Bahnhof, Stadtpark oder Obdachlosenunterkünfte: Auch Schwandorf hat seine Brennpunkte

Von Martin Kellermeier · 11. September 2024 um 19:00

Sie sollen für mehr Sicherheit in der Großen Kreisstadt sorgen: Neben der Polizei patrouillieren auch uniformierte Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Schwandorf. Wo sind ihre Schwerpunkte? Mit welchen Menschen haben sie es dort zu tun? Das zeigten die Mitarbeiter des Außendienstes Ordnungsamt (ADO) kürzlich 2. Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU) im Rahmen einer Nachtstreife.

Bahnhof: Immer wieder im Gespräch mit Abhängigen

Streng genommen enden die Befugnisse des ADO am Bahnhof bereits auf dem Vorplatz. Denn für die Gleisbereiche sowie die Bahnhofsgebäude seien Bahn und Bundespolizei zuständig, wie Stefan Schamberger, der Leiter des Ordnungsamtes, erklärt. Am Bahnsteig beispielsweise hätten seine Mitarbeiter keine rechtliche Handhabe und könnten nur „im Rahmen der Jedermannsrechte wie jeder andere Bürger“ eingreifen.

Aber schon am Vorplatz gibt es einiges zu tun. „Die Gegend ist leider auch ein Treffpunkt für Alkohol- und Drogenabhängige“, stellt Schamberger fest. Die Mitarbeiter des Außendienstes würden hier oft Personen antreffen, die „herumlungern“. Der Chef formuliert das Ziel seiner Ordnungshüter: Diese sollten hier Alkoholgelage unterbinden und Pöbler aus dem Verkehr ziehen. „Wir versuchen zunächst immer, die Probleme kommunikativ zu lösen“, erklärt Schamberger die Vorgehensweise. Fruchte das nicht, könnten Personalien festgestellt, Ordnungswidrigkeitenanzeigen aufgenommen oder Platzverweise erteilt werden.

Wie oft kommt das vor? Noch gibt es dazu in der Stadtverwaltung keine Statistik. Schamberger kann daher nur vage bleiben und von „gelegentlichen Vorkommnissen“ sprechen. Und noch etwas fällt den Ordnungshütern auf: Seit es in der Nähe des Bahnhofs eine Substitutionspraxis gibt, habe sich die Zahl der Drogenkonsumenten in diesem Bereich laut Schamberger „merklich erhöht“.

Stadtpark: Viele Familien, aber auch eine Menge Müll

Der Schwandorfer Stadtpark ist endlich zu einem beliebten Treffpunkt bei Familien geworden. „Das ist ein schöner Anlaufpunkt“, findet Schamberger. Damit das auch so bleibt, zeigt der ADO dort jeden Tag Präsenz. Denn nicht alles läuft ideal. Beispielsweise würden Leute beim Picknick ermahnt werden, dass sie nach ihrer Mahlzeit auch wieder alles aufräumen. „Müll ist leider immer wieder ein Thema im Stadtpark“, sagt Schamberger. Doch der Ordnungsamtschef erkennt auch einen positiven Trend. Seitdem man mit den Stadtparkbesuchern verstärkt rede, bleibe „deutlich weniger“ liegen. „Wir sind hier auf dem richtigen Weg“, so Schamberger.

Während im vorderen Bereich vor allem Familien mit ihren Kindern unterwegs seien, würden die Ordnungshüter im hinteren Bereich des Stadtparks aber auch auf Alkohol- und Drogenabhängige stoßen. Geduldet werden soll das nicht. Denn in einer Satzung hat die Große Kreisstadt festgelegt, dass Alkoholkonsum in städtischen Grünanlagen untersagt ist. Man wolle hier mit Augenmaß vorgehen, meint Schamberger. Wenn einzelne Personen ein Feierabendbier trinken, werde das in der Regel geduldet.

