Nach Gold nun auch Platin: Riesenüberraschung für Schwandorfs Schlager-Rapper Tream

Von Philipp Breu, Martin Kellermeier · 15. September 2023 um 15:59

Seit Monaten kennt die Karriere von Timo Grabinger alias Tream nur eine Richtung: steil nach oben. Am Donnerstag spielte der junge Musiker aus Büchelkühn zum Auftakt seiner Kneipentour vor 1800 Fans in der Münchner Eventlocation Backstage. Dort gab es am Ende einen ganz besonderen Moment.

Es ist kurz vor 21 Uhr, als Grabinger die Bühne mit seinem markanten weiß-blau karierten Halstuch und in Lederhose die Bühne betritt. Deren Bild ist, wie könnte es anders sein, zünftig bayerisch gestaltet. Links steht auf Strohballen ein Ortsschild von Büchelkühn, das DJ-Pult rechts ist wie ein Wirtshaustresen gestaltet. Darauf steht „Gasthof Kaspar Grabinger“ – eine Hommage an sein Elternhaus. Denn die Grabingers betreiben im Schwandorfer Ortsteil ein gleichnamiges Wirtshaus samt Hotel.

Tream punktet beim Publikum mit buntem Bühnenprogramm

Nach einem kurzen Intro fällt unter großem Jubel der Vorhang, Tream schnappt sich eine E-Gitarre und tritt ans Mikrofon. „Ich war einmal verliebt, einmal zu viel. Heut‘ sitze ich in meinem Zimmer und mach die Bande reich.“ Sofort hat Tream das überwiegend junge Publikum auf seiner Seite. Nach dem eher ruhigen Einstieg geht es Schlag auf Schlag. Der junge Künstler und seine Crew haben sich an diesem Tag einiges einfallen lassen. Neben den bekanntesten Hits, die der 24-Jährige mit viel Leidenschaft performt, gibt es immer wieder kleinere Spielereien und Witze auf der Bühne.

Auch das Publikum kommt nicht zu kurz. Tream flirtet beispielsweise mit einem Gast namens Josef, der mit Trachtenjanker in der ersten Reihe steht. Vor dem gleichnamigen Song fragt er den Mann, während er seine Hand hält: „Willst Du mit mir schlafen?“ Prompt lautet die Antwort: „Mit dir schon.“

Josef wird später noch einmal auf die Bühne gerufen, er darf zusammen mit Grabinger ein Fass Weizenbier anstechen. Ein paar Liter davon spendiert Tream dann an seine durstigen Gäste, die bei der Hitze im Innenraum des Backstage mächtig ins Schwitzen kommen. Auch seine Kumpels bindet der Künstler immer wieder in die Show ein. Einer zum Beispiel, der von Tream „Simmerl“ genannt wird, schippert mit einem Schlauchboot durchs Publikum, dazu läuft eine Hardstyle-Version von Celine Dions Welthit „My Heart will go on.“

Timo Grabinger beweist, dass er auch die leisen Töne kann

Bei all der Gaudi wird es dann stellenweise aber auch emotional. Timo Grabinger dankt seinen Freunden und seiner Familie, die immer hinter ihm stünden. Mit Vater Reinhard, spielt er gar den Song „Adler“, den der Büchelkühner Hotelier als Teil der Formation „Weissblaue Freiheit“ einst selbst geschrieben hatte. Mit Backgroundsängerin Tanja Mae performt er eine Akustik-Version seines Songs „Rhythm of my Life“ und auch bei Tom Odells Klassiker „Another Love“ zeigt Grabinger, dass er die leisen, gefühlvollen Töne ebenfalls beherrscht.

