Kelheim war zwei Tage lang die Info- und Kauf-Meile rund um Umwelt, Wirtschaft, Kultur und Soziales

Von Martina Hutzler · 22. September 2025 um 05:15

In Zeiten globaler Krisen scheinen regionale Kreisläufe an Bedeutung zu gewinnen: Diesen Eindruck schilderten mehrere der rund 80 Ausstellerinnen und Aussteller, die am Wochenende für die 14. Regional- und Umwelttage die Kelheimer Altstadt in eine große Info- und Einkaufsmeile verwandelten.

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Das Traumwetter an sommerlich-heißen Wochenende war fast ein bisschen zu viel des Guten: Zumindest am Samstag war der Zustrom etwas geringer als vor zwei Jahren, hieß es an den Ständen übereinstimmend. Am Sonntag, der auch verkaufsoffen war, strömten Besucherinnen und Besucher dann freilich in Scharen in die Altstadt. Zeit und Raum war trotzdem für rege Gespräche – und das wussten auch die Standbetreiber zu schätzen.

„Die Leute zeigen großes Interesse an der Landwirtschaft. Ich finde es super, dass vielen das Thema Ernährungssicherheit im eigenen Land wichtig ist“, sagte zum Beispiel Kreisbäuerin Rita Schultes. Ehrensache, dass die „Kiachln“ – sie haben längst Kult-Status bei den Regional- und Umwelttagen (RuT) – und sonstigen Produkte am Landfrauen-Stand mit Zutaten aus heimischer Produktion gefertigt waren.

Begleitet von der Viel-Harmonie im unteren Altmühltal ging es auf den Ludwigsplatz, wo Landrat Martin Neumeyer zum offiziellen Auftakt das erste Fassl anstach und Bürgermeister Christian Schweiger beim Ausschank assistierte. - Foto: Bettina Gröber

Wie Landwirtschaft und Landschaft zusammenhängen, machte der VöF mit einer langen Porträtmeile deutlich. Viele der über 100 Bauern, die für den Kelheimer Landschaftspflegeverband tätig sind, ließen sich dafür fotografieren. Auch sie seien vom aktuellen Sparkurs der bayerischen Staatsregierung betroffen; das solle die Aktion zeigen, erklärte VöF-Mitarbeiterin Anne-Katharina Mahle.

Infos kamen mit in die Tüte

Allerorten setzten Stand-Beschicker viel daran, die Vorbeischlendernden nicht nur mit Produkten, sondern auch mit interessanten Infos zu versorgen. „Welchen Geschmack der Honig hat, hängt auch von der Jahreszeit ab“, erklärte etwa Angelika Schindler von den „Bienenflüsterern Landkreis Kelheim“ einer Besucherin: Die Pflanzen, die gerade Blüh-Saison haben, prägen den Geschmack des Honigs, der dann geschleudert wird.

Vielgefragt waren auch Hans Graml als Gesprächspartner und sein „Max“ als kraul-geneigter Ziegen-(Nicht-mehr-ganz-) Bock. Die Thüringer Waldziegen und dazu Coburger Fuchsschafe vom „Rotviehhof am Jurasteig“ waren die tierischen Stars der RuT; das „BioDorf“ am Alten Markt präsentierte sich diesmal viehlos, aber mit vielseitigen Infos zu Acker- und Streuobst-Anbau, Techniken im Öko-Landbau, dazu Kostproben von deftig bis süß.

Luzia Schmailzl verlagerte die Werkstatt ihres Raumausstattungs-Betriebs nach draußen - Foto: Hutzler

Die Slowfood-Gruppe Niederbayern legte das Augenmerk auf eine besondere Kulturpflanze: die „Alb-Linse“ - die in ihrer schwäbischen Heimat schon wegrationalisiert war und erst dank einer Saatgut-Bank in St. Petersburg wieder hierher zurückkehrte, schilderte Georg Flingelli von Slow Food Niederbayern.

