Trophäe für Tream-Fans? Schon wieder fehlt in Büchelkühn ein Ortsschild

Es ist schon wieder passiert: Nicht einmal drei Wochen, nachdem im Schwandorfer Stadtteil Büchelkühn alle gestohlenen Ortsschilder wieder ersetzt worden waren, hat ein Dieb erneut zugeschlagen – und sich diesmal womöglich ein Eigentor geschossen.
Einigen Verkehrsteilnehmern dürfte es bereits aufgefallen sein. Am Ortseingang in der Lange Straße, direkt neben dem Firmengelände der Gebrüder Donhauser, hängt seit dem Wochenende wieder ein Tempo-50-Schild an der Stelle, wo eigentlich Büchelkühn in schwarzen Buchstaben auf gelbem Grund zu lesen sein sollte. Der Bauhof musste erneut ein Provisorium anbringen, denn das Ortsschild, das wie alle anderen auch erst kürzlich ersetzt wurde, ist wieder zum Diebesgut geworden.
Wie berichtet, hatte der Schwandorfer Stadtteil kurz nach dem Jahreswechsel alle seine fünf Ortsschilder vermisst. Schnell keimte bei der Stadtspitze und der Polizei die Vermutung auf, dass dies mit dem Silvester-Auftritt von Schlager-Rapper Tream alias Timo Grabinger zu tun haben könnte.
Büchelkühner Ortsschild könnte begehrter Fanartikel sein
Denn der Sohn der Büchelkühner Gastronomen-Familie sang bei der ZDF-Silvestershow „Willkommen 2024“ vor dem Brandenburger Tor vier seiner Songs – vor geschätzt 65.000Menschen. Weitere 3,11Millionen Zuschauer sollen die Show durchschnittlich im Fernsehen mitverfolgt haben. Während seines Auftritts setzte Tream seinem Heimatort ein Denkmal, indem er ein nachgebildetes Büchelkühn-Schild in die Kamera reckte.
Der ein oder andere Fan könnte, so der Erklärungsansatz, davon angestachelt worden sein und sich kurz darauf ein besonderes Andenken für die eigenen vier Wände mitgenommen haben. Der Bauhof musste anschließend an allen Ortseingängen provisorisch Zeichen anbringen, die auf die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometern innerorts hingewiesen haben. Der entstandene Gesamtschaden wurde auf 1500 Euro geschätzt.
Einen Monat musste die Stadt Schwandorf auf Ersatz warten. Anfang Februar rückte der Bauhof dann erneut an, um die neuen Ortsschilder zu montieren. Dass nun wieder eins fehlt, sorgt bei Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) für Kopfschütteln: „Ich kann mir nicht erklären, was man mit so einem Schild will“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung und ergänzt: „Noch dazu, weil man es ja nicht aufhängen kann. Jeder weiß ja, dass es geklaut ist.“ Für die Stadt bedeute der erneute Diebstahl einen gleichermaßen ärgerlichen und unnötigen Aufwand. „Man hat ja sonst nichts zu tun“, kommentiert der Oberbürgermeister mit einer gehörigen Portion Ironie.
Auch ein Tempo-50-Schild ist weg
Was die Stadt zusätzlich ärgert: Der oder die Täter hätten laut Feller zwischenzeitlich auch eines der Tempo-50-Schilder mitgehen lassen, das provisorisch anstelle des Ortsschildes angebracht war. Und nicht nur das: Als „Gegengeschenk“ lag zu allem Überfluss auch noch eines der alten Büchelkühner Ortsschilder am Tatort.
Das hilft dem Bauhof, der die Sache nun wieder ausbaden muss, aber wenig. „Die alten Schilder waren größer und passen nicht in den neuen Rahmen“, erklärt Leiter Michael Übel. Auch er zeigte sich sichtlich verärgert, als er das alte Schild inspizierte. „Das ist einfach nicht mehr lustig.“ Der Bauhof müsse nun wieder 500Euro in die Hand nehmen und ein neues bestellen. Dass zwischenzeitlich auch noch eines der Tempo-Begrenzungsschilder geklaut wurde, löse in ihm nur noch größeres Kopfschütteln aus. „Ich frage mich echt, warum man so etwas braucht.“
Eine Streife der Polizei machte sich am Montagnachmittag indes ein Bild vom Tatort. „Ein gestohlenes Ortsschild ist kein Kavaliersdelikt“, erklärten die Beamten vor Ort. Man mache sich damit nämlich nicht nur des Diebstahls schuldig, sondern auch des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.
Mögliche Spuren werden gesichert
Denn ein Ortsschild sei ein wichtiger Hinweis für die Verkehrsteilnehmer, dass die zulässige Geschwindigkeit auf 50Kilometer pro Stunde begrenzt ist. „Wenn es Jugendliche gewesen sein sollten und diese erwischt werden, könnten sie später auch Probleme mit dem Führerscheinerwerb bekommen“, so die Polizisten.
Dass nun plötzlich ein altes Ortsschild am Tatort auftauchte, ließe zwangsläufig darauf schließen, dass es einen Zusammenhang mit den Vorfällen kurz nach Silvester geben muss. Und zur Ermittlung des Täters oder der Täter könnte es auch noch wertvoll sein. Man werde das alte Schild jedenfalls auf mögliche Spuren untersuchen, hieß es seitens der Polizei.
Die Ermittler gehen nach wie vor davon aus, dass die Büchelkühner Ortsschilder von Tream-Fans entwendet wurden. Das Management des vor allem beim jungen Publikum beliebten Rappers äußerte wenig Verständnis für die jüngste Aktion. „Zugegebenermaßen fanden wir es beim ersten Mal noch lustig, aber jetzt haben wir wirklich Mitleid mit der Stadt“, sagt Manager David Wessel auf Nachfrage.
Man sei besorgt, dass derartige Diebstähle nun regelmäßig passieren. „Wir können nur appellieren, so etwas künftig bleiben zu lassen“, so Wessel.

