Das Original hängt im Louvre, die Kopie in Parsberg: Malouel-Gemälde ausgestellt

Ein einmaliges Bild hat nun einen Ehrenplatz in Parsberg gefunden: ein Druck des Gemäldes „Christus des Mitleids“ von Jean Malouel. Das Original hat der Louvre für 7,5 Millionen Euro gekauft. Die Reproduktion im vergoldeten Rahmen hängt seit Kurzem im Säulensaal des Burgmuseums. Wie diese Rarität ihren Weg von Vic-le-Comte in die Oberpfalz fand, erklärt Florian Weiß, Mitarbeiter des Burgmuseums.
Bei einem Termin mit Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer, Vertreterinnen des Partnerschaftskomitees und Kulturreferent Sebastian Koller ging Weiß auf die kuriose Geschichte des Bilds ein. „So eine Geschichte schreibt kein Drehbuch“, so Weiß, als er auf das Bild zeigt. Die Reproduktion des Kunstschatzes ist ein Geschenk von Parsbergs Partnerstadt Vic-le-Comte.
Der Mitarbeiter des Burgmuseums Parsberg kennt jeden Pinselstrich, jede vergoldete Linie des Gemäldes, das dort neuerdings im Säulensaal an der Wand hängt – eine gerahmte Reproduktion von Jean Malouels „Christus des Mitleids“. Was aussieht wie ein gewöhnliches Kirchenbild, ist ein Schlüsselwerk der europäischen Kunstgeschichte. „Wir haben hier nicht irgendein Bild“, erklärt Weiß. „Wir sprechen von einem Meilenstein der spätgotischen Malerei – und von einem Kunstkrimi, wie ihn sonst nur der Louvre kennt.“
Pfarrer verkauft Gemälde aus Geldnot
Die Geschichte beginnt in Vic-le-Comte, in der Auvergne. Dort, in einer unscheinbaren Sakristei, schlummerte das Original jahrzehntelang unbeachtet im Pfarrhaus. Niemand ahnte, dass sich hinter der groben Übermalung ein Werk verbarg, das einmal als Nationales Kulturgut Frankreichs eingestuft würde.
1985 dann der Wendepunkt: Ein Pfarrer verkaufte das Bild mitsamt einem alten Rahmen für wenige hundert Francs an einen Trödelhändler. Der Grund? Die Kirche brauchte ein neues Heizsystem. „Der Händler wollte eigentlich nur den Rahmen“, erzählt Florian Weiß schmunzelnd. „Ironie des Schicksals: Nicht der Rahmen war der Schatz, sondern das, was er umgab.“
Zunächst konnte der Händler für das Bild selbst keinen Käufer finden. Doch ein Antiquar bemerkte etwas Seltsames: feine Goldspuren unter der Malschicht. Eine professionelle Restaurierung in Clermont-Ferrand legte schließlich ein dramatisch inszeniertes Passionsbild frei – mit der überlebensgroßen Figur des toten Christus, flankiert von Maria, Johannes und zwei Engeln.
Hofmaler der Herzöge von Burgund
ach intensiven Recherchen vermutet der Händler, dass es sich um ein Werk des niederländischen Malers Jean Malouel handeln könnte, da er stilistsche Parallelen zu dessen „Grande Pietà ronde“ im Louvre erkannte. Die emotionale Wucht des Werkes ist bis heute spürbar.
„Die Darstellung ist nicht anatomisch korrekt – aber das ist auch gar nicht das Ziel“, erklärt Weiß. „Es geht um Ausdruck, um Mitleid, um Trost.“ Besonders eindrucksvoll sei die Dornenkrone: „Die ragt in den Heiligenschein hinein – das ist ein starkes Bild für das Leiden Christi und seine göttliche Würde.“
Die dynamische Form von Jesu Körper, die androgyne Darstellung auf dem Gemälde weise schon in Richtung Renaissance, erläutert Weiß. Nach kunsthistorischer Untersuchung wurde der Maler Jean Malouel als Urheber identifiziert – Hofmaler der Herzöge von Burgund und Onkel der berühmten Limbourg-Brüder. Jean Malouel sei zwar ein Maler der Spätgotik gewesen, aber auch Wegbereiter der Renaissance nördlich der Alpen.
Wertvolles Geschenk aus der Partnerstadt Vic-le-Comte
2012 kaufte der Louvre das Werk für 7,8 Millionen Euro an. Der Fund wurde damit zur Sensation. Ein Teil des Erlöses – immerhin 2,3 Millionen Euro – ging an die Gemeinde Vic-le-Comte. Als Zeichen der Verbundenheit mit dem Bild und im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Parsberg überreichte Vic-le-Comte später eine originalgetreue Reproduktion des Gemäldes an Parsberg.
„Dass wir jetzt ein Stück Louvre in Parsberg haben, erfüllt uns mit Stolz“, betonte Bürgermeister Bauer. „Aber noch wichtiger ist die Geschichte dahinter – eine Geschichte von Entdeckung, Zusammenarbeit und europäischer Kultur.“
Im Säulensaal der Burg Parsberg hängt das Bild nun in einem vergoldeten Rahmen. Ein stilles Echo der Geschichte. Jean Malouel gilt als Bindeglied zwischen niederländischer Detailversessenheit und französischer Eleganz.
Ursprünglich ein Altarbild geschaffen
Die Reproduktion in Parsberg – das Original ist 102 mal 77,5 Zentimeter groß – spiegelt diese Synthese eindrucksvoll wider.„Was mich besonders fasziniert“, so Weiß, „ist die Ikonografie: Diese Engel, die Christus’ Beine berühren, fast schüchtern, voller Mitgefühl – das ist hohe symbolische Kunst.“ Auch der goldene Hintergrund sei mehr als Zierde: „Er schafft einen Raum jenseits der Welt – sakral, entrückt, feierlich.“
Die Komposition und die Größe deuten darauf hin, dass es sich wohl um ein Altarbild gehandelt haben muss – ein Bild zur Meditation, zur geistlichen Versenkung. Dass es überhaupt erhalten ist, gleicht einem Wunder. „Es ist, als hätte das Bild auf seine Wiederentdeckung gewartet“, sagt Weiß.
Umso höher sei die Geste einzuschätzen, dass die Partnerstadt Vic-le-Comte Parsberg diese Kopie vermacht habe, betont Bürgermeister Bauer. Das Gemälde sei ein Grund mehr, dem Burgmuseum einen Besuch abzustatten: „Ich würde mir wünschen, dass jeder Parsberger mal ins Museum kommt.“
Für Florian Weiß ist klar: „So ein Bild stellt Fragen – über Schmerz, Hoffnung, Trost. Es spricht jeden an, der hinsieht.“ Und wer einmal vor dem Bild steht, spüre vielleicht ein bisschen vom Zauber der großen Kunst, den auch der Louvre vermittelt.