Versorgungslücken und Leerstände: Aus der Saaler Bäckerei Bärenbäck trifft Gemeinden hart

Von Alexandra Nurtsch · 16. September 2025 um 04:00

Das Ende der Bärenbäck-Filialen stellt Ihrlerstein, Teugn, Essing, Saal und Langquaid vor Herausforderungen: Wo früher der Einkauf zu Fuß möglich war, braucht es nun mancherorts das Auto. Die Bürgermeister der Orte im Landkreis Kelheim suchen nach Alternativen.

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Das überraschende Aus der Saaler Bäckerei Bärenbäck stellt die Gemeinden Ihrlerstein, Essing, Teugn, Saal und Langquaid vor Herausforderungen. Während die einen mit einem Leerstand in zentraler Lage konfrontiert sind, fragen sich die anderen, wie es künftig mit der Nahversorgung weitergehen soll, denn mit dem Bärenbäck verschwand das einzige Lebensmittelgeschäft im Ort. Dort, wo früher der tägliche Einkauf zu Fuß möglich war, ist nun ein Auto erforderlich.

Zum 1. September schloss der Bärenbäck alle fünf Standorte. An den Türen mancher Filialen war dies „aus gesundheitlichen Gründen“ angekündigt worden. Wenige Tage später stellte Bäckermeister Markus Neumann beim Amtsgericht Regensburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Ein Insolvenzverwalter wurde bestellt, der sich auf Nachfrage jedoch nicht zu dem Fall äußert. So ist auch nicht bekannt, wie viele Arbeitsplätze von der Schließung betroffen sind.

„Aus heiterem Himmel“

„Das trifft uns alle“, sagt Ihrlersteins Bürgermeister Thomas Krebs über die Schließung. Als in Ihrlerstein vor rund zwei Jahren der einzige Supermarkt dicht gemacht wurde, sprang Neumann ein und bot in seiner Bärenbäck-Filiale auch Waren des täglichen Bedarfs an. Die Ihrlersteiner kauften hier Milch, Eier, Nudeln, aber auch Waschmittel, Obst und mehr.

Wie es mit der Nahversorgung im Ort weitergehen soll, es gibt noch einen Metzger im Ort, kann Krebs aktuell nicht sagen. Die Schließung habe ihn überrascht. Ende August/Anfang September sei beim Bärenbäck immer Betriebsurlaub gewesen. Darum habe er sich zunächst nichts dabei gedacht.

Auch in Essing kam die Schließung unerwartet. „Es war aus heiterem Himmel“, sagt zweiter Bürgermeister Christoph Schweiger. Neumann betrieb hier mit seiner Frau eine Filiale mit kleinem Lebensmittelmarkt. Viele Essinger seien dorthin zum Einkaufen gegangen. Der Laden sei ein wichtiger Bestandteil des Orts gewesen, der nun fehle, sagt Schweiger.

Besonders trifft dies die Bürger, die nicht mobil sind, aber auch Touristen, die in den Ferienwohnungen im Ort Urlaub machen und sich frische Semmeln holen wollen. Nun werde man schauen, welche Alternativen es für die Nahversorgung im Ort gibt. „Es ist uns bewusst, dass es nicht einfach werden wird, etwas Neues zu finden, sagt er.

Nachfolger-Suche läuft auf Hochtouren

In der Gemeinde Teugn läuft die Suche nach einem Nachfolger bereits auf Hochtouren. Auch hier betrieben die Neumanns sieben Jahre lang einen kleinen Lebensmittelmarkt. „Wir waren sehr froh, den Bärenbäck als Nahversorger zu haben“, sagt Bürgermeister Manfred Jackermeier. Soweit er wisse, sei der Laden gut gelaufen.

In Teugn gibt es einen Getränkemarkt und zwei Bäckereien. Weitere Lebensmittelgeschäfte fehlen. Die Gemeinde hat bereits größere Lebensmittelhändler angeschrieben, Platz für einen Markt wäre im Gewerbegebiet Handwerkerhof. Außerdem wird das Konzept „Laden 24“ geprüft. „Wir wollen nichts unversucht lassen“, sagt Jackermeier und zeigt sich zuversichtlich: „Wenn jemand Lust hätte, in Teugn einen Lebensmittelladen zu eröffnen, würde das schon klappen.“

Erste Interessenten für das Café

Die Hauptfiliale und die Backstube des Bärenbäck befanden sich in Saal a.d. Donau. „Es ist keine schöne Entwicklung, wenn Geschäfte schließen“, sagt Bürgermeister Christian Nerb. Vor knapp zwei Monaten habe zudem die Metzgerei Meier aus Reißing ihre Filiale geschlossen und sei nun zweimal in der Woche mit einem Verkaufswagen vor Ort. Den Bedarf an Backwaren decken zwei Bäckereifilialen und ein Verkaufswagen am Wochenmarkt. Dennoch wünscht sich der Bürgermeister, dass der Leerstand in der Ortsmitte bald mit Leben gefüllt wird – am liebsten wieder mit einer Bäckerei.

In Langquaid sieht alles danach aus, als könnte es bald weitergehen. Für die Räume am Marktplatz, wo Neumann eine Bäckerei, Konditorei und ein kleines Café betrieb, gibt es bereits einen Interessenten. Dabei soll es sich wieder um eine Bäckerei mit Konditorei und Café handeln, verrät Bürgermeister Herbert Blascheck, der sich am Tag der Bekanntgabe der Schließung gleich um mögliche Nachfolger kümmerte. Auch mit dem Insolvenzverwalter stehe er in Kontakt. Anders als in anderen Gemeinden geht es in Langquaid nicht primär um die Grundversorgung mit Lebensmitteln – der Bärenbäck war jahrzehntelang eine Institution am Marktplatz, Langquaids Einkaufszentrum. Blascheck ist zuversichtlich, dass sich eine gute Lösung finden wird.

Immer weniger Handwerksbäckereien

• Rückgang: Die Zahl der Handwerksbäckereien sank in den vergangenen 60 Jahren von rund 55.000 Bäckereien im alten Bundesgebiet auf 8912 Betriebe mit rund 35.000 Filialen in ganz Deutschland im Jahr 2024.

• Beschäftigte: Im vergangenen Jahr waren rund 235.000 Menschen im Bäckerhandwerk beschäftigt. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Betrieb lag bei 26,4, informiert der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks