„Quelle 5“ in Rötz: „Schnupftabak-Moment“ hat Wende herbeigeführt – Jetzt gibt’s bestes Trinkwasser

Von Mittelbayerische Zeitung · 23. September 2025 um 11:00

Normalerweise lehnt Bürgermeister Dr. Stefan Spindler „Drogen“ kategorisch ab. Nur einmal drückte er ein Auge zu. Denn am 6. Februar im Jahr 2023 hat eine Prise Schnupftabak die Wende in der Geschichte der Erschließung der Quelle 5 gebracht ... Der Schmalzler schaffte, was bis dahin fast niemand mehr glaubte: Man erreichte eine Einigung über das weitere Vorgehen mit dem zuständigen Wasserwirtschafts- und Landratsamt.

Bis heute wisse er nicht, was in dem Schnupftabak war, den sein Stellvertreter Johann Stibich und der damalige WWA-Leiter Josef Feuchtgruber konsumiert hatten, sagte Spindler. Auf alle Fälle habe es gewirkt.

Denn am Sonntag konnte „Quelle 5 am Frauenstein“ eingeweiht und gesegnet werden. Und obwohl sie bereits im August ans Netz gegangen war: Die Erleichterung war allen Beteiligten noch deutlich anzumerken.

Hürden und Widerstände

Kein Wunder. Immerhin galt es, unzählige Widerstände und Hürden zu überwinden. Dass die Quelle überhaupt erschlossen, geschweige denn zu Ende geführt werden konnte, sei keine Selbstverständlichkeit, sagte Spindler. Doch dank vieler habe man es geschafft: Begonnen beim Weitblick und dem Verhandlungsgeschick der ehemaligen Vorstandschaft der Heinrichskirchner Gruppe, die das Grundstück im Jahr 2005 erworben hatte, über den Entschluss, die Erschließung in Angriff zu nehmen, bis hin zum langen Atem des Wasserbeauftragten Georg Reitinger, der sich die Trinkwasserversorgung nach seiner Wahl zum Stadtrat 2020 zum Herzensthema gemacht hatte.

Architekt Albert Krämer führt die Ehrengäste über das Quellgebiet. - Foto: Christa Bucher
Stadtpfarrer Alexander Dyadychenko erteilt der neuen Quelle den Segen Gottes. - Foto: Christa Bucher

Denn, dass Handlungsbedarf bestand, zeigte sich im selben Jahr, als es im Rötzer Oberland zu einem Wasserengpass kam. Seitdem hätten Reitinger, die Vorstandschaft der Heinrichskirchner Gruppe und er nicht mehr locker gelassen und das Vorhaben konsequent vorangetrieben. Und das, obwohl es fast schon regelmäßig herbe Rückschläge gab. So seien die Ergebnisse der Wünschelrutengänger nicht anerkannt worden. Dabei kamen sie zum selben Schluss wie Hydrologe und Baggerschurfe: Es ist genügend Wasser vorhanden.

Trotz allem: In der Folge habe es aber wieder unbefriedigende Diskussionen mit dem Landratsamt sowie dem Wasserwirtschaftsamt gegeben, die noch keinen Beweis erbracht sahen, dass aus dem Grundstück genügend Wasser zur Bedarfsdeckung für die nächsten 20 Jahre gezogen werden könne. Erst der „Schnupftabak-Moment“ habe schließlich etwas geändert. Seitdem sei die Zusammenarbeit mit Wasserwirtschafts- und Landratsamt reibungslos verlaufen: Am 19. Oktober 2023 ging der Zuwendungsbescheid des WWA über 148 250 Euro ein. Am 30. Januar 2024 wurde schließlich vom Landratsamt Cham die Erlaubnis zur Quellerschließung und Grundwasserentnahme erteilt.

Nachdem man mit Albert Krämer bereits den Wunscharchitekten im Boot hatte, folgte mit der Firma Johann Wutz der Wunschpartner für den Bau, dessen Spatenstich am 19. Juni vergangenen Jahres erfolgte. Doch die nächste Hürde wartete schon: Der Sommer 2024 war so verregnet – Gift für jede Baustelle. Zumal in eine Tiefe von bis zu acht Metern gegraben werden musste. Doch auch diese Herausforderung wurde gemeistert.

