„Die Hamas-Propaganda geht auf“: Regensburgs Juden stehen unter Schock

Von Christian Eckl · 23. September 2025 um 05:00

Auch in Regensburg demonstrieren regelmäßig Palästinenser-Unterstützer. Am Wochenende fuhr ein Pro-Palästina-Aktivist durch die Straßen und verglich Zionismus mit Rassismus und Genozid. Die Regensburger jüdische Gemeinde ist besorgt - und demonstrierte ihrerseits, damit die Geiseln der Hamas nicht vergessen werden.

Die Deutschlandfahne auf den Kopf gestellt, darunter die Fahne Israels und sinngemäß dies: „Deutschland finanziert. Israel bombardiert.“ Am Freitag sind Unterstützer der Palästinenser auf dem Haidplatz zusammengekommen. Kein Wort von den 48 Geiseln, die in den Gazastreifen verschleppt wurden und dort nach wie vor in Tunneln oder Verstecken festgehalten werden.

Am 7. Oktober 2023 überfielen Terroristen der Hamas aus dem Gazastreifen aus unschuldige Menschen, töteten Babys, vergewaltigten Frauen und verschleppten Menschen. Israel antwortete mit einer Invasion in den bis dahin von Palästinensern selbstverwalteten Gazastreifen. Auch hier sterben tagtäglich Zivilisten. Seit fast zwei Jahren wütet der Krieg im Nahen Osten. Die israelischen Geiseln sind noch nicht befreit. Am Wochenende erkannten Großbritannien, Kanada und Australien einen Palästinenserstaat an. So ist die Lage dort.

Am Freitagabend demonstrierten Unterstützer der Pro-Palästina-Bewegung auf dem Haidplatz. - Foto: Eckl

Aktivisten der Pro-Palästina-Bewegung sorgten am Wochenende in der Regensburger Altstadt auf subtile Weise – die Gleichsetzung Israels etwa mit dem Apartheidsregime des früheren Südafrika – dafür, dass für ihre Sache Werbung gemacht wurde. Ein Aktivist fuhr mit dem Fahrrad durch die Stadt und durch das Weinfest in Stadtamhof und rief dabei „Stop the Genozide“. Dabei setzte er Zionismus, also die jüdische Pro-Israel-Bewegung, mit Rassismus und Genozid gleich.

Am Sonntagabend demonstrierten dann Vertreter der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Jüdischen Gemeinde. „Die 48 Geiseln dürfen wir nicht vergessen“, sagt Ilse Danziger zur Mediengruppe Bayern. „Die Hamas muss endlich die Geiseln freilassen, das würde den Krieg auch beenden.“ Danziger ist besorgt über die Entwicklung in den vergangenen zwei Kriegsjahren. „Uns sind junge Deutsche entgegengetreten und haben uns Free Gaza entgegengerufen.“ Zwei junge Männer hätten ihr den IS-Finger gezeigt, ausgerechnet am historisch besonders belasteten Neupfarrplatz.

Die Deutschlandfahne verkehrt herum, dafür aber mit Vorwürfen der Genozid-Beteiligung: Schilder auf der Demo pro Palästina. - Foto: Eckl

„Propaganda geht auf“

„Da sind westliche Leute, bei denen die Propaganda der Hamas aufgeht.“ Danziger ist besorgt, denn sie hat das Gefühl, dass die Anti-Israel-Stimmung in der deutschen Bevölkerung auch der jüdischen Gemeinde entgegenschlägt. „Ich habe mir die Pro-Palästina-Demonstrationen auch angesehen. Da hat ein Sprecher behauptet, Israel würde nun den angeblich friedlichen Jemen angreifen, dabei wolle das Land nur in Frieden leben. Niemand sagte dort, dass auch aus dem Jemen Raketen auf Israel abgeschossen werden“, so die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Ein Aktivist der Pro-Palästina-Bewegung fuhr am Wochenende mit dem Fahrrad durch die Altstadt, auf seinem Rücken ein Schild, das Zionismus mit Genozid gleichsetzt. Ein Passant kam ihm mit Victory-Zeichen entgegen. - Foto: Eckl

Besonders betroffen ist sie auch, dass viele Menschen hierzulande das Massaker der Hamas-Terroristen gegen Israel schon verdrängt zu haben scheinen. „Als die Hamas die Geiseln verschleppte, hat die Zivilbevölkerung auf diese Israelis eingeschlagen und sie beschimpft – das hat mich an den Schandmarsch von Regensburg 1938 erinnert“, sagt Danziger.

Dennis Forster von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) betont, dass es bei der Demonstration am Sonntagabend „konkret um die 48 verbliebenen Geiseln in den Händen palästinensischer Terroristen, einige davon auch mit deutschem Pass“ gegangen sei. „Wir wollen verhindern, dass diese in Vergessenheit geraten und fordern, dass sich auch die deutsche Politik unermüdlich für deren bedingungslose Freilassung einsetzt. Kundgebungen für Israel und die Geiseln bedeuten niemals, dass wir das Leid anderer schmälern oder ignorieren.“ Derzeit würden in den Nachrichten „die Hamas und Vernichtungswünsche gegen Israel“ zu wenig kritisch beleuchtet, meint Forster.

„Sind nur privat auf Demo“

„Unsere Kundgebung war also auch ein Zeichen gegen hemmungslosen Israelhass, der sich leider auch in Regensburg Bahn bricht.“ Die extrem rechte Regierung hinter Ministerpräsident Netanjahu dürfe man natürlich „aufs Schärfste verurteilen“, aber Forster sagt auch: „Wer sich aber hinstellt und Israel Genozid vorwirft, aber nicht der Hamas oder anderen Schurken in anderen Konflikten auf dieser Welt, hat die Ebene der Kritik verlassen und arbeitet mit purem Ressentiment.“

Der Vorsitzende des Islamischen Zentrums wies auf Anfrage dieser Zeitung weit von sich, für die Pro-Palästina-Demos verantwortlich zu zeichnen. „Da gehen unsere Leute hin“, räumte er ein, „aber nur privat.“