Bei den rund 1800 Gästen scheint der 24-Jährige mit seinem bunten Mix voll ins Schwarze zu treffen. Sophia Schindlbeck und ihre Freundinnen aus dem Landkreis Ebersberg bei München beispielsweise hören die Hits des Büchelkühners schon lange, vor allem auf Partys. „Er ist einfach ein guter Interpret, der sich über Monate echt gesteigert hat. Er hat so viele Songs veröffentlicht, die an die 80er erinnern und das ist sowieso geil.“

Die Familie Grabinger ist stolz

Auch Treams Schwestern Sofie (16) und Bianca (26) sowie Vater Reinhard (54) und Stiefmutter Myriam Grabinger (46) könnten nicht stolzer auf die vielversprechende Karriere ihres Timos sein. „Es geht immer weiter steil bergauf. Timo ist ein Kämpfer, der sehr diszipliniert und permanent an seiner Musik arbeitet.“ Sie schätzten vor allem, dass der junge Musiker sich trotz des Erfolgs charakterlich nicht verändert habe – auch wenn sich in der Familie ganz viel um Tream drehe. Und diese Eigenschaft spiegelt der selbsternannte Schlagerrapper auch auf der Bühne wieder. Immer wieder sucht er am Donnerstagabend den Kontakt zu seiner Familie und seinen Kumpels, erzählt offen, dass sie privat immer noch das gleiche Leben führen würden.

Und dann, nachdem Tream mit dem vorletzten Song „München“ nochmals alles aus sich raus geholt hat, folgt der große Moment. Viele seiner engsten Bezugspersonen haben es schon länger gewusst. Für den jungen Rapper ist es eine Riesenüberraschung, als Manager David Wessel mit der ganzen Familie sowie seinen Kumpels im Schlepptau die Bühne betritt. In den Händen halten sie eine eingerahmte Platin-Schallplatte – eine der höchsten musikalischen Auszeichnungen. Diese hat er für seinen Song „Lebenslang“ bekommen, den er zusammen mit dem niedersächsischen DJ-Duo HBz 2022 produziert hatte. Die goldene Schallplatte gab es dafür schon.

Diesen Song gibt es dann zur Feier des Tages auch noch, ehe Tream unter tosendem Applaus die Bühne verlässt. Nach dem Konzert zeigt sich der 24-Jährige auf Nachfrage unserer Zeitung sichtlich zufrieden: „Es war Wahnsinn. Wir haben uns monatelang darauf vorbereitet und heute ist endlich der Moment gekommen, wo wir das umgesetzt haben. Und auch meine Kumpels und meine Familie waren hier. Ich hatte wirklich Gänsehaut.“

Die Auszeichnung mit Platin hängt der 24-Jährige indes aber nicht an die große Glocke: „Über die Platinschallplatte freue ich mich ehrlicherweise eigentlich gar nicht. Aber über die Geste freue ich mich, dass mich mein Team und meine Familie überrascht haben. Ich lege aber gar keinen so großen Wert auf Zahlen. Ich finde es viel wichtiger, dass wir eine geile Zeit zusammen haben.“

Die Auszeichnung „Platin“

Anzahl: Die Platin-Schallplatte ist einer der bedeutendsten Musikpreise. Sie wird verliehen für 400000 verkaufte Einheiten.

Song: Timo Grabinger hat Platin für seinen Song Lebenslang erhalten – und das ohne große Plattenfirma. Auch seine Hits „Zelten auf Kies“ und „Liebe auf der Rückbank“ scheinen große Erfolge zu werden, der Goldstatus ist greifbar.

Sie standen ihrem Timo beim Konzert in München zur Seite: Schwester Sofie, Stiefmutter Myriam, Vater Reinhard und Schwester Bianca Grabinger (v. l.).
Der Künstler in Aktion: Mit seinem Bühnenprogramm begeisterte Tream das Publikum.
Auch für Verpflegung muss bei der Tour gesorgt sein. Dafür hat sich Timo Grabinger im Vorfeld ein paar Fässer Weißbier von der Brauerei Jacob in Bodenwöhr geholt. Foto: Renate Ahrens