Marktplatz: Autoposer und Sonnenblumenkerne

Vielleicht nicht das Riesenthema, dennoch ärgerlich für die Stadt: Bürger, die am Unteren Marktplatz sitzen und Sonnenblumenkerne auf dem Pflaster verteilen. Vereinzelt seien hier deswegen schon Bußgelder verhängt worden, heißt es dazu aus dem Ordnungsamt. „Das ist eine Verunreinigung der Straße und damit eine Ordnungswidrigkeit“, stellt Schamberger klar. Der ADO hat nicht nur darauf einen Blick. Vor und nach Dienstende der Verkehrsüberwacher nimmt er zudem mögliche Parksünder ins Visier. „Die Mitarbeiter beschränken sich hier aber in der Regel auf grobe Verstöße, wie etwa zugeparkte Rettungswege oder Schwerbehindertenparkplätze“, erläutert es Schamberger.

Und dann wären da auch noch die Autoposer, die gerne mal ihre Runden über den Marktplatz drehen. Anders als die Polizei dürfe der ADO nicht in den fließenden Verkehr eingreifen, erklärt der Chef des Ordnungsamts. Der ADO notiere aber durchaus Kennzeichen oder fertige Beweisvideos an: „Wir arbeiten da eng mit der Polizei zusammen.“

Parkplatz Gleisdreieck: Ein Treffpunkt für junge Leute

Der Parkplatz Gleisdreieck hat sich zuletzt zu einem beliebten Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemausert. Vor allem im Sommer kommen abends die jungen Leute mit ihren Fahrzeugen, um sich auszutauschen. Viele von ihnen haben sogar Klappstühle dabei. Das Ordnungsamt bescheinigt den Anwesenden ein „überwiegend vorbildliches Verhalten“. Man könne mit den meisten jungen Leuten „vernünftig reden“. Hier gehe es dem ADO vor allem um eine friedliche Atmosphäre und – wie im Stadtpark – die Vermeidung von Müll.

Obdachlosenunterkünfte: Ab und an kracht es

Die Betreuung der Notwohnanlagen im Stadtgebiet gehört zwar nicht zu den Hauptaufgaben des Ordnungsamts. Doch wenn es in den Unterkünften in der Werthstraße beim Bauhof oder im Faltermeierweg in Klardorf Probleme gibt, rückt auch der ADO an. „Es kommt öfter mal zu Lärmbelästigungen oder Streitereien unter den Bewohnern“, weiß Schamberger. Konkret würde es in der Werthstraße sieben Wohnungen und im Faltermeierweg acht Einheiten geben. In der Werthstraße wohnen laut dem Leiter des Ordnungsamts aktuell sieben Personen, im Faltermeierweg 15.

Spielplätze: Randalierer sorgen regelmäßig für Schaden

Immer wieder muss sich die Stadt über Sachbeschädigungen an den städtischen Spielplätzen ärgern und diese reparieren. Erst kürzlich wurde wieder am Spielplatz am Ochsentratweg, gleich hinter dem Edeka, randaliert. Weil es die Probleme nicht erst seit gestern gibt, soll der Außendienst des Ordnungsamts auch hier verstärkt Präsenz zeigen, findet Schamberger. „Vor allem im Sommer führen wir mehrmals am Tag Kontrollen durch“, sagt der Ordnungsamtschef.

Was stellt man dabei fest? „Abends sind die Spielplätze ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche, die zum Beispiel gerne einmal lauter Musik hören oder Alkohol dabei haben“, weiß Schamberger. Freilich sei der ADO nicht immer vor Ort. Bei Auffälligkeiten könnten sich Bürger aber auch direkt an das Ordnungsamt wenden. „Das ist ein entscheidender Vorteil, der durch die Einführung des Außendienstes entstand. Jetzt können wir schnell und flexibel auf Bürgerbeschwerden reagieren“, resümiert Schamberger.

2. Bürgermeister Andreas Wopperer teilt diese Einschätzung: „Der ADO hat sich als Partner der Bürgerschaft bewährt. Er leistet einen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag für Ordnung und Sicherheit in Schwandorf.“

Details zum Ordnungsamt in Schwandorf

Einführung: Der Außendienst Ordnungsamt, kurz ADO, wurde in Schwandorf im November 2021 eingeführt.

Personal: Derzeit gehören dem Außendienst sechs Mitarbeiter an, darunter zwei Frauen.

Schichtsystem: Die Mitglieder des Außendienstes arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb. Die Frühschicht geht von 7 bis 15.15 Uhr, die Spätschicht von 17.30 bis 1.45 Uhr.