Upgrade mit sieben Quadratmetern für den kleinen Urlaub zwischendurch

Von Christoph Klöckner · 2. April 2024 um 05:00

Wer schon einmal im Urlaub ein Upgrade im Hotel bekommen hat, der kann sich gut in die Mieter der Gartenstraße 15 versetzen: Die Freude ist groß. Nur, dass die Bewohner das Plus hier länger genießen können, als einen Urlaub lang – dazu auch noch mit Sonnenschein auf zusätzlichen sieben Quadratmetern vor der Balkontüre. Denn auch das ist hier neu: ein Platz für den Kurzurlaub.

Die Kernsanierung des ersten Blocks von sechs, die die Stadt hier besitzt und die bereits Jahrzehnte auf dem Buckel haben, ist vor zwei Monaten beendet worden. Die Mieter sind wieder drin – und wir haben geklingelt. Bei Alex Heidemann, der die Tür nach Blick durch die Kamera öffnet. Früher gab‘s Rätselraten, wer da kommt, oder den Blick aus dem Fenster.

Ein Jahr hat es gedauert, um die Wohnungen sozusagen aus der Steinzeit in die Gegenwart zu holen – vor allem von der technischen und energetischen Ausstattung her gesehen, ist das nicht übertrieben. Er habe die Zeit gegenüber in einer freien Wohnung an der Wolfgang-Schmidbauer-Straße gewohnt und sei vor zwei Monaten dann in den zweiten Stock in die neue Wohnung gezogen, sagt der 25-Jährige.

Der Elektriker, der sich für die Chamer Firma Kappenberger und Braun auf Baustellen etwa bei Kläranlagen um die Technik kümmert, ist während der Woche selten zu Hause. Geboren in Vilshofen ist er bald mit der Mutter und den zwei Brüdern nach Cham gezogen. Und hat auch über seine Mutter den Weg zur städtischen Gartenstraßensiedlung gefunden. 2021 sei er hier eingezogen. Er wohnte vorher nach einem Beziehungscrash in einer WG, doch wollte wieder eine eigene Wohnung haben. So landete er in der Gartenstraße 15, im 3. Obergeschoss: „Das war die Dachgeschosswohnung.“

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Mit Wandschrägen und kleiner als die, die er vor zwei Monaten bezogen hat. Er habe Waltraud Fromm, die die Mieter von der Stadt aus betreut, gebeten, doch eine etwas größere Wohnung zu bekommen, wo ein Kinderzimmer dabei sei: „Ich bin Wochenendpapa.“ Das habe Waltraud Fromm geschafft, wie überhaupt die Betreuung durch sie, Hausmeister Manfred Götz und weitere städtische Unterstützer topp gewesen sei.

Alles neu im Haus

Neben dem Balkon sei praktisch alles neu auf den knapp 70 Quadratmetern, die er nun bewohnt. Vom Boden über die Fenster und Türen bis zur automatischen Belüftung der Räume und den Versorgungsleitungen – alles wurde auf den modernsten Stand gebracht – ein Wohnungs-Upgrade all inklusive, sozusagen. Und als Sahnehäubchen obendrauf: eine Miete, die selbst seine Freunde neidisch und Großstädter blass werden lässt. Der 25-Jährige macht da kein Geheimnis draus – er zahle aktuell monatlich 407 Euro ohne Strom, aber warm. Mancher in München muss das Geld nur für den Unterstellplatz für sein Auto hinlegen. „Mein kleiner Bruder in Hannover zahlt ein Vielfaches!“, sagt Alex Heidemann.

Wärmepumpe mit PV

Das „warm“ ist für Heidemann auch wichtig. Denn mit der Sanierung habe sich die Stadt vom Gas als Energieträger für die Wohnungen verabschiedet, was auch Preissprünge fortgefegt habe: „Darüber bin ich froh!“ Jetzt stehen Wärmepumpen vor dem Haus, bringen PV-Anlagen den Strom vom Dach und zudem, so Alex Heidemann, ist aktuell noch eine Pelletsheizung neben dem Haus postiert, falls es noch einmal Winter wird.

Und auf Socken durch die Wohnung zu laufen, bringt auch keine kalten oder gar nassen Füße mehr, wie früher. Kalt, weil es vorher keine Fußbodenheizung gab, die sich nun unter dem holzfarbenen Laminat schlängelt und wohlige Bodenwärme bringt. Und nass? Das habe an den Fenstern gelegen, erklärt Heidemann. Wenn er nach einer Woche von der Montage kam, konnte es sein, dass ihn eine große Wasserpfütze unterm Fenster erwartete: „Die Holzfenster waren so marode, dass es bei stürmischem Wetter hereinregnete.“

Das Herz jeder Wohnung schlägt im Flur – hinter einem kleinen Türchen. Von dort aus, so erklärt Heidemann, laufen alle Leitungen zu den Buchsen in den Zimmern, zur Klingel mit Kameraüberwachung und zu den Reglern der Lüftung. Die mehrfachverglasten Fenster lassen nur noch wenig Geräusche durch – „die Wohnung ist auch nicht mehr so hellhörig wie früher.“

Seine Mitmieter in den insgesamt zehn Wohnungen sind altersmäßig bunt gemischt – er wie eine junge Frau mit Kind im ersten Stock gehören zu den Jüngsten, Rentner sind dabei aber auch Familien. Leben lasse es sich hier gut, sagt Heidemann. Der hat sich bislang nur spärlich eingerichtet, Lampen fehlen zudem:. „Es sollen neue Möbel in die neue Wohnung“, die alten seien im Keller gelagert. Platz braucht er nur für seine Musik – er sammelt Schallplatten, hat eine 50 Jahre alte Anlage geschenkt bekommen, die in den Räumen bei weitem das Älteste ist.

Dafür hat er keinen Fernseher und auch keinen Festnetzanschluss, aber als Gamer dann doch einen leistungstarken PC. Und für den Kurzurlaub hat er jetzt sieben Quadratmeter direkt am Haus – dank Upgrade.

Das Älteste in der Wohnung: der Plattenspieler des Musikfans
Vorher war‘s nur durchs Fenster möglich: Wer steht vor der Tür?
Das Herz der Wohnung schlägt im Flur: Hinter einer kleinen Tür steckt der Router zur Welt und mehr.
Auch energetisch auf dem neuesten Stand, mit Wärmpumpe und Solar auf dem Dach