Mit dem E-Bike unaufhaltsam: Vize-Weltmeisterin geht in Schwandorf für die Polizei auf Ganovenjagd

Von Martin Kellermeier · 26. September 2025 um 05:00

Kriminelle, die in Schwandorf auf Polizeiobermeisterin Verena Wexler treffen, sollten sich zweimal überlegen, ob sich das Davonrennen überhaupt lohnt. Wenn die 29-Jährige dann auch noch ein Fahrrad zur Hand hat, ist die Messe eigentlich schon gelesen. Denn Wexler ist frischgebackene Vize-Weltmeisterin mit dem E-Bike.

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Das hatte Verena Wexler nun wirklich nicht erwartet: Als sie am ersten Septemberwochenende ins österreichische Ischgl fuhr, rechnete sie sich bei der offenen E-Bike-Weltmeisterschaft für Jedermann nun wirklich keine Chancen auf einen der vorderen Ränge aus.

Zu schwach dürfte der Shimano-Motor ihres E-Bikes sein, zu klein der im Orbea-Carbonrad verbaute Akku, glaubte die junge Polizistin. „Eigentlich kann mein Fahrrad nicht mit den anderen Rädern mithalten“, dachte sie sich, als in Ischgl die Ausrüstung der rund 1500 anderen WM-Teilnehmer zum Vorschein kam.

E-Bike-WM in Ischgl steht allen begeisterten Zweiradfahrern offen

Die E-Bike-WM in Ischgl, veranstaltet von der E-Bike World Federation, steht allen begeisterten Zweiradfahrern offen, eine Qualifikation ist nicht notwendig. Zugelassen sind handelsübliche Pedelecs mit einer Tretunterstützung bis maximal 25 km/h und einer Motorleistung von bis zu 250 Watt. Es gibt drei Wettkampf-Klassen: Jedermann, Jedermann-Advanced und Elite.

Auch am Bahnhof ist sie im Einsatz: Polizeiobermeisterin Verena Wexler hier bei einer Kontrolle mit ihrem Kollegen Stefan Dirnberger. - Foto: Martin Kellermeier

Verena Wexler ging im Jedermann-Advanced-Teilnehmerfeld an den Start. Was dann in dem bekannten Skiort auf über 1300 Metern Höhe passierte, kann sich die Polizeiobermeisterin noch nicht so ganz erklären. So viel steht fest: Wexler dürfte einen verdammt guten Tag gehabt haben. Wie eine Bergziege muss sie den 30 Kilometer langen Rundkurs absolviert und mit ihrem Mountainbike die etwa 850 Höhenmeter regelrecht geschluckt haben.

Wer glaubt, dass das nicht anstrengend ist, darf jederzeit mit mir mitfahren.

Verena Wexler, Polizeiobermeisterin

Die Strecke verlangte der Schwandorfer Polizistin freilich alles ab. „Wer glaubt, dass das nicht anstrengend ist, darf jederzeit mit mir mitfahren“, sagt sie. Ihr Fahrrad-Shirt mit Leopardenmuster war nach der WM-Runde klitschnass. „Es war teilweise sehr steil und steinig“, erinnert sich Verena Wexler. Kurzum: eine ordentliche Plagerei, das herrliche Panorama rund um den Ferienort Ischgl aber ein guter Lohn.

Doch als im Ziel Wexlers Wertung aufblinkte, war klar: Mit einer Fahrtzeit von einer Stunde und sieben Minuten sollte es für die 29-Jährige auch noch fürs Stockerl reichen. Seitdem darf sie sich stolz Vize-Weltmeisterin nennen.

2022 holte sich Verena Wexler den WM-Titel in der Jedermann-Klasse

Das Siegertreppchen war indes für die Sportlerin nichts Neues. 2022 hatte sie sich bereits den WM-Titel in der etwas schwächer eingestuften Jedermann-Klasse geschnappt. Während sie im Jahr darauf von einem Motorschaden auf der Strecke jäh gebremst wurde, schaffte sie im vergangenen Jahr in der höchsten Klasse, der Elite, dann den vierten Platz.

Schwandorfs Polizeichef Reiner Wiederbauer gratulierte seiner Kollegin Verena Wexler zum erfolgreichen Abschneiden.Martin Kellermeier - Foto: Martin Kellermeier

Bei der Polizei Schwandorf ist man stolz auf Wexlers Erfolge. „Es ist sehr wichtig, dass wir sportliche Kollegen bei der Polizei haben“, sagt Dienststellenleiter Reiner Wiedenbauer. Wenn man dann auch noch eine Titelträgerin im Team habe, dann mache ihn das „schon sehr stolz“, stellt der Erste Polizeihauptkommissar fest, der nach seiner Hobbykarriere als Fußballer selbst das E-Bike für sich entdeckt hat.

Es ist sehr wichtig, dass wir sportliche Kollegen bei der Polizei haben.

Reiner Wiedenbauer, Leiter der Polizeiinspektion Schwandorf

Wohl auch das Lob des Schwandorfer Polizeichefs dürfte für Verena Wexler mehr als Ansporn sein, bei der Weltmeisterschaft 2026 erneut alles zu geben und im besten Fall dann den Titel mit nach Hause zu bringen. Bis dahin trainiert sie bei jedem Wetter dreimal pro Woche. Meistens ist die gebürtige Neumarkterin dafür rund um den Mariahilfberg bei Amberg, auf steilen Strecken bei Regensburg oder im Bayerwald unterwegs. Im Landkreis Schwandorf fährt sie mit ihrem Mountainbike dagegen eher selten. „Ich brauche Höhenmeter“, sagt die Polizistin.

Und sie braucht ebenbürtige Trainingspartner. Wenn sie nicht gerade mit dem Fahrradverein „Loose Riders“ aus Regensburg unterwegs ist, absolviert Verena Wexler ihre Trainingseinheiten daher meist solo. „Dann muss ich auf niemanden warten“, schmunzelt sie.

Fahrradstreife der Polizei ist im Oberpfälzer Seenland unterwegs

Und die Polizeiobermeisterin hat noch mehr Grund zum Lachen: Bei der PI Schwandorf kann Verena Wexler ihr Hobby und den Streifendienst unter einen Hut bringen. Denn ihr Lebensgefährte, Polizeihauptkommissar Deniz Birol, hat in diesem Frühjahr die Fahrradstreife im Oberpfälzer Seenland mitinitiiert.

Es erklärt sich eigentlich von selbst, dass auch Wexler dieser Einheit angehört. Und so können die Badegäste am Steinberger See und die Sonnenanbeter am Murner See spätestens nächste Saison auf eine ganz besondere Beamtin treffen: die Vize-Weltmeisterin von der PI Schwandorf.