Nach Auftritt von Tream im ZDF: Büchelkühn vermisst seine Ortsschilder

Spätestens seit Silvester dürfte der Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn wohl bundesweit bekannt sein. Kein Wunder, denn der selbsternannte Schlagerrapper Tream hat seiner Heimat in der ZDF-Silvestershow „Willkommen 2024“ ein Denkmal gesetzt. Der Hype war offenbar so groß, dass in Büchelkühn kurz darauf sämtliche Ortsschilder verschwunden sind.
Timo Grabinger, wie Tream mit bürgerlichem Namen heißt, war am 29. Dezember zwar bereits im ZDF-Morgenmagazin aufgetreten. Aber die Silvestershow im „Zweiten“ war für ihn der erste richtig große Live-Auftritt im Fernsehen. Allein vor dem Brandenburger Tor haben rund 65.000 Gäste mitgefeiert. Und weitere 3,11 Millionen Zuschauer sollen die Show durchschnittlich im Fernsehen verfolgt haben. So weit die Dimensionen, als Tream am Sonntagabend um 20.53 Uhr loslegte. Und zwar live, ganz bewusst ohne Playback.
ZDF-Auftritt war für Tream „unfassbar“
Mit weißblauem Tuch, kurzer Lederhose, weißem Hemd und Trachtenweste performte der Musiker insgesamt vier Songs: erst „Weinst Du“ und dann zusammen mit Finch „Liebe auf der Rückbank“. Nach Mitternacht stand Tream dann erneut auf der Bühne. Es folgten die Hits „Zelten auf Kies“ und „Lebenslang“.
Dabei gab es beim zweiten Song ein echtes Highlight, als seine Jungs vor Millionen Zuschauern ein nachgebildetes Ortsschild von Büchelkühn sowie eine Bayernfahne zeigten. Es war eine Hommage an seinen Heimatort, dem Tream bis heute treu ist. Auch für den Musiker war das ein ganz besonderer Moment, wie er im Gespräch mit der Mittelbayerischen verrät.
@tream_auf_spotify_ Die erste zündet.. (Sünde 1/7) Frohes neues Jahr!🤍💙 #4u ♬ 7 SÜNDEN - Tream & treamiboii
Die ganze Dimension des Auftritts habe er erst so richtig realisiert, als alles vorbei war. Danach wären sie „übelst ausgerastet“, hätten sich alle in den Arm genommen. „Im Nachhinein, wenn man wirklich begreift, dass da mehrere Millionen Menschen zuschauen und mehrere Zehntausende vor dir stehen, ist das schon unfassbar“, sagt er.
Schwandorfer Tream: Viele Erfolge im Jahr 2023
Am Brandenburger Tor hatte Tream von einer „riesen Ehre“ gesprochen, „heute hier zu stehen“. Er dankte seinen Jungs, wie er seine Kumpels nennt, und seiner Familie. „Wir kommen alle aus demselben Dorf. Wir stehen hier ohne Plattenvertrag, ohne irgendeinen Rückenwind. Aber trotzdem haben wir es hierhin geschafft“, sagte er beim letzten seiner beiden Auftritte kurz nach Mitternacht.
Auch sein Manager David Wessel ist noch immer begeistert von dem Auftritt. Dass das ZDF auf Tream aufmerksam wurde, wundert ihn nicht – schließlich sei der Schwandorfer unter den 20 meistgehörten Künstlern in Deutschland. „Die Redaktion und die Produzenten sahen Tream als Partygarant“, sagt der Manager der Mittelbayerischen.
Tatsächlich stellt der Auftritt für Tream den Abschluss eines erfolgreichen Jahres dar, denn neben der „Goldenen“ hat sich der Künstler mit seinem Song „Lebenslang“ im Vorjahr auch die Platin-Schallplatte gesichert. Grabingers erste Tournee war 2023 restlos ausverkauft. Unter jungen Menschen hat der Büchelkühner teilweise einen Hype ausgelöst. Auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) ist das nicht entgangen. Er sei stolz, dass Tream so bodenständig bleibt und in positivem Sinn auf die Große Kreisstadt Schwandorf aufmerksam macht, sagt der Rathauschef auf Anfrage.
Hype in Schwandorf treibt kuriose Blüte
Nun aber hat der Hype um den Musiker eine kuriose Blüte getrieben: Denn kurz nach seinem ZDF-Auftritt sind in seinem Heimatort Büchelkühn sämtliche Ortsschilder verschwunden. Also die Schilder genau jenes Ortes, der in der Sendung zu sehen war.
Wer die Diebe sind, ist bisher unklar. Die Polizei hat den Vorfall am Dienstagvormittag jedenfalls aufgenommen. Zuvor hatte die Stadt bereits provisorisch Schilder anbringen lassen, die auf die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50Stundenkilometern hinweisen. Eines der Schilder soll 300Euro kosten. Bei fünf gestohlenen Schildern macht das einen Gesamtschaden von 1500 Euro, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.
Die Stadt findet die Aktion wenig amüsant. „Es ist gröbst unvernünftig“, sagt der OB. Immerhin seien die Schilder auch für die Sicherheit wichtig, weil diese signalisieren, dass innerorts nur 50 gefahren werden darf. „Ich bitte da wirklich, das Hirn einzuschalten“, lautet Fellers Appell. Man werde als Stadt Anzeige erstatten.
Mit etwas mehr Schmunzeln reagiert das Management von Tream. Dass es Fans gewesen sein könnten, die die Schilder abmontiert haben, hält David Wessel durchaus für denkbar. Er stellt aber auch klar: „Wir begrüßen das in keiner Weise und bedauern sehr, dass der Stadt dadurch Kosten entstehen.“ Aber natürlich könne man so etwas nicht verhindern.
Der Hype um Tream dürfte indes anhalten. Auch wenn sich der Schwandorfer nach all den Auftritten nun kurz erholen will, ist im neuen Jahr bereits einiges geplant. Die Fans dürfen sich unter anderem auf einen Auftritt in der Münchner Olympiahalle am 14. Dezember freuen.


