Tierfreundekreis öffnet Türen des Miltacher Katzenhauses und zeigt Alltag der Helfer

Ein leises Maunzen klingt durch den Flur, während eine schwarz-weiße Katze vorsichtig die Pfote durch das Gitter streckt. Gleich daneben balgen sich zwei junge Kätzchen spielerisch um einen Stoffball, während im Hintergrund Näpfe klappern. Alltag im Katzenhaus in Miltach im Landkreis Cham – und doch alles andere als selbstverständlich.
Denn hier, in einer der größten Katzenauffangstationen der Region, kümmern sich Ehrenamtliche des Tierfreundekreises Bad Kötzting Tag für Tag darum, herrenlose Tiere aufzunehmen, zu pflegen und zu vermitteln. Am Sonntag dürfen Besucher selbst einen Blick hinter die Türen werfen.
Der „Tag der offenen Katzentür“ soll nicht nur neugierig machen, sondern auch zeigen, wie groß die Herausforderungen inzwischen geworden sind.
Rund 60 Katzen leben derzeit in der Auffangstation des Tierfreundekreises Bad Kötzting. „Das ist normal für diese Zeit“, sagt Vorsitzender Karl Wartha. Die Tiere werden aufgenommen, versorgt, vermittelt – und das möglichst rasch, damit Platz für neue Notfälle bleibt. Im Schnitt verweilen die Katzen sechs bis acht Wochen in den zehn Räumen des Hauses, manche länger. Um Engpässe in den Hochzeiten der Population zu vermeiden, hat der Verein heuer ein drittes Außengehege auf dem direkt angrenzenden Grundstück gebaut.
Schutzraum für 60 herrenlose Katzen
Mitglieder packten dabei selbst mit an. Fördergelder des Freistaats halfen, den Ausbau zu finanzieren. Bezuschusst wurde das neue Gehege zu 50 Prozent von der Förderstelle für Tierheime Bayern, das seinen Sitz an der Regierung von Oberfranken hat. Wartha blickt nicht nur auf viele Wochen handwerkliche Tätigkeit, sondern auch jede Menge administrative Arbeit zurück. „Viele Nächte bin ich dafür bis Mitternacht im Büro gesessen, um den Papierkram zu erledigen. Aber was tut man nicht alles, um den Verein nach vorne zu bringen“, erzählt er.
Viele Nächte bin ich dafür bis Mitternacht im Büro gesessen, um den Papierkram zu erledigen. Aber was tut man nicht alles, um den Verein nach vorne zu bringen.
Karl Wartha, Vorsitzender des Tierfreundekreises Bad Kötzting
Und doch liegt die größte Baustelle weiterhin nicht auf dem Vereinsgelände, sondern draußen in der freien Wildbahn: von Lam bis Cham. Allein in diesem Jahr hat der Tierfreundekreis bereits über 400 herrenlose Katzen kastrieren lassen. Bis Jahresende werden es wohl mehr als 500 sein. „Wenn die Kätzinnen kastriert sind, unterbrechen wir die ungebremste Vermehrung. Und auch die Kater verletzen sich weniger, weil der Revierkampf nachlässt“, erklärt Wartha.
Flächendeckende Kastrationspflicht gefordert
Das endlose Problem: Nicht jeder Katzenhalter kommt seiner Verantwortung nach. Die Folge sind unzählige Jungtiere, die niemandem gehören – und für die sich auch niemand zuständig fühlt. Wartha ist überzeugt: „Eine flächendeckende Kastrationspflicht wäre die einzige wirksame Lösung.“ Bis dahin gehen die Ehrenamtlichen des Vereins auf Aufklärungstour durch den Landkreis. Viele ihrer Anlaufstellen sind Bauernhöfe. Gerade dort tummelten sich reihenweise unkastrierte Katzen in Herden.

