Treffpunkt mit Tradition: Das Saaler Ratschbankerl zieht um

Das Ratschbankerl am Parkplatz an der Christkönigskirche in Saal ist ein Ort zum Zuhören, Reden und Fragenstellen. Doch in letzter Zeit bleiben immer öfter Plätze leer. Ein Umzug soll neuen Schwung bringen.
Ganz unscheinbar steht sie am Rande des Parkplatzes an der Christkönigskirche – die Seniorenbank. Sie ist massiv, ihre Sitzfläche ist erhöht und es gibt Armlehnen zum besseren Aufstehen. Von hier aus hat man einen guten Blick über das Marktgeschehen, dass sich hier jeden Donnerstag abspielt. Jeden dritten Donnerstag im Monat wird die Bank zum Ratschbankerl – einem Ort für Gespräche und Begegnungen. Doch in letzter Zeit bleiben immer öfter Plätze leer. Nun steht ein Umzug an.
Auch an diesem Donnerstag sitzt Gemeinderat und Seniorenbeauftrager Walter Dietz auf dem Ratschbankerl. Lange bleibt er jedoch nicht allein, da kommen Peter Guhr und seine Frau. Sie holen sich ihr Brot am Wochenmarkt.
Themen sind vielfältig
Ihr Bäcker habe kürzlich geschlossen, sagt Guhr und setzt sich auf den Sitz seines Rollators. Er und Dietz kennen sich gut und schon sind sie ins Gespräch vertieft. Da geht es ums Freibad, das an diesem herrlichen Donnerstag eigentlich noch geöffnet haben sollte, die Baustelle in der Ernst-Cetto-Straße oder Besuche beim Physiotherapeuten.
2016 hat Dietz das Ratschbankerl ins Leben gerufen. Seine Sprechstunden im Rathaus seien damals eher mäßig angenommen worden, darum habe er sich überlegt, als Seniorenbeauftragter zu den Leuten zu kommen – und so war das Ratschbankerl geboren. Hier werden Fragen beantwortet, Probleme erörtert, es wird über Politik diskutiert und so manche Stammtisch-Parole richtiggestellt. „Aktuell wollen viele wissen, wann der neue Supermarkt ,Auf dem Gries‘ kommt. Das geht ihnen zu langsam“, sagt Dietz, der dann erklärt, dass erst ein Kreisverkehr gebaut werden müsse. „Das dauert schon.“
Ratsch wird mit Erledigungen verbunden
Manche gehen weiter, sobald sie eine Antwort auf ihre Frage haben, andere bleiben auf einen Ratsch. Wie Sebastian Hobmaier, der sich neben Walter Dietz setzt. Hobmaier verbindet seinen Besuch am Bankerl meist mit Erledigungen. Seit 55 Jahren lebt er in Saal, war viele Jahre kommunalpolitisch aktiv und kennt sich hier bestens aus. Falls er oder seine Frau doch einmal etwas wissen wollen, ist das Ratschbankerl ihre erste Adresse.
Viele Jahre stand es am Kirchplatz mitten im Wochenmarkt-Getümmel. Doch als das Ärztehaus gebaut wurde, zog es mit den Wochenmarkt-Standlern 2021 auf den Parkplatz an der Christkönigskirche. An diesem Donnerstag ist das Wetter fast zu schön, wie Hobmaier und Dietz sagen. „Da will sich niemand herstellen.“ Auch bei Regen schauen die Leute, dass sie schnell wieder nach Hause kommen. Überhaupt sei das Interesse am Ratschbankerl abgeflaut. Über die Gründe kann Dietz nur spekulieren. „Die Leute haben heute mit den sozialen Medien so viele Möglichkeiten, sich zu informieren.“ Vielleicht liege es aber auch am Standort, dass die Leute nicht herkämen.
Der Saaler Wochenmarkt zieht um
Hier hat Bürgermeister Christian Nerb gute Nachrichten. „Im Oktober zieht der Wochenmarkt wieder auf den Kirchplatz zurück.“ Es sei der Wunsch der Standler gewesen, dem die Gemeinde hier nachkomme. Mit den Ständen zieht auch das Ratschbankerl zurück, das Nerb für eine tolle Einrichtung hält.
Den Saaler Wochenmarkt gibt es seit 2015. In den ersten Jahren fand er am Kirchplatz statt, dort wo mittlerweile das Ärztehaus steht. Während den Bauarbeiten zogen die Standler auf den Parkplatz bei der Christkönigskirche. Auch hier sei der Markt laut Bürgermeister Christian Nerb gut angenommen worden. Der Umzug zurück auf den Kirchplatz soll mit einem Fest und Freigetränken gefeiert werden.
Am Kirchplatz gebe es mehr Laufkundschaft und auch mit dem Bistro sei dort einfach mehr los, sagt Dietz, während er sich auf den Nachhauseweg macht. Er hofft, dass beim nächsten Mal auf dem Kirchplatz wieder mehr Leute das Angebot des Ratschbankerls annehmen, Fragen stellen oder einfach auf einen Ratsch stehenbleiben.