75 Jahre St. Josef in Regensburg: Zum Jubiläum blickt das Caritas-Krankenhaus in die Zukunft

Von Marion Neumann · 22. September 2025 um 05:00

Begonnen hat die Klinikgeschichte des Caritas-Krankenhauses St. Josef in Regensburg in der Nachkriegszeit, als erste Patienten von Ordensschwestern gepflegt wurden. Bis zum 75-jährigen Bestehen des Hauses hat sich viel getan – und die nächste große Herausforderung steht schon bevor.

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Rund 1500 Mitarbeiter aus über 50 Nationen, mehr als 80 000 stationäre und ambulante Patienten im Jahr, 30 Kliniken und zertifizierte Zentren – und, auch das ist ein interessanter Fakt, jährlich 299 000 Tassen Kaffee, die in der Tag- und Nachschicht getrunken werden: Das sind nur einige der Zahlen, die das Caritas-Krankenhaus St. Josef anlässlich seines 75-jährigen Bestehens herausgibt.

Doch um Statistik allein geht es beim Jubiläum nicht. „Anfang des Jahres haben wir die Menschen, die hier arbeiten, gefragt, was sie mit St. Josef verbinden“, sagt Prof. Dr. Sylvia Pemmerl, Medizinisch-Ärztliche Direktorin und Geschäftsleitung. „Wir feiern eigentlich ja nicht die Hülle des Hauses – sondern die Menschen, die St. Josef zu dem gemacht haben, was es heute ist.“ Menschlichkeit, Kompetenz, Gemeinschaft und Zukunft – das seien Begriffe, die das Krankenhaus täglich begleiten würden.

Erste Patienten in der Nachkriegszeit

Begonnen hat die Geschichte in der Nachkriegszeit im Jahr 1950, als die Caritas das Krankenhaus für „Displaced Persons“ – Menschen, die durch Krieg, Gewalt oder Verfolgung gezwungen worden waren, ihre Heimat zu verlassen – übernahm. In dieser Anfangszeit seien erkrankte oder verletzte Patienten in großen Sälen untergebracht gewesen. „Einen OP-Saal oder eine richtige Infrastruktur hat es damals noch nicht gegeben“, sagt Pemmerl.

Blick in die Vergangenheit: Diese Aufnahme zeigt erste Patienten des Krankenhauses mit Schwestern - Foto: Archiv Diözesan-Caritasverband Regensburg

Aus dem Archiv gehe hervor, dass 1950 ein Chefarzt, vier weitere Ärzte sowie neun Ordensschwestern der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz tätig waren – unterstützt von „30 weltlichen Kräften“, wie es in den Aufzeichnungen heißt. Wenige Jahre nach der Übernahme erfolgte dann die Einrichtung erster Fachabteilungen sowie die Gründung einer Krankenpflegeschule. Später dann die Einrichtung einer Röntgenabteilung, die Eröffnung einer Unfallambulanz und eines Dialysezentrums.

Anfang der 1960er-Jahre ist am Caritas-Krankenhaus St. Josef eine Röntgenabteilung eingerichtet worden. - Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation

Enger Draht zum Universitätsklinikum Regensburg

„Ein wichtiger Schritt war später die Generalsanierung, die Mitte der 90er-Jahre abgeschlossen war“, erklärt Pemmerl zur Geschichte des Hauses. Ein weiterer großer Meilenstein folgte Anfang der 2000er-Jahre durch den Zusammenschluss mit der Universität Regensburg. Die Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie die Klinik für Urologie wurden damit universitär.

Grundsätzlich bestehe ein enger Draht zum Universitätsklinikum Regensburg. „Man könnte uns als den kleinen Bruder des Universitätsklinikums bezeichnen“, sagt Pemmerl. „Gemeinsam bilden wir zum Beispiel ein großes Tumorzentrum.“ Zusammen mit drei anderen Universitätskliniken in Bayern – Erlangen, Würzburg und Augsburg – erfolgte 2023 die Ernennung zum Nationalen Tumorzentrum. Dies sei „die höchste Zertifizierung, die es für diesen Bereich gibt“, erklärt die Geschäftsleitung. „Das ist auch für uns noch einmal besonders, dass wir als nicht-universitärer Krankenhausträger trotzdem in dieser Spitzenklasse mitarbeiten können.“

Generalsanierung: Neues „Mammutprojekt“ steht an

Um in der „Spitzenklasse“ mithalten zu können, sei es aber an der Zeit für das nächste „Mammutprojekt“: Erneut steht in der Klinikgeschichte eine Generalsanierung an. „Wir befinden uns im Herzen von Regensburg und haben keine riesige Kompensationsfläche, wo man ein neues Krankenhaus hinbauen kann. Deshalb muss das bestehende Haus Baukörper für Baukörper saniert werden.“ Geplant seien vier Bauabschnitte – für den ersten davon, bei dem unter anderem das Gebäude der Zentralen Notaufnahme aufgestockt wird, soll der Spatenstich 2026 erfolgen. Die Kosten für das Gesamtprojekt liegen „im dreistelligen Millionenbereich“, so Pemmerl.

Im Fokus stehen würden dabei auch Aspekte wie Nachhaltigkeit. „Wenn ein Patient eine Kernspintomographie benötigt, kostet das viel Energie“, sagt Pemmerl. „Das lässt sich nicht ändern – aber wir können beeinflussen, welche Energiequellen dafür verwendet werden. Die Generalsanierung ist dafür eine großartige Chance, auch wenn wir heute schon zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen haben.“

Gesundheitswesen funktioniert nur mit Menschen

In Sachen Digitalisierung möchte sich das Caritas-Krankenhaus ebenfalls gut für die Zukunft aufstellen. „Künstliche Intelligenz wird sicher eine Rolle spielen – auch in einem Hochrisikobereich wie der Medizin. Allerdings in der Form, dass sie Menschen entlastet und unterstützt. Ohne Menschen wird das Gesundheitswesen nicht funktionieren.“

Dringend eine „Zeitenwende“ brauche es dagegen bei der Bürokratie im Gesundheitswesen. „Es kann nicht sein, dass Pflegekräfte ihren halben Arbeitstag mit Dokumentation verbringen, statt sich um den Patienten kümmern zu können.“ Denn damit das Caritas-Krankenhaus irgendwann auch „das 200-Jährige“ feiern könne, müsse „das Menschliche“ weiterhin im Vordergrund stehen, so Pemmerl.

Info: Programm zum Jubiläum

• Festgottesdienst: Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Caritas-Krankenhauses St. Josef findet am Sonntag, 5. Oktober, ein Festgottesdienst im Dom statt. Das Pontifikalamt wird von Bischof Rudolf Voderholzer geleitet.

• Tag der offenen Tür: Am darauffolgenden Sonntag, 12. Oktober, gibt es einen Tag der offenen Tür in St. Josef. Von 13 bis 17 Uhr erhalten Besucher Einblicke in den Klinikalltag und können beispielsweise einen Da-Vinci-OP-Roboter selbst steuern oder in Rettungswagen und Notarztfahrzeug einsteigen. Auch für Kinder gibt es ein buntes Programm. Weitere Infos unter csj.de/wirfeiern75.