Auf Streife mit der Polizei: So lief die Auto-Poser-Kontrolle in Schwandorf

Laute Autos, die oft deutlich zu schnell sind – und das zu nachtschlafender Zeit: Darüber gibt es in Schwandorf immer wieder Beschwerden von Anwohnern. Die Polizei war am Samstagabend unterwegs, um die Auto-Poser in den Blick zu nehmen. Die Mittelbayerische durfte bei einer der drei zivilen Streifen mitfahren.
Es ist Samstag, kurz nach 21 Uhr. In der Regensburger Straße fällt den Polizisten ein BMW 335 auf. Sie wenden und folgen dem Wagen über die Adenauer-Brücke bis in die Wackersdorfer Straße, achten dabei genau auf die (unauffällige) Fahrweise. Unweit von Höflarn, an einer Bushaltestelle, winken die Polizisten den BMW heraus. Am Steuer sitzt eine 31-jährige Frau, daneben ihre Begleiterin.
Die Beamten nehmen alles in Augenschein, sie leuchten unter das Heck, prüfen akribisch den Auspuff, lassen sich von der Fahrerin die Motorhaube öffnen. Die Frau sagt, sie wisse nicht, ob an dem US-Import etwas verändert wurde. Das Auto gehöre ihrem Vater.
Die zwei Polizisten fordern eine weitere Streife mit drei Beamten an – sie wollen deren Fachwissen nutzen. Auch eine spezielle Kontrollgruppe, die in der gesamten Oberpfalz tätig ist, unterstützte die Aktion am Samstag. Was schnell klar wird: In den BMW 335 ist eine manuelle Klappensteuerung eingebaut– das ist laut Polizei nicht erlaubt. Mehr noch, eine Dezibelmessung ergibt einen Wert von 105. Doch zulässig sind nur 88, so steht es jedenfalls im Fahrzeugschein.
Für die zwei Frauen ist die Fahrt nun vorbei. „Wir nehmen das Auto mit. Es wird polizeilich sichergestellt“, sagt einer der Beamten, der wie seine Kollegen zum Schutz anonym bleibt. Die beiden Frauen nehmen es hin. Sie verhalten sich kooperativ und folgen den Beamten mit dem Wagen bis zur Schwandorfer Dienststelle. Nun muss der BMW zu einem Gutachter geschleppt werden, der eine gerichtsverwertbare Lärmmessung vornimmt – und zwar auf Kosten der Besitzer.
Nicht jedes Mal sind Auto-Poser der Grund, warum die Polizisten tätig werden
Bereits mehr als eine Stunde zuvor müssen die Beamten ebenfalls einschreiten – allerdings nicht wegen Auto-Posern. Zwei Männer auf E-Bikes sind bei diesem Einsatz das Problem. Die Beamten fahren gerade die Pesserlstraße in der Innenstadt entlang. Sie halten Ausschau nach auffälligen Autos und wollen bekannte Schwerpunkte in den Blick nehmen, so wie die Regensburger Straße oder die Bellstraße. Doch dann kommen ihnen die beiden Radfahrer entgegen – direkt an der Kreuzung Steinberger/Paul-von-Denis-Straße.
Einer steuert mitten in die Kreuzung hinein. Ihre Fahrweise ist unsicher bis torkelnd. Die Beamten müssen eingreifen, zu groß ist das Risiko, dass etwas passiert. Als die Polizisten die Radler zum Anhalten auffordern, bleibt einer langsam stehen – und kippt sogleich zur Seite. Ein Alkoholtest offenbart das Problem: Die Werte liegen bei 2,3 und 2,4 Promille.
Gemeinsam mit einer zweiten, nachgeforderten Streife begleiten die Polizisten die beiden Männer ins Krankenhaus, um ihnen Blut abnehmen zu lassen. Die Verständigung ist teils schwierig, denn die Radler leben zwar in Schwandorf, stammen aber aus Polen. Während die Beamten mit den Betrunkenen beschäftigt sind, fährt ein lautes Auto vorbei. Doch dafür ist nun keine Zeit. Erst nach etwas mehr als einer Stunde können die Polizisten ihre eigentlichen Kontrollen wieder fortsetzen.
Verschleiß? Oder eine Manipulation? Das ist nicht immer klar
In der Regensburger Straße, unweit der Herz Jesu-Kirche, steht ein BMW E36 auf den Parkplätzen neben der Straße. Es ist kurz vor 23 Uhr. Die Kollegen in einem anderen Streifenwagen haben den jungen Fahrer angehalten. „Fest steht: Er ist auf jeden Fall zu laut“, sagt einer der Polizisten. Auch der junge Fahrer pflichtet bei. „Ja, das ist richtig.“ Eine Dezibelmessung ergibt einen Wert von fast 98. Deutlich zu viel, denn erlaubt sind lediglich 80 Dezibel. Der Auspuff stinkt und ist zu tief. Doch liegt das nun am Verschleiß, weil der BMW – Baujahr 1998 – bereits mehr als 300000 Kilometer auf dem Buckel hat? Oder ist es doch eine absichtliche Veränderung?
Genau diese Frage müssen die Beamten klären. Am Ende werfen die Kollegen gemeinsam einen Blick auf das Fahrzeug. Sieben Polizisten sind nun vor Ort. Der BMW-Fahrer plaudert nett mit den Fahndern, spricht mit ihnen über den Zustand des Auspuffs, den er billig gekauft hat. Schließlich sind die Polizisten überzeugt: Es handelt sich wohl um einen Mangel, nicht um eine absichtliche Veränderung. Der junge Mann soll die Probleme beheben lassen und seinen BMW dann nochmals bei der Polizei vorzeigen.
Mit dem Mercedes AMG schnell und laut durch die Stadt
Die Polizisten begeistern sich teils selbst für Autos. Einer von ihnen schraubt etwa an seinem Audi. Und doch sind die Kontrollen wichtig, wie sie betonen: Zum Schutz für die Anwohner, die durch den Lärm spätabends gestört werden. Aber auch für die Verkehrssicherheit – schließlich kann von Autos durchaus eine Gefahr ausgehen, wenn diese beispielsweise zu tief sind.
Inzwischen ist es 23.31 Uhr. In der Schwaigerstraße entdecken den Beamten einen weißen Mercedes AMG E63s. Über den Marktplatz geht es durch die Bahnhofstraße ins Lindenviertel, vorbei an der Adenauer-Brücke bis in die Regensburger Straße. Der Wagen ist flott unterwegs. Flott und vor allem laut. Gleich mehrmals wird das Auto stark beschleunigt, um Fehlzündungen zu provozieren. Der Lärm ist für die Polizisten deutlich zu hören, die mit offenem Fahrerfenster folgen. Die Beamten müssen selbst beschleunigen.
Dann schalten die Polizisten das Blaulicht ein – und der Wagen stoppt. Am Steuer sitzt ein 22-jähriger Mann, daneben seine Freundin. Einer der Polizisten wird deutlich und lässt keinen Zweifel, dass eine solche Fahrweise inakzeptabel ist: „So habe ich nachts mit meinem Auto nicht zu fahren.“ Bei wiederholten Verstößen könne wegen eines solchen Verhaltens sogar die Eignung angezweifelt werden, ein Auto zu führen.
Ganz so weit ist es bei dem jungen Fahrer aber noch nicht. Fürs Erste erwartet ihn ein Bußgeld von 160 Euro. Dann, nachdem die Personalien festgestellt sind, darf er weiterfahren – mit der nachdrücklichen Aufforderung, vernünftig zu fahren.
