Mit dem Rad quer durch Deutschland

Von Jochen Dannenberg · 14. September 2025 um 15:00

1400 Kilometer mit dem Fahrrad in acht Tagen. Über Berge und mit Gepäck. Karl Necker hatte sich viel vorgenommen und sein Ziel erreicht. Die diesjährige Ferntour ist geschafft. Genau nach Plan. Dabei hatte der 65-Jährige vor dem Start durchaus Bedenken.

Minutiös hatte er seine Tour geplant, genau festgelegt, wie lang die einzelnen Etappen sein sollten. Auch Pausen waren eingeplant. Klar war für den gelernten Landmaschinenmechaniker aus Neustadt a.d. Donau vor allem eines – das Ziel der Tour: Neustadt-Glewe (in Mecklenburg-Vorpommern), eine Kleinstadt nahe Schwerin, in der am Wochenende das Treffen der Neustadts in Europa stattfand. Und dabei hatte der 65-Jährige noch ein Ziel: Er wollte möglichst viele Neustadts auf seiner Tour in den Norden der Republik ansteuern und sich seine Besuche in seinem „Neustadt-Pass“ abstempeln lassen. Karl Necker ist nämlich „Neustadt-Botschafter“ und sorgt mit seinen Radtouren dafür, die Neustadts in Europa etwas bekannter zu machen.

„Zehn Neustadts habe ich dieses Mal geschafft“, erzählt er am Telefon, als er sein Ziel in MeckPomm erreicht hat. Dafür ging es von Neustadt a.d. Donau über Franken nach Thüringen und ins Vogtland, durch Sachsen und Brandenburg, ehe der 65-Jährige nach acht Tagen, in denen er nur im Sattel gesessen hatte, Neustadt-Glewe erreicht hatte. Unter anderem war er auf seiner Tour in Neustadt am Rennsteig und in Nové Mesto pod Smrkem (Neustadt an der Tafelfichte) in Tschechien, wo ihn sogar der Bürgermeister begrüßte.

Spontane Hilfe

An anderen Orten genügte Necker ein Foto, das ihn mit seinem Fahrrad am Ortseingang zeigte. Oft hielt er deshalb einen Autofahrer an und bat den, ein Foto von ihm zu machen. Anders in Neustadt am Rennsteig. Weil dort gerade kein Auto kam, holte er kurzentschlossen tief Luft und rief mit kräftiger Stimme: „Ist denn da keiner, der ein Foto von mir machen kann?“ Der Ruf wurde erhört. „Sofort riss eine Frau ein Fenster auf, schaut, sieht mich und schon kommt sie angelaufen“, erzählt der leidenschaftliche Radfahrer.

Ziel erreicht: Nach 1400 Kilometern traf der 65-Jährige in Neustadt-Glewe ein. - Foto: Karl Necker

Karl Necker hat sich sein Ziel auch bei dieser Fernfahrt erreicht. Am Mittwoch traf er in Neustadt-Glewe ein, einen Tag später war er, um seinen nächsten Stempel abzuholen, beim Bürgermeister.

Fünf große Fahrten hatte der 65-Jährige in den letzten fünf Jahren gemeistert. Legendär war seine Tour von Santiago de Compostela durch die Pyrenäen nach Hause. Karl Necker fuhr dabei auch die Pässe, von denen sonst nur berichtet wird, wenn hier die internationale Radsportelite unterwegs ist. Dennoch hatte er vor der Fahrt in diesem Jahr Bedenken. Einerseits, wusste er, kamen mit dem bayerischen, thüringischen und sächsischen Hügelland etliche Steigungen auf ihn zu, die in ihrer Anzahl durchaus kräftezehrend sind. Zum anderen war er heuer mit einem eher durchschnittlichen Fahrrad unterwegs. Nachdem das Rad, mit dem er bisher unterwegs gewesen war, aufgrund eines Unfalls im vorigen Jahr ein Totalschaden war, hatte sich Necker ein eher preiswertes Tourenrad zugelegt. „Nicht einmal 800 Euro hat es gekostet“, sagt er.

„Es ist präzise wie ein Uhrwerk gelaufen“, sagt der 65-Jährige. „Ich kann mich nicht beklagen.“ Am ersten Tag seiner Tour ist er mit dem Fahrrad 200 Kilometer gefahren, am nächsten Tag 170 Kilometer und dann ging es für mehrere Tage in die Berge, ehe sich Karl Necker mit dem Wind in der norddeutschen Tiefebene auseinandersetzen musste.

In Nové Město pod Smrkem (Neustadt an der Tafelfichte) wurde Karl Necker (links) von Bürgermeister Petr Černica begrüßt. - Foto: Karl Necker

Die Bilanz des 65-Jährigen fällt positiv aus. „Es waren auf dieser Fahrt 1400 Kilometer und 8000 Höhenmeter. Ich hatte keine Pannen, musste aber dreimal die Fahrradkette nach Regenfahrten reinigen und ölen.“

Im Winter zu Fuß

Auch deshalb ist Necker überzeugt: Es geht auch mit einem preiswerten Fahrrad. Wichtig ist vor allem die Vorbereitung. Die beginnt bei ihm deutlich vor dem Start der Fahrradsaison im Frühjahr. Über den Winter ist er viel zu Fuß unterwegs, erst im Frühling steigt er wieder aufs Rad, wobei er es – sagt er jedenfalls – über den Sommer eher moderat angehen lässt. So um die 70, 80 Kilometer sind seine normalen Touren. Dennoch kommt er dann bis zum Ende eines Jahres jedes Mal auf 7000 bis 8000 Kilometer. Sogar 12.000 Kilometer hat Necker schon geschafft.

Warum tut er sich das an? Der Neustädter nennt zwei Gründe – die Zeit, die er auf dem Fahrrad für sich hat, und die Begegnungen mit den Menschen an der Strecke. Zum Beispiel, wenn er Wasser für seine Trinkflaschen brauchte und deshalb an einem Kindergarten oder an einem Gemeindehaus anhielt. „Da saßen die Frauen, spielten Romme und freuten sich als ich reinkam, weil ich Wasser brauchte.“

Von der Südspitze Italiens ging es auf einer früheren Tour mit dem Fahrrad nach Hause. Da durfte natürlich ein Stopp auf dem Petersplatz in Rom nicht fehlen. - Foto: Karl Necker