Parsberger Gesundheitscampus wächst: Neues Quartiershaus bietet Pflege für Senioren

Von Heidi Bauer · 8. Oktober 2025 um 05:00

Der Kran schwenkt über das Dach des alten Krankenhauses in Parsberg im Landkreis Neumarkt hinweg. Überall aus dem Innern ist der Presslufthammer zu hören: Der Parsberger Gesundheitscampus wächst weiter. Bei einem Baustellenrundgang lassen der Pressesprecher des Klinikums Neumarkt, Oliver Schwindl, und Projektbeauftragte Sabine Ramsauer wissen, wann die ersten Bewohner im Haus für Pflege und Soziales einziehen können.

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Fest steht: Die Einweihung des neuen Gebäudes ist am letzten Freitag im April 2026, der Betrieb soll am 1. Juni 2026 gestartet werden, kündigt Oliver Schwindl an. Rund 25 Millionen Euro investiert das Klinikum Neumarkt in das Haus für Pflege und Soziales in Parsberg. Das Konzept ist außergewöhnlich. Laut Schwindl möchte es die Idee eines Quartiershauses nach den Richtlinien des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe (KDA) umsetzen. Die neuen Räume sollen die pflegerische Versorgung der Region verbessern.

Hintergrund: Wie berichtet, entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Kreiskrankenhauses Parsberg ein Gesundheitscampus. Das neue Haus der Gesundheit ist bereits fertig und in Betrieb. Derzeit errichten die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) daneben eine Klinik und Tagesklinik für Psychosomatik, die Anfang Januar 2026 eröffnet werden soll.

Einrichtung gleicht einer Stadt im Kleinformat

Dritte Säule ist das Haus für Pflege und Soziales, für das die ehemaligen Krankenhausgebäude bis auf die Grundmauern rückgebaut und saniert werden. Sie sollen mit Marktplatz-Charakter zu einem „Stadtzentrum im Kleinformat“ umgestaltet werden, erläutert Schwindl das Konzept.

Die Dauer-Pflegeeinrichtung soll im Schwerpunkt die Betreuung und Pflege von Demenz-Erkrankten sicherstellen, erklärt Sabine Ramsauer. Vorgesehen sind 77 Dauer-Pflegeplätze. Es wird dabei 46 Einzel- und elf Doppelzimmer geben. Die Räume sind auf sieben Wohngruppen mit jeweils bis zu zwölf Plätzen aufgeteilt, so dass die Bewohner in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben.

In der Pflegeeinrichtung wird ein Wohngruppenkonzept verwirklicht. Demenz-Erkrankte sollen so in größtmöglicher Normalität und Alltagsnähe gemeinsam in einer Wohnung zusammenleben. Je nach Schweregrad der Demenz werden drei Wohnformen angeboten.

Vom Untergeschoss aus wird es einen Zugang in den Sinnesgarten geben, der oberhalb der Parkgarage entsteht. - Foto: Heidi Bauer

Senioren leben in Wohngruppen mit Schutzengel-System

Die Bewohner sollen sich – je nach Fähigkeiten und Bedürfnissen im Quartiershaus – möglichst frei bewegen können, erklärt Ramsauer. Ein „Schutzengel-System“ trage mit technischer Unterstützung Sorge dafür, dass sie die Einrichtung nicht unbemerkt verlassen können. In den Wohngruppen sollen Ramsauer zufolge auch Senioren, die eine vorübergehende Versorgung benötigen in sogenannter „eingestreuter Kurzzeit- und Verhinderungspflege“ betreut werden. Ebenfalls im Haus für Pflege und Soziales integriert werden 30 Tagespflegeplätze, ein ambulanter Pflegedienst sowie ein Quartiersbüro.

Die in Zusammenarbeit mit dem Neumarkter BRK-Kreisverband betriebene Tagespflege betreut Senioren, die noch in ihrer eigenen häuslichen Umgebung leben. Sie werden tagsüber versorgt und kehren am Abend wieder in die häusliche Umgebung zurück.

Gesundheitscampus in Parsberg: Quartiersbüro als soziale Drehscheibe

Das Quartiersbüro, mit Servicetheke und Aktivräumen im Eingangsbereich, dient als soziale Drehscheibe für ältere Bürger und deren Angehörige sowie interessierte Bewohner im Quartier. Ein niedrigschwelliges Angebot soll die Vernetzung erleichtern, erläutert Klinikumssprecher Schwindl.

