Gegen den Trend: In Schwandorf gab es 2023 weniger Straftaten

Von Jan Lange · 20. Juni 2024 um 05:00

Während in anderen Polizeirevieren wie auch landes- und bundesweit die Zahlen der Straftaten nach oben gehen, registrierte die Schwandorfer Polizei 2023 weniger Straftaten. Aber es gibt auch Wehmutstropfen in der Kriminalitätsstatistik.

Es ist der jüngste Ermittlungserfolg der Schwandorfer Polizei: Sie fand die mutmaßlichen Diebe der Ortsschilder von Büchelkühn. Die gesicherten Spuren würden nun ausgewertet, erklärte Vize-Polizeichef Florian Meier bei der gestrigen Vorstellung des Sicherheitsberichtes 2023. Zusammen mit seinem Chef, Erster Polizeihauptkommissar Reiner Wiedenbauer, konnte Meier positive Zahlen für das Vorjahr verkünden.

Zahl der Fälle geht gegen den Trend zurück

In Schwandorf hat die Polizei im Vorjahr insgesamt 1593 Straftaten registriert. Das sind 148 Fälle weniger als 2022 – ein Rückgang von 8,88Prozent. Es ist zugleich der niedrigste Stand seit 2018, wie Wiedenbauer verkündete. Die Zahl der Delikte in Schwandorf hat sich gegen den Trend entwickelt: In Burglengenfeld ist sie beispielsweise um 15,9 Prozent und in Neunburg um 3,88 Prozent gestiegen. Auch landes- und bundesweit wurden mehr Straftaten verzeichnet. Eine eindeutige Erklärung für den Rückgang in Schwandorf hat der Polizeichef nicht. Es gab in vielen Bereichen weniger Delikte, meinte Wiedenbauer.

Weniger Fälle konnten aufgeklärt werden

Zurückgegangen ist im Vorjahr auch die Aufklärungsquote. Bei 76,6 Prozent der Delikte konnten Tatverdächtige ermittelt werden – so wie auch bei den Ortsschildern von Büchelkühn. Der Klau der Tafeln spielte in der gestern präsentierten Statistik noch keine Rolle. Eine niedrigere Aufklärungsquote gab es in Schwandorf zuletzt 2018 (74Prozent). Trotz des Rückgangs bleibt sie über der Quote der gesamten Oberpfalz (73,3 Prozent) und von Bayern (65,2 Prozent). „Die Aufklärung ist abhängig von den Delikten. Wenn es mehr Cyber-Kriminalität gibt, verändert sich auch die Quote“, begründet der Schwandorfer Polizeichef die Entwicklung.

Straßen- und Gewaltkriminalität sinkt, aber es gibt mehr Körperverletzungen

Eine positive Entwicklung konnte in der Straßen- und Gewaltkriminalität festgestellt werden. Die Straßenkriminalität – zum Beispiel Raub, Sachbeschädigungen und Fahrzeugdiebstahl – sank um 29 Fälle auf 188 Delikte. Bei der Gewaltkriminalität – unter anderem Totschlag, Vergewaltigung und Geiselnahme – gab es im Vorjahr 71 statt 85Fälle. Nach dem „Ausreißer“ 2023 sei man jetzt wieder auf dem Niveau der vorherigen Jahre, so Wiedenbauer. Dagegen stieg die Zahl der einfachen Körperverletzungsdelikte das dritte Jahr in Folge. Voriges Jahr wurden insgesamt 197Fälle dieser Art registriert – 2022 waren es 169 und 2021 insgesamt 153 einfache Körperverletzungen. Auch die Sachbeschädigungen nahmen das vierte Jahr hintereinander zu. Sie sind aber nur leicht von 145 auf 147Delikte gestiegen.

Spürbare Abnahme von Drogendelikten

Das Cannabisgesetz der Bundesregierung ist zwar erst in diesem Jahr beschlossen worden und in Kraft getreten, doch schon im Vorjahr sind die Delikte mit Betäubungsmittel spürbar zurückgegangen – von 262 (2022) auf 167Fälle. Laut der Polizei habe es zahlreiche Kontrollen und Aufgriffe von Drogenkonsumenten gegeben, deren Befragungen zu mehreren Dealern geführt hätten. Mehr als zehn mutmaßliche Dealer seien inzwischen in Haft. „Das wirkt sich auch auf die Kriminalität aus“, erklärt Reiner Wiedenbauer. Für dieses Jahr rechnet die Polizei mit einem weiteren Rückgang durch das neue Cannabisgesetz.

Es gibt im Stadtgebiet keine Kriminalitätsschwerpunkte

Aus Sicht der Polizei gibt es in der Stadt Schwandorf keinen problematischen Brennpunkt, an dem die Kriminalität besonders hoch ist. Die Delikte würden sich demnach auf das gesamte Stadtgebiet verteilen.

Eine Häufung von Straftaten gibt es jedoch rund um das Einkaufszentrum an der Paul-von-Denis-Straße (Rewe und Lidl). Die Polizei hat von April 2023 bis März 2024 insgesamt 110Straftaten – ohne Verkehrsunfälle – verzeichnet, wie Florian Meier bereits vor einigen Wochen auf MZ-Anfrage mitgeteilt hatte. Dazu gehörten 59Ladendiebstähle, von denen aber nur sechs auf den Lidl-Markt entfielen, vier Fahrraddiebstähle sowie je fünf Körperverletzungs- und Betäubungsmitteldelikte. Im Vergleich dazu wurden im selben Zeitraum im Handels- und Gewerbestandort Am Brunnfeld (Globus, Obi und Aldi) 96 Straftaten – ohne Verkehrsunfälle – begangen. Von Kriminalitäts-Brennpunkten will die Polizei in beiden Fällen aber nicht sprechen. Dafür seien die Zahlen zu gering. Das gilt ebenso für den Bahnhof, wo mehr Straftaten registriert werden als an anderen Orten. „Das hängt damit zusammen, weil er stark frequentiert ist“, so Wiedenbauer.

Wenige Tatverdächtige sind Migranten

Der Anteil von Migranten an den Tatverdächtigen ist 2023 von 14,6 auf 16,1Prozent gestiegen. Probleme mit bestimmten Zuwanderern wie beispielsweise in Regensburg rund um den Bahnhof gebe es laut Wiedenbauer in Schwandorf nicht. Bei den Tatverdächtigen vom Einkaufszentrum Paul-von-Denis-Straße handelte es sich übrigens in 49 Fällen um Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit.

Fazit: Eine sichere Stadt, aber es gibt Stellschrauben

Trotz aller begangenen Straftaten sei Schwandorf eine sichere Stadt, so das Resümee der Polizei. Diesen Eindruck konnten OB Feller und sein Ordnungsamtsleiter Stefan Schamberger bestätigen. Dennoch gebe es die eine oder andere Stellschraube, wo die Polizei etwas tun müsse, meinte Polizeichef Wiedenbauer. Dazu zähle er die schweren Diebstähle, deren Zahl zwar rückläufig sei, wo aber jeder Fall einer zu viel sei.

Sie stellten den Sicherheitsbericht vor: Stefan Schamberger vom städtischen Ordnungsamt, Polizeichef Reiner Wiedenbauer, OB Andreas Feller, Vize-Polizeichef Florian Meier und der Verkehrs-Sachbearbeiter Deniz Birol (v. l.). Foto: Jan Lange