Viel geboten war für Hobby-Gartler: Das bestätigten zum Beispiel Anneliese Diewald und Erich Geser, die eigens für die RuT aus Elsendorf nach Kelheim kamen. Und auch beim Kreisverband für Gartenbau und Landespflege freuten sich Kreisvorsitzende Maria Meixner und ihr Team über regen Zulauf: von Erwachsenen, die sich vor allem nach praktischen Gartentipps erkundigten, und von Kindern, die ihre Freude am Basteln von Türkränzen hatten.

Die Kelheimer Foodsharing-Gruppe war erstmals vertreten. - Foto: Hutzler

Angebote für Kinder standen insgesamt hoch im Kurs. So vertieften sich die Jüngsten oft eine halbe Stunde und mehr ins Bearbeiten der - selbstgemachten - Knetmasse am Stand der KEB-Eltern-Kind-Gruppen: für Standbetreuerin Andrea Halbauer zugleich eine gute Gelegenheit, neue Gruppenleiterinnen „anzuwerben“. Taschen bedrucken mit Kartoffeln, Mikroskopieren, Enten-Angeln und vieles mehr war ebenfalls sehr gefragt.

Georg Flingelli (li.) und Thomas Pielmeier von SlowFood Niederbayern stellten die "Alb-Linse" vor. - Foto: Hutzler

Faszinierend für Jung und Alt gleichermaßen war der Gigant des Wochenendes: ein selbstfahrender Holzhacker aus Langquaider Produktion. Die dortige Firma Albach führte live vor, wie das Gerät „im Wert eines Einfamilienhauses“ in wenigen Minuten Stämme zuHolzschnitzeln häckselt. Mit im Vorführ-Team: Benedikt Fischer, erst seit diesem Monat als Azubi bei Albach.

Claudia Aschenbrenner (re.) ließ sich am Stand vom "Bündnis für Menschenwürde" die syrischen Spezialitäten schmecken, die Hiba Alsalibi (2.v. re.) zubereitet hatte. - Foto: Hutzler

Bei den RuT 2023 hat der heute 15-Jährige den Häcksler gesehen und so den Betrieb entdeckt, im Jahr darauf ein Praktikum absolviert – und ist jetzt überzeugt, den Traumberuf gefunden zu haben. Auf solche positiven „Nebenwirkungen“ hofften viele Beteiligte: Mitarbeiter-Gewinnung, neue Kundenkreise erschließen, den eigenen Betrieb oder auch Verein bekannter zu machen.

Dass Kelheim hierfür zwei Tage lang die „Börse“ war, ist ganz im Sinne der Veranstalter, Landkreis und Stadt Kelheim. Deren Repräsentanten, Landrat Martin Neumeyer und Bürgermeister Christian Schweiger, gaben am Samstagvormittag im Innenhof des Rathauses den offiziellen Startschuss.

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Neumeyer brachte dabei das Motto der Veranstaltung – „Aus der Region – für die Region“ – mit einem Plädoyer für Bodenständigkeit in Zusammenhang. Er bedankte sich bei den zahlreichen Kooperationspartnern und Mitwirkenden. Für Kelheims Bürgermeister sind die Regional-und Umwelttage „eines der schönsten Ereignisse in Kelheim“, das überregionale Strahlkraft besitze. Es sei wichtig, weniger zu reden und „einfach mal zu machen“.

Die Kelheimer Geschäftswelt nutzte den verkaufsoffenen Sonntag. - Foto: Hutzler

Der Sonntag war der Magnet

Das dürfte am Wochenende gelungen sein: Am Sonntagabend zeigten sich die Ausstellerinnen und Aussteller „sehr zufrieden“, fasste VöF-Geschäftsführer Klaus Amann zusammen, was er bei Umfrage nach „Torschluss“ erfahren hatte. Ihn selbst freute, dass Themen wie „regional“ und „bio“ zumindest bei den RuT keineswegs „out“ waren. Die zweitägige Schau habe gezeigt, wie jeder im Kleinen aktiv werden könne zugunsten von Umwelt, Klima, Sozialem, Kultur und regionaler Wirtschaft.