Dunkel, schmutzig, unsicher: Fragebogen zeigt Schwächen des Schwandorfer Bahnhofs

Der Schwandorfer Bahnhof ist für Bürger vieles, aber als Ort zum Verweilen wird er derzeit selten bezeichnet. Erst kürzlich wurden hier zwei junge Erwachsene in der Gleisunterführung ausgeraubt, am Donnerstag wurde ein 39-Jähriger attackiert. Im März wurden vor allem junge Schwandorfer gefragt: Was soll sich am Bahnhof ändern? Die Ergebnisse wurden kürzlich Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) vorgestellt.
Wer durch das Bahnhofsareal schlendert, kann darauf stoßen: Bierlachen und Urin auf den Bahnsteigen, betrunkene Menschen und eine dunkle Gleisunterführung. In der Halle nimmt unterdessen eine zugeklebte, verwaiste Fläche viel Platz ein – dort wurden einst Fahrkarten verkauft.
Genau diesen Raum hat sich im März die Kirchliche Jugendreferentin der Katholischen Jugendstelle Schwandorf, Augusta Hammer-Burgstaller, zu eigen gemacht: Mit rund 30 Partnern wurde der Raum zu einem Ort für Workshops für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Neben verschiedenen Kursen ging es auch darum, wie der Bahnhof schöner gestaltet werden kann. Die Fläche wurde dafür kostenlos zur Verfügung gestellt.

Bei den Veranstaltungen im März nahmen über 200 Jugendliche und junge Erwachsene teil – dort lag der Fokus vor allem auf Suchtprävention. Vor Ort konnte dann auch ein Fragebogen ausgefüllt werden. Die Umfrage wurde nun ausgewertet.
Hilfsangebote für Betroffene
In einer 60-seitigen Dokumentation wird unter anderem auf den Fragebogen eingegangen. Außerdem werden Vorschläge thematisiert, die die Befragten machten. „Verstärkte Beleuchtung und Notrufknöpfe in den Unterführungen und an den Bahnsteigen“, so steht es zum Beispiel in dem Handout.
Das man mit wenigen Mitteln die komplette Situation zum Guten wenden kann, hat dieses Projekt gezeigt.
Augusta Hammer-Burgstaller, Kirchliche Jugendreferentin der katholischen Jugendstelle Schwandorf
Mehr Sicherheitspersonal beziehungsweise Präsenz der Polizei, vor allem in den dunkleren Jahres- und Tageszeiten, ist ein weiterer Wunsch. Auch an einem „Anlaufpunkt mit gezielten Hilfsangeboten für obdachlose oder süchtige Personen“ fehle es in Schwandorf – das ist zumindest die Meinung der Umfrage-Teilnehmer. 56 Personen hatten sich insgesamt beteiligt – mehr als die Hälfte davon waren unter 18 Jahren alt.
Am dringlichsten sei laut Hammer-Burgstaller, dass der geschlossene Infopoint wieder geöffnet werde. „Damit es keine verklebte Fläche bleibt.“ Im März wurden dort folierte Kunst und Plakate angebracht – mittlerweile sind auch die verschwunden. Für die Fläche sucht die Bahn laut Hammer-Burgstaller einen Mieter.

Ein weiterer Punkt, der sich herauskristallisierte: Es fehle an einem Kümmerer vor Ort. „Der Bahnhof ist ein öffentlicher Ort, der keinerlei Ansprechperson hat“, so Hammer-Burgstaller. Das habe sie im März selbst gemerkt. Reisende hätten zum Beispiel den digitalen Verkaufsschalter nicht gefunden.
Die Jugendreferentin musste auch öfter die Polizei rufen: Einmal habe ein Reisender sie gebeten, die Polizei wegen eines alkoholisierten Mann zu holen, der fast aufs Gleis fiel. „Es ist in so einer Situation einfacher , jemandem etwas zu sagen, als selbst zu handeln“, stellt e die Jugendreferentin fest. Eigene Wünsche an den Bahnhof hat Hammer-Burgstaller ebenfalls formuliert – besonders in Bezug auf die Jugendarbeit.
Eine komplexe Situation
Auch sie persönlich wünsche sich mehr Polizeipräsenz in der Bahnhofshalle und auf Bahnsteig eins, außerdem wären Streetworker gut. Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller lauschte den Ausführungen interessiert. „Ich bin dankbar, dass man sieht, wo der Schuh drückt“, sagte der Rathauschef.
Er verwies jedoch auf die schwierige Situation am Bahnhof: Das Gebäude, genauso wie Teile des Bahnhofvorplatzes, gehöre der Bahn. Für den Busbahnhof sei das Landratsamt zuständig. „Leider Gottes sind wir hier nicht alleine – und die Stadt kommt als Letztes“, so Feller.
Gefühl trifft auf Realität
Das Gefühl von Sicherheit und die tatsächliche Situation vor Ort seien zwei verschiedene Dinge, sagte Schwandorfs Vize-Polizeichef Florian Meier auf Anfrage der Mittelbayerischen. „Der Schwandorfer Bahnhof ist kein Kriminalitäts-Hotspot. Natürlich passieren dort Straftaten, aber nicht mit einer exorbitanten Häufung“, sagte der Polizeihauptkommissar. Vorfälle wie am Donnerstag tragen jedoch ihren Teil zum Sicherheitsgefühl bei.
Hammer-Burgstaller will den Schwandorfer Bahnhof mit ihrer Arbeit verbessern. Hohe Hürden müssten für mehr Aufenthaltsqualität gar nicht genommen werden, meinte sie. „Dass man mit wenigen Mitteln die komplette Situation zum Guten wenden kann, hat dieses Projekt gezeigt.“
Denn allein, dass in dem Glaskasten in der Bahnhofshalle wieder Leben eingekehrt sei, habe die ganze Atmosphäre des Warteraums für einen Monat verändert. Vorerst ist dieses Leben wieder verschwunden. Ob sich eine langfristige Lösung für den Leerstand finden wird? Nur die Zeit wird es zeigen.