Biber steckt mit Hinterteil fest: Feuerwehr Kelheim eilt mit Rettungsspreizer zu Hilfe

Von Martin Rutrecht · 22. September 2025 um 15:00

Die Lage war beengt und misslich für das Tier: Ein Biber steckte am Samstag in Kelheim zwischen einer Aufstiegsleiter im Main-Donau-Kanal und der Ufermauer fest. Die Feuerwehr eilte zu Hilfe – und befreite das Tier mittels Rettungsspreizer. So kam es zum ungewöhnlichen Einsatz und so lief er ab.

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Drei Jahrzehnte ist Kommandant Bernhard Kleiner mittlerweile bei der FFW Kelheim. „Aber so etwas ist mir noch nie untergekommen.“ Der 46-Jährige horchte Samstagfrüh noch leicht an der Matratze, als ihn gegen 7 Uhr ein Anruf von der Leitstelle erreichte: „Biber am MD-Kanal eingeklemmt.“ Das Nagetier hatte sich unter der Brücke von der Riedenburger Straße in Richtung Alleestraße/Innenstadt verfangen. „Es hing am Ufer auf der Stadtseite fest.“

Die missliche Lage des Bibers war einem Angler aufgefallen. Er versuchte, das Tier mit einem Stock zu befreien. Weil ihm das nicht gelang, verständigte er die Polizei und diese dann die Leitstelle. Kleiner rückte mit zwölf FFW-Kameraden aus. Und beschreibt die Situation vor Ort akkurat: „Der Biber steckte mit seinem A... fest.“ Er war zwischen Aufstiegsleiter und Kaimauer geraten. „An den Uferwegen spazieren oft Biber rum. Wahrscheinlich wollte er ins Wasser oder aus dem Wasser raus“, mutmaßt der Kommandant.

Kopfüber hing der Biber ins Wasser

Wann der Biber in die verzwickte Lage geraten war, lässt sich nicht genau sagen. Verletzt war das Nagetier augenscheinlich nicht. „Erschöpft hat es auch nicht gewirkt. Der Biber versuchte durch Hin- und Herruckeln rauszukommen.“ Der Pelzträger hing kopfüber nach unten, das Maul ragte ins Wasser. Auf etwa einen halben Meter Länge taxiert Kleiner die Größe des Tiers, „mit Schwanz wohl einen Meter“.

Für die Feuerwehrler war klar: Da hilft nur ein Rettungsspreizer. „Die Leiter wegzuflexen hätte den Biber gefährdet“, schätzten die Kameraden die Alternative ein. Die Befreiungsaktion selbst war in knapp einer halben Minute erledigt. Mit dem Spreizer wurde die Leiter etwas von der Mauer weggedrückt, der Biber bekam Platz für sein Hinterteil, zuckelte los – und tauchte sofort ab. Die Einsatzkräfte hielten die Rettungsaktion auch in einem kurzen Video fest. Nach dem tierischen Einsatz gab es einen Kaffee im Feuerwehrhaus.

Wir mussten schon Schweine bergen, die in Stallböden eingebrochen sind.

Bernhard Kleiner, Kommandant FFW Kelheim

Wie erwähnt, Kommandant Kleiner hat das in 30 Jahren Feuerwehrdienst noch nicht erlebt. „Wir mussten schon Schweine bergen, die in Stallböden eingebrochen sind und fest steckten. Manchmal müssen wir auch verendete Tiere aus der Donau ziehen, beispielsweise Schafe.“

Im Landkreis Kelheim sind alle größeren Gewässer von Bibern besiedelt, erklärt das Landratsamt Kelheim auf Anfrage. Der Landkreis war der Ausgangspunkt der Wiederansiedlung des Bibers in Bayern, so die Pressestelle. Regelmäßig treten „Konflikte durch Fraßschäden, Uferunterminierungen und Anstauungen auf“. Die Untere Naturschutzbehörde und 26 Biberberater im Landkreis versuchen den Ausgleich zwischen Mensch und Tier zu finden.

Der Vorfall erinnert an eine Rettungsaktion in Riedenburg, von der die Tierhilfe Kelheim im Sommer berichtete. Ein Katzenbaby, dem später der Name „Lucky“ gegeben wurde, war in einer Scheune in einen Kaminschacht gefallen.

Katzenbaby im Kamin

Das Dramatische: Man konnte zwar das Miauen hören, aber über Tage nicht lokalisieren, wo es genau war. Erst als die Katzenmami in der Scheune über dem Kamin herumstrich, kam einer Tierhilfe-Mitarbeiterin eine Ahnung. Die Feuerwehr Riedenburg wollte helfen, durfte den Kamin jedoch nicht aufschlagen, weil der Vermieter nicht erreichbar war.

Zum Retter wurde ein Monteur einer Rohrreinigungsfirma aus Kelheim. Er stemmte tags darauf den Kamin – in Abstimmung mit dem Vermieter – auf, das Kätzchen tapste durch das Loch heraus. Am nächsten Tag guckte die Riedenburger Tierhelferin nochmal in der Holzhütte nach. Da streunte plötzlich noch ein zweites kleines Kätzchen herum. Es wurde „Loki“ getauft.

Tierhilfe-Vorsitzende Monika Pledl berichtete damals auch von anderen Rettungsaktionen von Vierbeinern. „Einmal wurde ein Hund geborgen, der in ein Silo gefallen war.“ Ein ander Mal rettete die Feuerwehr ein Reh aus einem Brunnen, in dem Wasser stand. „Das Tier versuchte immer wieder die Wand hoch zu springen.“ Jetzt ist der Strauß der tierischen Storys um einen eingeklemmten Biber reicher.