Schlag um Schlag zu Parsbergs neuer Mitte: Florian Lautenschlager baut tonnenschweren Brunnen

Von Heidi Bauer · 3. September 2025 um 17:00

Wenn Florian Lautenschlager zur Tat schreitet, dann dröhnt und staubt es gewaltig. Tonnenschwere Steine kommen unter seiner Hand in Form – Hammer, Meißel und Presslufthammer: In seiner Werkstatt türmen sich Säulen und Quader. Der Steinmetz aus Breitenthal verrät, wie er daraus das neue Herzstück der Parsberger Stadtmitte basteln will und was ihn dabei inspiriert hat.

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Dolomitsteine in unterschiedlichen Grautönen, teils bereits fein bearbeitet, teils noch roh und ungeschliffen füllen seine Werkstatt. Den erfahrenen Steinbildhauer erfüllt das Projekt mit besonderer Begeisterung. Die Steine kommen als Rohlinge aus Freystadt, Lautenschlager formt sie zu einem Brunnen, der künftig Parsbergs Stadtmitte in eine grüne Oase verwandeln soll.

„Einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen gerne verweilen, das war mein Ziel“, erklärt Lautenschlager. Wenn er über die Gedankengänge zu seinem Kunstwerk spricht, klingt das beinahe philosophisch. Der Name Laber leite sich wohl vom keltischen Wort „labara“ ab, was mit „die Schwatzende, Rauschende“ übersetzt werden kann, erklärt der Steinmetz.

Mit seinem Brunnen will er für die Parsberger einen Ort schaffen, an dem sie dem Wasser lauschen können und der sie einlädt, ein „Schwätzchen“ zu halten – daher der Titel „schwatzendes Kunstwerk“.

Vom alten Freibad inspiriert

Der Begriff lässt vermuten: Der Brunnen wird mehr sein als ein Ornament. Vielleicht erzählt er Geschichten – in visueller Sprache, durch sanftes Plätschern, durch Formen, die zum Verweilen einladen. Damit wird das Wasser zum Erzähler, der zur Kommunikation einlädt – schwatzhaft im besten Sinne.

Mit seinem Entwurf überzeugte der 39-Jährige 2024 und gewann so die Ausschreibung. Er ließ sich bei der Gestaltung von Parsberg und vor allem vom alten Freibad in der Hammermühle inspirieren, wie es auf einem alten Foto zu sehen ist.

Die älteren Parsberger erinnern sich noch gut, wie sie beim Wehr in der Schwarzen Laber badeten und planschten. „Der heimische Fluss bietet den Menschen auch Erholung und Entspannung“, und genau das will Lautenschlager auch mit seinem Brunnen. Er soll eine Hommage an Natur und Geschichte sein.

Anhand seiner Skizze zeigt Florian Lautenschlager, wie der Brunnen später aussehen soll. - Foto: Heidi Bauer

Um sein Gefühl und seinen eigenen Blick dafür zu erweitern, fuhr Lautenschlager mit seinem Kanu die Schwarze Laber entlang. Heraus kam das Bild eines Brunnens mit Wehr und mehreren Ebenen. Das Wasser wird in einer Rinne bis ans andere Ende des Platzes geführt. Dort wird es Sitz- und Spielmöglichkeiten geben. Die Steine, in grauen Pfraundorfer Dolomit, bilden ein Kunstwerk, das Wasser als lebendiges Element inszeniert.

Platz zum Treffen und Austausch

Das „schwatzhafte“ Wasserspiel soll Versammeln, Austauschen, Verweilen fördern – ein ruhiger Platz mitten im städtischen Trubel. Sichtachsen, Wege, Sitzbereiche und Grün – alles wird durch diesen Brunnen verbunden und belebt. Mehrere Ebenen hat der Brunnen, weil sich Menschen laut Lautenschlager gerne darauf setzen und genießen.

Rund 18 Tonnen wiegen die 58 Werkstücke, die Lautenschlager bearbeitet hat: „Als das Rohmaterial aus Freystadt bei mir mit drei Sattelzügen angeliefert wurde, ist mir erst die Dimension bewusst geworden“, sagt der Steinmetz.

Bauteile wie ein als großes 3D-Puzzle

Jedes fertige Brunnenelement kennzeichnet er mit Zahlen und Buchstaben – ein akribisch geplantes System, das ihn später beim Zusammenbau unterstützt. Lautenschlager beschreibt es als „3D-Puzzle für Erwachsene“.

Die körperlichen Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen: Einige der Dolomitquader und -platten wiegen bis zu 500 Kilo. Doch der Steinmetz empfindet diese greifbare Arbeit leichter als langes Sitzen am Schreibtisch.

In seiner Werkstatt verschmilzt Handwerk mit Stadtvision, das Kunstwerk ist nur noch wenige Hammerschläge von seiner Vollendung entfernt. Bald wird der Brunnen nicht mehr nur im Staub seiner Entstehung stehen, sondern als Herzstück der Stadtmitte, als Treffpunkt, als Symbol und als Ruhepol dienen – für Parsberg, seine Bürger und all jene, die den neuen Platz entdecken.

Einbau soll in den nächsten Wochen beginnen

• Sanierung: Die Brunnenarbeiten sind eingebettet in ein größeres Sanierungsprojekt, das die Stadtmitte ganz neu definieren soll. Die Stadt plant neue Grünflächen, eine Boulebahn, Biergartenbereiche – und den Brunnen als beruhigenden, zentrumstiftenden Ruhepunkt für Passanten.

• Zeitplan: Wenn am Stadtplatz das Fundament für den Brunnen geschaffen ist, beginnt der Einbau.

• Steinmetz: Florian Lautenschlager absolvierte seine Ausbildung zum Steinmetz in der Dombauhütte Regensburg. Anschließend bildete sich der 39-Jährige 2005/2006 in Lasa (Italien) zum Steinbildhauer weiter, von 2008bis 2010 zum Steinmetz, Steinbildhauermeister sowie zum Staatlich geprüften Steintechniker sowie 2012/2013 zum Restaurator im Steinmetz und Steinbildhauerhandwerk.