Nach dem FreyLife in Freystadt und dem NeuLife soll der Quartierstreff ParLife in Parsberg 2026 als dritter in Betrieb genommen werden. Betreiber wird wie bei den anderen beiden das Klinikum Neumarkt mit einer organisatorischen Anbindung innerhalb des Pflegedienstes sein.

Der oder die künftige Quartiersmanager/in fungiert künftig als Pflegelotsin und hat verschiedene Aufgaben wie die Zusammenarbeit und Vernetzung mit der Kommune. Er oder sie soll die Bürger mit einbinden, einen Kreis an Ehrenamtlichen aufbauen, Veranstaltungen organisieren, informieren und zu Unterstützungsleistungen beraten, erklärt Schwindl.

Bewusst sei deswegen der Eingangsbereich des Hauses für Pflege und Soziales offen gestaltet worden. Im Gegensatz zu früher im ehemaligen Krankenhaus befindet er sich an der Lupburger Straße.

Die Pflege-Insel soll auch schwer an Demenz erkrankten Menschen eine Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben ermöglichen. - Foto: Heidi Bauer

Marktplatz mit Bistro im Parsberger Gesundheitscampus für Gäste von extern

Im Foyer lädt auf dem so genannten Marktplatz ein kleines Bistro Menschen von außerhalb zu den Angeboten des Hauses ein. „Ein Mittagstisch wird die Gelegenheit bieten, sich der Einrichtung möglichst zwanglos zu nähern“, kündigt Sabine Ramsauer an. „Die Bürger sind eingeladen, das Haus zu betreten und sich einzubringen.“

Die Dienstleistungen des ambulanten Pflegedienstes des BRK können bedarfsorientiert und nach Verfügbarkeit für die Bürger zur Verfügung gestellt werden. Im Untergeschoss 1 befindet sich das sogenannte „Stadtzentrum“ mit Friseur und Fußpflege, einer Werkstatt und dem Kleiderladen. Hier wird für die Bewohner der Dauer-Pflegeeinrichtung ein „Stadtzentrum“ in Miniatur vorgehalten. Diese Therapie- und Gemeinschaftsräume halten Angebote des Alltags für die Bewohner vor.

Viel verändert hat sich im Untergeschoss 2, in dem die Tagespflege untergebracht wird. Der Innenhof wurde komplett freigelegt, wofür tonnenweise Erdaushub abtransportiert wurden. Vor dem Haus der Pflege wird über dem Parkdeck ein großzügiger Garten mit 2000 Quadratmetern geschaffen. Mit Themeninseln sollen alle Sinne angesprochen werden. Außerdem soll es Bewegungsangebote und Tierhaltung geben, verrät Ramsauer.

Zahlen und Fakten zum Haus für Pflege und Soziales

• Schwerpunkte: Dauerpflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in unterschiedlichen Stadien. Zusätzlich gibt es 30 Tagespflegeplätze, einen ambulanten Pflegedienst und ein Quartiersbüro.

• Finanzierung: Die Gesamtkosten für das Haus für Pflege und Soziales liegen bei rund 25 Millionen Euro. Über das Programm „Pflege im sozialen Nahraum – PflegesoNahFöR“ fließen rund 5,4 Millionen Euro an Zuschüssen. Das Klinikum finanziert die Sanierung und Umwidmung des ehemaligen Kreiskrankenhauses. Die nicht durch die Förderung gedeckten Investitionskosten werden im Rahmen der Wohnmiete der zukünftigen Bewohner refinanziert. Träger ist mit der Haus für Pflege und Soziales gGmbH eine neu geschaffene Gesellschaft, die vom Klinikum Neumarkt und dem BRK-Kreisverband Neumarkt gemeinsam betrieben wird.

• Flächen: Der Bereich für Dauerpflege umfasst 5723 Quadratmeter, der für die Tagespflege 514 Quadratmeter. Das Quartiersbüro erstreckt sich auf 250 Quadratmetern. Für an Demenz erkrankte Menschen gibt es drei Wohnformen: eine gemeinschaftliche Wohngruppe für früh Betroffene, einen beschützten Bereich für Menschen mit Hinlauftendenz sowie eine Pflege-Insel, die selbst Bettlägerigen soziale Nähe und Teilhabe am Alltag ermöglichen. Des weiteren gibt es Plätze für Kurzzeitpflege.