sanierung zurückgreifen konnte. Am Ende werden nur etwa 40 Prozent der Investitionssumme Geldes aus der Stadtkasse gezahlt werden müssen, der Rest kommt aus Fördertöpfen.
Schlusspunkt mit Außenanlagen
Der letzte Wohnblock aus dem dortigen Wohnquartier um Gartenstraße und Wolfgang-Schmidbauer-Straße mit sechs großen Wohngebäuden und 60 Wohnungen, der nun angegangen wird, ist der an der Wolfgang-Schmidbauer-Straße 5. Im November dieses Jahres sollen hier anstelle der Bewohner die Handwerker einziehen und das Haus komplett in einem Jahr sanieren. Die Einwohner werden währenddessen für ein Jahr in freie städtische Wohnungen umquartiert und kehren nach einem Jahr in praktisch neue Wohnungen zurück.
Diesen Beschluss hat der Stadtrat in der Ratssitzung Ende Juli dieses Jahres gefasst. „Von sechs Wohngebäuden sind bereits fünf praktisch fertig – bis auf die Außenanlagen“, so Bürgermeister Martin Stoiber, der den Baufortschritt in der Sitzung lobte.
1,4 Millionen für das letzte Haus
Finanziell wird das Haus Nummer 5 die Stadt allein rund 1,4 Millionen Euro 2026 kosten, in diesem Jahr werden Restmittel von 100 000 Euro dort ausgegeben. Es sei 2026 der letzte Bauabschnitt für die dortigen Wohngebäude. Das Gebäude, das nun saniert wird, wird als Einziger der Blöcke komplett barrierefrei sein, also auch neben einem Aufzug barrierefreie Wohnungen bekommen.
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Die anderen Häuser ebenso an alle vorgeschriebenen Standards der Barrierefreiheit anzupassen, sei zu aufwendig gewesen, sagt Stoiber. Daher habe man sich für eines entschieden, wo die Vorgaben komplett erfüllt werden sollen. Die Sozialwohnungen, die in dem Bereich entstanden seien, seien offen für viele Berufsgruppen, da es von den Kriterien der Mieter her in die Kategorie 3 falle, sagt Bürgermeister Stoiber.
Mieten bleiben erschwinglich
Der Begriff Kategorie 3 beschreibt dabei eine der Einkommensstufen, in die ein Haushalt eingeteilt wird, um einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein und damit auf eine Sozialwohnung oder eine Zusatzförderung zu haben. Für einen Einpersonenhaushalt liegt die Grenze in Bayern bei 22 600 Euro und für einen Zweipersonenhaushalt bei 34 500 Euro. Für jede weitere Person erhöht sich die Grenze zusätzlich um 8500 Euro, für Kinder um 2500 Euro.
Für Stoiber ist klar, was das bedeutet: „Fast jeder aus jeder Berufsgruppe kann hier einziehen – vom Rentner bis zum Auszubildenden!“ Daraus ergebe sich eine gemischte Einwohnerschaft, wobei die Wohnungen nach der Fertigstellung wie beschrieben wieder von den bisherigen Mietern in Beschlag genommen werden und nicht frei werden.
Energie wird eingespart
Die Mieten werden jedoch nach der Sanierung um zwei Euro je Quadratmeter angehoben, wie der Stadtrat beschloss, um die Investition langfristig auszugleichen. Für die für Kleinfamilien gedachten Wohnungen mit 70 Quadratmetern etwa bedeutet das eine Mietsteigerung von 140 Euro.
Dafür sparen sie an anderer Stelle, denn durch die energetische Sanierung wie etwa dem Bau von Pelletheizung, Pufferspeicher und Wärmepumpe wird das Heizen nachhaltiger – ebenso durch die Isolierung im Haus und durch Fenster mit Dreifachverglasung. Ungefähr die Hälfte des bisherigen Energieverbrauchs soll dadurch eingespart werden. Auch PV-Anlagen werden und sind verbaut. Der Strom daraus wird über die Stadtwerke abgewickelt.
2023 hatte die Stadt beschlossen, die Wohnungen in den sechs Blöcken in der Wolfgang-Schmidbauer-Straße und der Gartenstraße zu sanieren. Damit entschieden sich die Stadträte auch gegen einen möglichen Verkauf – etwa an die Wohnungsbau-Genossenschaft Cham, was dem Vernehmen nach durchaus im Raum stand. Unter seiner Bürgermeisterschaft sei das kein Thema mehr gewesen, so Stoiber. Man sei sich der Verantwortung hier bewusst – sozial wie geschichtlich. Die Bauten seien ein Überbleibsel des sozialen Siedlungsbaus aus der Zeit nach dem Weltkrieg und sollten daher in Stadtbesitz bleiben. „Wir wollen, dass Wohnen bei uns zu einem bezahlbaren, vernünftigen Preis möglich ist!“, betont Stoiber.
Ohne Förderung schwierig
Wobei er einschränkt, dass eine solche Investition ohne die Fördergelder wohl schwierig für Cham gewesen wäre. Der Stadtrat habe auch in anderer Sache, bei St. Michael, so entschieden wie hier bei den Sozialbauten. Auch hier sei im Findungsverfahren kurz diskutiert worden, das Seniorenheim an einen Sozialverband zu verkaufen. Aber auch hier habe die Stadt anders votiert.
Die Sanierung beim Wohnquartier Gartenstraße/ Wolfgang-Schmidbauer-Straße werde mit der Gestaltung der Außenanlagen 2027 fertig. Er hoffe, dass die Chamer Investition auch andere Eigentümer veranlasse, in ihre Immobilien zu sanieren.

