Vor Müll gerettet: DB-Miniatur-Eisenbahn zur Nachkriegszeit landet im Museum Parsberg

Von Markus Rath · 6. Juni 2025 um 11:00

Ein kleiner Bahnhof, zerstörte Gebäude, Bombentrichter. Bauarbeiter reparieren Schienen, während eine alte, klapprige Lok mit ein paar Waggons vorbeifährt – alles im Miniaturformat. Versteckt im Depot des Burgmuseums ruht dieses Modelleisenbahn-Diorama, das durch Zufall nach Parsberg gekommen ist.

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Denn die Szene, die Modellbauer einst für das DB-Museum im Verkehrsmuseum in Nürnberg hier nachgestellt haben, erinnert an die Nachkriegszeit in Deutschland – der Bahnhof könnte zu einer Kleinstadt wie Parsberg passen.

„Es handelt sich aber um ein reines Fantasieprodukt, für das es kein echtes Vorbild gibt“, berichtet Georg Walter. Er hat früher im DB-Museum in Nürnberg gearbeitet und war der Herr der dortigen Modelleisenbahn – neben der im Miniaturwunderland in Hamburg eine der größten in Deutschland.

Modell stammt aus dem DB-Museum in Nürnberg

„Wir haben 1985 zum Jubiläum des DB-Museums fünf Modelle gebaut, die immer den gleichen fiktiven Bahnhof in unterschiedlichen Epochen zeigen“, erzählt er. Einmal sei die Bahn um 1840 mit einem einfachen kleinen Bahnhof dargestellt worden, dann 1880 mit der königlich bayerischen Staatsbahn, 1935 mit den ersten elektrischen Bahnen – und zum Abschluss in der modernen Form von 1985.

Die Serie über verborgene Schätze im Burgmuseum Parsberg

• Verborgene Schätze: Nicht alles, was im Museum landet, ist auf dem ersten Blick sichtbar. Sei es, dass ein Objekt klein und unscheinbar daherkommen oder sei es, dass es sich gar nicht in der aktuellen Ausstellung, sondern im Depot befindet. Die Serie „Verborgene Schätze im Burgmuseum“ will diese Exponate ins Rampenlicht stellen.

• Burgmuseum Parsberg: Das Museum zeigt in einer historischen, volkskundlichen und zeitgeschichtlichen Sammlung auf rund 1200 Quadratmetern die Entwicklung der Region und das Leben der Menschen von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit.

• Exponate: Ausgestellt sind mehr als 8000 Exponate. Viele sind wahre Schätze und haben eine spannende Geschichte – bezogen auf das Objekt selbst, und auf den Weg, wie es ins Museum gekommen ist.

„Das vierte Diorama, das sich nun in Parsberg befindet, zeigt eine Szene nach dem Krieg“, sagt Walter. Zu sehen ist zum Beispiel eine kleine Fabrik, die teilweise zerstört ist, oder ein Bautrupp, der den Schaden repariert, den eine Bombe im Gleisbett hinterlassen hat.

Modellbauer zerstören Bausteine für Fleischmann-H0-Eisenbahn

Damit standen die Modellbauer vor einer schwierigen Aufgabe. Denn die Modellbausätze für die Häuser seien ja eigentlich wunderschöne Gebäude.

Für das Nachkriegsszenario mussten sie mutwillig zerstört und alt und rauchig gemacht werden, damit sie in das triste Bild passten. „Der Kunststoff wurde gebrochen, abgeschmolzen und mit Farbe behandelt, damit er alt aussieht. Dafür braucht ein Modellbauer natürlich viel Fantasie, aber auch Sorgfalt“, erklärt Walter die Vorgehensweise. Man orientierte sich an alten Bildern, die zeigen, wie es damals nach dem Krieg aussah, wenn eine Bombe oder eine Granate ein Gebäude oder einen Schienenstrang getroffen hatte.

Detailgetreu wurde ein ursprünglich unversehrtes Fabrikgebäude mit Lötkolben, Säge und Pinsel in einen zerstörten Zustand versetzt, um das Nachkriegsszenario zu zeigen. - Foto: Markus Rath

Doch wie ist das Modell aus dem Verkehrsmuseum ausgerechnet in Parsberg gelandet? „Die fünf Dioramen wurden von 1985 bis 2018 ausgestellt. Dann sollten sie abgebaut und entsorgt werden“, berichtet Walter. „Es hat mir einfach leidgetan.“

Von Modellbau-Qualität für Miniaturwunderland in Hamburg geeignet

Das Diorama sei eine so hervorragende Arbeit und mit viel Liebe angefertigt worden. „Sie könnte bei der Qualität auch im Miniaturwunderland in Hamburg stehen“, meint Walter. Er habe deshalb gefragt, ob er das Diorama mitnehmen könne – und dabei gleich an das Burgmuseum gedacht. Denn um es daheim aufzustellen, sei es einfach zu groß und nehme zu viel Platz weg. Zudem passe es thematisch sehr gut in die Parsberger Museumsabteilung zur NS- und Nachkriegszeit.

Doch damit hat er auch Hans Skalet vom Burgmuseum vor ein Problem gestellt. Denn auch dort ist Platz Mangelware. „Wir können es ja nicht einfach irgendwo hinstellen. Es muss schon inhaltlich in die Ausstellung eingebunden werden“, sagt er. Deswegen sei es im Moment noch eingelagert. Es könne aber auf Wunsch nach Terminabsprache unter Telefon (0 94 92) 15 05 besichtigt werden.