Und als es fast alles geschafft war, gab‘s noch mal Ärger: Der Bodenaushub musste zwischengelagert werden: Ein Teil am Sportgelände in Heinrichskirchen, der Rest auf einem weiteren Grundstück. Doch das Material landete auf dem falschen, für das keine Genehmigung vorlag. „Das sorgte in der Folge für viel Ärger und Aufwand, da zusätzlich auch noch Bäume beschädigt wurden“, so Spindler. Dieser Fehler habe die Wasserwirtschaftsämter, Landratsämter und Landräte der Kreise Cham und Schwandorf beschäftigt – „und mich sehr viele Nerven gekostet“.

Großer Ärger sei auch daraus entstanden, dass beim Abtransport des Aushubmaterials mit schweren Lkw der Waldweg arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Obwohl wir zum Abschluss der Quellerschließung eine Ertüchtigung zugesagt hatten, hat die Gemeinde Winklarn darauf gepocht, dass wir den Weg noch im Herbst 2024 wieder instand setzen. Auch hier hätten wir uns mehr Kulanz erwartet“, sagte Bürgermeister Spindler. Zumal die Gemeinde Winklarn auch von der Quellerschließung profitiere: Über eine Notverbundleitung könne im Bedarfsfalle ihr Ortsteil Muschenried mit Trinkwasser mitversorgt werden.

Jetzt aber sei aller Ärger und Aufwand vergessen: Vielmehr überwiege die Freude. Die Quelle liefert aktuell über zwei Liter bestes Trinkwasser pro Sekunde. „Möge diese in der Schüttung stabil bleiben und ihren Beitrag zur gesicherten Trinkwasserversorgung unserer Bürger leisten“, so Spindler.

Wünschelrutengänger statt Zahlen, Daten und Fakten, Quellfassung statt Tiefbohrungen: Quelle 5 – sie hat in gewisser Weise auch beim Wasserwirtschaftsamt Regensburg für ein Umdenken gesorgt. Das sagte Behördenleiter Stefan Neudert in seinem Grußwort.

Die Wasserversorgung sei ohnehin ein Thema, auf dem man sich nie ausruhen könne. Dies gelte noch mehr in Zeiten des Klimawandels. Wasser sei ein Schatz, ein hohes Gut, „um dessen Bedeutung sie wissen“.

173 Kubikmeter am Tag

Architekt Albert Krämer machte keinen Hehl daraus, dass man von der guten Schüttung durchaus überrascht gewesen sei. Zwei Liter pro Sekunde, 7,2 Kubikmeter pro Stunde, 173 Kubikmeter am Tag: „Eine gute, eine sehr gute Quelle. Das hätten wir nicht zu hoffen gewagt.“ Mit Quelle 5 könne man die Versorgungssicherheit im Bereich der Trinkwasseranlage Heinrichskirchen in den kommenden 20 Jahren und weit darüber hinaus decken, und zwar mit Wasser bester Qualität.

Angesichts dieser Bedeutung sei das Bauwerk fast schon unscheinbar, so Thomas Wutz von der bauausrührenden Firma Wutz Hoch- und Tiefbau. Und doch sei es von unschätzbarem Wert. Dass heute die offizielle Einweihung stattfinden könne, sei nicht selbstverständlich. Vielmehr sei es das Ergebnis von Weitsicht, Planung, Einsatz und Mut, diesen Weg zu gehen, vorzusorgen und zu investieren, sagte Thomas Wutz. Damit hätten die Stadt und die Heinrichskirchner Gruppe die Grundlage für eine zukunftsfähige Wasserversorgung geschaffen.

Ein Schatz fürs Leben

Der Rötzer Stadtpfarrer Alexander Dyadychenko oblag es, die Quelle zu segnen. Wasser, sagte er, sei der größte Schatz „für unser Leben“.

„Ohne Wasser können wir nicht überleben. Wir brauchen es nicht nur zum Überleben, sondern Wasser bedeutet Lebensqualität.“

Am Nachmittag hatte dann die Bevölkerung Gelegenheit, die Quelle 5 in Augenschein zu nehmen und sich im Pfarrheim über deren Geschichte zu informieren.