„Wurden überrannt“: Hunderte Menschen besichtigen Miltacher Katzenauffangstation

Bereits von Weitem war am Sonntag vor einer Woche die lange Menschenschlange vor dem Katzenhaus in Miltach zu erkennen: Familien mit Kindern, Paare und einzelne Besucher warteten geduldig, bis sie endlich einen Blick hinter die Türen der größten Katzenauffangstation im Landkreis Cham werfen konnten. Rund 750 Interessierte kamen an diesem Tag, um zu sehen, wo herrenlose Katzen ein vorübergehendes Zuhause finden.
Im Inneren ging es lebhaft zu. In 38 Führungen erklärten die Ehrenamtlichen, wie Katzen aufgenommen, medizinisch versorgt und vermittelt werden. Kinder drückten neugierig die Nasen an die Gitter, während die Katzen gemächlich vorbeistapften oder spielerisch einem Stoffball nachjagten.
An den Infoständen erzählten Helfer von den Kastrationsaktionen, der Unterbringung in den zehn Räumen und den Herausforderungen, die ein solches Haus Tag für Tag bewältigen muss. „Wir wurden regelrecht überrannt“, sagt Vorsitzender Karl Wartha, der das Anwesen vor Jahren privat gekauft, aufwendig saniert und schließlich dem Verein geschenkt hat.
Mehr als nur ein Schutzraum
Das Katzenhaus ist längst mehr als eine Auffangstation. Rund 60 Tiere leben aktuell dort, meist sechs bis acht Wochen, bis sie in ein neues Zuhause vermittelt werden können. Manche bleiben länger – nicht jede Katze lässt sich sofort als Hauskatze eingliedern. Um Engpässe in Hochzeiten der Population zu vermeiden, hat der Verein in diesem Jahr ein drittes Außengehege errichtet – zur Hälfte über Fördermittel des Freistaats Bayern finanziert, zur anderen Hälfte durch tatkräftige Hilfe der Mitglieder.

Umso größer ist die Freude, wenn einige der flauschigen Schützlinge ein dauerhaftes Zuhause finden. Beim Tag der offenen Tür nutzten Besucher die Gelegenheit, sich über die Katzen zu informieren und einzelne Tiere bei Interesse vorzumerken.
Nicht jeder Katzenhalter kommt seiner Verantwortung nach, daher sind die Ehrenamtlichen auch außerhalb des Hauses unterwegs: auf Bauernhöfen, bei Aufklärungstouren und Kastrationsaktionen. Am Sonntag jedoch stand der Tag der offenen Tür im Mittelpunkt.







Im zweiten und dritten Außengehege präsentierte das Kastrationsteam seine Arbeit – allein in diesem Jahr wurden bereits über 480 Katzen kastriert.
Das große Interesse zeigt, dass unsere Arbeit anerkannt und geschätzt wird.
Karl Wartha, Vorsitzender des Tierfreundekreises Bad Kötzting
Am Stand der Rehkitzrettung informierten die Helfer über die Drohneneinsätze, mit denen in den vergangenen Jahren mehr als 140 Kitze vor dem Mähtod gerettet wurden. Künstler Wolfgang Mock zog mit spontanen Zeichnungen die Blicke vieler Besucher auf sich. Überall im Haus gaben Vereinsmitglieder einen Einblick in die 365 Tage ehrenamtlicher Arbeit im Jahr.
Handfeste Ergebnisse am Ende des Tages
Und natürlich kam das Kulinarische nicht zu kurz: Vom Grill über vegetarische Gerichte bis zu 38 selbst gebackenen Kuchen war für jeden Geschmack etwas dabei.
Am Flohmarkt- und Tombolastand herrschte reges Treiben, die Spendenbereitschaft der Gäste war großzügig. Letztlich brachte der Tag nicht nur viele Besucher, sondern auch handfeste Ergebnisse: 29 neue Mitglieder traten dem Verein bei. Daneben meldeten sich einige Interessenten für eine ehrenamtliche Mitarbeit. „Das große Interesse zeigt, dass unsere Arbeit anerkannt und geschätzt wird“, zieht Wartha ein mehr als zufriedenes Fazit.

Dass das Katzenhaus überhaupt funktioniert, ist eng mit seinem persönlichen Einsatz verbunden. 2015 schenkte Wartha dem Verein die Immobilie. Heute ist sie das Herzstück der Tierschutzarbeit im Landkreis Cham. Für Wartha und sein Team bleibt so am Ende eines langen Tages ein Gefühl, das sich nicht messen lässt: Dankbarkeit – von den Tieren, die hier ein Zuhause finden, und von den Menschen, die ihre Arbeit unterstützen.