Die Reaktion auf die Aufklärungsversuche der freiwilligen Helfer sind gemischt. „Manche sind sehr dankbar, wenn wir kommen.“ Andere wiederum zeigten weniger Verständnis. Als hilfsbereit erweisen sich laut Wartha dabei die zuständigen Ämter, etwa das Veterinäramt. „Wenn da zum Beispiel 25 unkastrierte Katzen herumlaufen und der Bauer nichts macht, dann holen wir uns Hilfe.“ Wartha betont dabei, dass es dem Verein keinesfalls darum geht, jemanden anzuschwärzen. Im Mittelpunkt stehe immer das Tierwohl.
Über 6000 Arbeitsstunden
Die Zahlen sprechen für sich. 78 000 Euro Tierarztkosten hat der Verein im vergangenen Jahr getragen. Insgesamt reichen 100 000 Euro pro Jahr längst nicht mehr aus, um etwa Futter, Streu, Strom und Fahrzeuge zu finanzieren.
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Dass die Auffangstation trotzdem funktioniert, liegt an einem außergewöhnlichen Engagement: Zwei Angestellte arbeiten im Katzenhaus, alles andere stemmen Ehrenamtliche. Rund 30 Frauen und drei Männer teilen sich die Dienste – an 365 Tagen im Jahr. Über 6000 Stunden sind so heuer bereits zusammengekommen.
Mehr als 1250 Mitglieder im Verein
Unterstützt wird der Verein nicht nur von seinen mehr als 1250 Mitgliedern. Eine großzügige Spende des Landrats im Frühjahr habe außerdem allen Tierheimen im Landkreis geholfen. „Unsere ehrenamtlichen Damen leisten darüber hinaus hervorragende Vermittlungsarbeit, ohne sie könnten wir den Andrang gar nicht bewältigen“, fügt der Vorsitzende hinzu.
Viele dieser herrenlosen Katzen lassen sich nur schwer als Hauskatze vermitteln.
Karl Wartha, Vorsitzender des Tierfreundekreises Bad Kötzting
Damit das Katzenhaus nicht aus allen Nähten platzt, sucht der Verein immer wieder nach neuen Familien für seine Schützlinge. Dafür ist jedoch nicht jedes der Tiere geeignet, erklärt Wartha. „Viele dieser herrenlosen Katzen lassen sich nur schwer als Hauskatze vermitteln.“
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Neben dem Katzenhaus betreibt der Tierfreundekreis noch ein zweites Großprojekt: die Rehkitzrettung. Von Mai bis Mitte Juli rettete ein Team des Vereins mit Wärmebilddrohnen 142 Kitze vor dem Mähtod. Erst vor kurzem wurde dafür eine weitere Drohne mit umfangreichem Zubehör angeschafft. Wartha ist sich sicher: „Kitze haben in den ersten sechs Wochen kein Fluchtsyndrom und geben keine Witterung ab. Wir retten viele vor dem sicheren Mähtod.“
Dass das alles überhaupt möglich ist, hängt eng mit Warthas persönlichem Einsatz zusammen. 2015 hat er die Immobilie des Katzenhauses dem Verein geschenkt – heute ist sie das Herzstück der Tierschutzarbeit im Landkreis Cham und zumindest ein vorübergehendes, aber sicheres Zuhause für flauschige Vierbeiner, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat.
„Tag der offenen Katzentür“ am 14. September
Am Sonntag, 14. September, können Besucher die Arbeit des Vereins aus nächster Nähe kennenlernen. Zwischen 10 und 17 Uhr gibt es Führungen durch das Haus und die neuen Gehege sowie Informationen zur Rehkitzrettung. Für Bewirtung und Unterhaltung ist gesorgt: Ein Flohmarkt, eine Tombola sowie Karikaturen und Kinderbilder von Künstler Wolfgang Mock – er hat auch die Katzenmotive am Haus gestaltet – runden den Tag ab.

Das Katzenhaus des Tierfreundekreises Bad Kötzting befindet sich in der Ringstraße 19 in Miltach. Den ganzen Komplex haben Karl Wartha und seine Frau 2012 gekauft und 2013 aufwendig saniert. Seitdem wurde das Gelände stetig erneuert und erweitert. Während des Tages der offenen Katzentür bestehen in der Ringstraße keine Parkmöglichkeiten. Besucher werden darum gebeten, Parkplätze in der näheren Umgebung aufzusuchen.