Flohmarktfund bringt Forscher ins Grübeln: Küchengeschichte im Parsberger Burgmuseum

Von Heidi Bauer · 29. September 2025 um 19:00

Es war vor rund zwei Jahren, als eines Tages ein Mann an der Tür zum Burgmuseum klingelte und Hans Skalet, dem Vorsitzenden des Fördervereins, ein ungewöhnliches Mitbringsel entgegenstreckte: Er wolle dem Museum einen Papinscher überlassen, sagte er. Das Mitarbeiterteam begab sich dem seltenen Stück und seiner Herkunft auf die Spur.

Er ist etwa 20 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 15 Zentimeter, drei Metallklammern halten seinen Deckel, der von einem Ventil gekrönt ist: „Für seine Größe ist der Papinscher erstaunlich schwer“, grinst Skalet verschmitzt, als er ihn in seiner Hand dreht. Der Topf ist aus Gusseisen, erklärt der Museumsmitarbeiter.

Der Mann, der ihn vorbeibrachte, erklärte, er habe das seltene Stück auf einem Flohmarkt entdeckt und erworben. Selbst den Museumsmitarbeitern sei der Name Papinscher bis dahin nicht geläufig gewesen, erzählt Skalet. Neugierig recherchierten sie deshalb im Internet.

„Dabei fanden wir heraus, dass es sich um einen Dampfkochtopf handelt und nach seinem Erfinder Denis Papin benannt wird“, berichtet Skalet weiter. Ein Papinscher Topf ist sei der Vorläufer des modernen Schnellkochtopfes, der heute in vielen Küchen steht.

Weniger Kochzeit

Der Museumsmitarbeiter zupft an dem Papinscher in seinen Händen, zupft und zieht an Hebeln, um die Funktionsweise zu erklären: Es handelt sich dabei um einen Behälter, in dem durch die Erzeugung unterschiedlichen Drucks die Siedetemperatur von Wasser beeinflusst werden kann. Dadurch können Lebensmittel bei höheren Temperaturen als der Normalsiedetemperatur (bei Wasser 100 Grad Celsius unter Normaldruck) gegart werden, was wiederum die Kochzeit verkürzt.

Entwickelt wurde der Topf 1679 von Denis Papin. Dieser meldete ihn 1681 zum Patent an. Das wichtigste Teil an seiner Erfindung sei das Sicherheitsventil gewesen, erläutert Skalet. Dieses sorgte dafür, dass ein zu hoher Überdruck gefahrlos abgelassen werden und somit der Behälter nicht explodieren konnte. Diese Ergänzung des Dampfkessels habe einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Dampfmaschine von James Watt dargestellt.

Dieser alte Papinscher ist nicht der einzige, der ins Museum gewandert ist: Im Archiv fand Skalet noch ein Nachfolgemodell. Vergleiche man die beiden gusseisernen Dampfdrucktöpfe miteinander, falle auf, dass bei einem der Deckel durch Keilarretierung auf dem Unterteil befestigt wird, während beim zweiten, vermutlich jüngeren, der Deckel mit einem Bügel und einer Verschraubung gehalten wird.

Dieser Papinscher mit dem Bügel weise noch eine weitere Besonderheit auf, betont Skalet: seine Herkunft. Auf dem Deckel ist in großen Lettern zu lesen: k. bayer. Hüttenamt Bodenwöhr.

Auch dazu recherchierte der Museumsmitarbeiter und erklärt: Einem Berg- und Hüttenwerk seien mehrere Bergreviere unterstellt. Bereits 1695 wurde das Bodenwöhrer Berg- und Hüttenwerk zum kurfürstlichen Bergamt mit eigener Niedergerichtsbarkeit erhoben. Im 19. Jahrhundert zählte Bodenwöhr zu den besten Hüttenwerken Deutschlands. Bis zur Stilllegung im Jahre 1971 wurden hauptsächlich emaillierte Gussbadewannen und Ölöfen produziert. „Unser gusseiserner Dampfdrucktopf dürfte um 1870 eben in diesem Hüttenwerk hergestellt worden sein“, nimmt Skalet an.

Sieben Kilogramm Gewicht

Doch es gibt noch einen dritten Dampftopf im Kücheninventar des Parsberger Museums: einen Schnellkochtopf aus rot lackiertem Eisenguss mit einem verschraubbaren Deckel der Marke Bavaria. Auf dem Deckel befindet sich eine silberne Ventilklappe. Hergestellt von der Bayerische Berg Hütten und Salzwerke AG, kurz BHS, zwischen 1920 bis 1940 mit einem Gewicht von sieben Kilo.

Den modernen Schnellkochtopf, ergänzt Skalet, brachte die Firma Silit im Jahr 1927 unter dem Markennamen Sicomatic (kurz Siko für: Sicherheits-Kochtopf) auf den Markt. Wer sich für seine Ahnen interessiert, sollte die Ausstellung des Kücheninventars verschiedener Epochen aus der Region Parsberg im Burgmuseum besuchen.