Regional- und Umwelttage Kelheim: Große Bühne für gelebten Umweltschutz

Ein kleiner Funke der Hoffnung leuchtete am Abend der Auftaktveranstaltung der Regional- und Umwelttage Kelheim auf. Vor dem Hintergrund des Klimawandels wurden neun Preisträger für ihre vorbildlichen und zukunftsorientierten Projekte und Maßnahmen im Klimaschutz ausgezeichnet.
Der Landkreis, die Stadt Kelheim und der Landschaftspflegeverband VöF hatten am vergangenen Freitagabend zur Preisverleihung eingeladen und über hundert Gäste im Landratsamt begrüßt.
„Unser Ziel ist es, die Besucher nicht nur zu informieren, sondern sie zu motivieren, sich bewusst für ihre Heimat und ihr Lebensumfeld einzusetzen“, betonte Landrat Martin Neumeyer bei der Veranstaltung in Bezug auf die Regional- und Umwelttage in Kelheim am Wochenende. „Wir wollen zeigen, dass auch kleine Schritte im Umweltschutz einen positiven Effekt für eine zukunftsfähige Region haben.“
Sonderpreis für Nanu
Der Klimapreis wurde in vier Kategorien ausgelobt. Außerdem gab es in diesem Jahr zum ersten Mal einen Sonderpreis. In der Kategorie für Privatpersonen und -haushalte wurde Christian Dürmayer aus Hausen für seinen außergewöhnlich wertvollen Naturgarten geehrt. Familie Haltmaier aus Abensberg realisierte das erste Nachhaltigkeitshaus im Landkreis Kelheim und ist ebenfalls Preisträger. Im Bereich Kindergärten, Schulen, Organisationen, Vereine, Initiativen, Kinder- und Jugendgruppen erhielt der Kindergarten St. Christopherus aus Bad Abbach den Klimapreis für ein über mehrere Wochen intensiv gelebtes Projekt zum Thema Müll und Umwelt inklusive themenbezogenem Musical.
Die Johann-Simon-Mayr-Realschule Riedenburg betreibt unter dem Leitsatz „Jeder kann etwas tun“ eine eigene Umweltgruppe und verdiente sich ebenfalls einen Klimapreis. Alle erhielten 500 Euro Preisgeld für ihren Einsatz.
In der Kategorie Unternehmen, Kommunen und öffentlichen Einrichtungen wurde das Planungsbüro Simon Beis aus Abensberg für ihr Firmengebäude in Vollholzbauweise ausgezeichnet. Die Brauerei Kuchlbauer aus Abensberg erhielt eine Urkunde für „Kuchlbauers Weissbier Quartier+“ als erstes klimapositives Logistikzentrum der Region und die Gemeinde Teugn erwies sich über fünf Jahre lang engagiert, in denen sie 13 konkrete Projekte zur gelebten Nachhaltigkeit realisierte. So ließ die Gemeinde beispielsweise die Grundschule ans Fernwärmenetz anschließen oder setzte die behutsame Renaturierung des Teugner Mühlbachs um.
Zum ersten Mal lobte die Jury in diesem Jahr einen Preis in der Kategorie landwirtschaftliche Betriebe aus. Dieser ging an Alexander und Herbert Riepl aus Riedenburg-Thann. Unter dem Titel „Ackern fürs Klima“ zeigten die beiden, wie Landwirtschaft, Klimaschutz, Bodengesundheit und Artenvielfalt Hand in Hand gehen können.
Ebenfalls neu war der Sonderpreis des Landkreises für Regionalität und Umwelt. Dieser ging an das Umweltbildungsprojekt Nanu!, das seit 20 Jahren über 44.000 Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene bei Führungen und Veranstaltungen rund um das Thema Umweltschutz sensibilisiert.
Als Gastredner konnten die Veranstalter in diesem Jahr Richard Loibl, den Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg, gewinnen. In seinem Vortrag „Klimawandel in der Heimat Niederbayern – was wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen können“ bot er einen spannenden Einblick in die Geschichte Niederbayerns. Als Historiker sieht Loibl sich durchaus mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert: „Und das nicht nur, weil das Hauses der Bayerischen Geschichte das weltweit größte Passivhausmuseum ist“, so Loibl.
Schnelle Lösungen nötig
Als Historiker bekäme man die Verantwortung ja mit, führte er weiter aus: „In der Politik hatten immer die die Nase vorn, die weitergedacht haben.“ Loibl betonte, dass der aktuelle Klimawandel zwar der erste menschengemachte sei, aber frühere, natürliche Klimaveränderungen stets einen Krisenmechanismus in Gang gesetzt hätten: Auf den Klimawandel folgten Ressourcenverknappung, Migration, Verfolgung und zuletzt Krieg. Seine zentrale Botschaft: Anstatt Schuldige zu suchen, sollten wir alle Energie in Innovation und Bildung stecken, um so schnellere Lösungswege aus der Krise zu finden. „Krieg und Verfolgung bringen uns nicht weiter“, so der Historiker. Er ist überzeugt, dass jeder etwas tun kann, egal wie klein der Schritt ist. „Diese Veranstaltung ist der beste Beweis dafür. Nehmen wir das Beispiel Naturgarten. Wir müssen weg von den Schottergärten. Und da kann wirklich jeder etwas dafür tun“, brachte er im Gespräch mit unserer Zeitung noch einmal einen der Preisträger ins Spiel.
Der „Klimapreis Landkreis Kelheim“ wurde in diesem Jahr bereits zum fünften Mal verliehen. Im Mittelpunkt standen die Themen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, Bewusstseinsbildung, Beschaffungswesen und Natur- und Artenschutz. Die Jury legte ihr Augenmerk vor allen auf Maßnahmen, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen hinausreichen und die ein besonderer Innovationscharakter auszeichnet.
