Zweiter Windkraft-Entscheid im Planungsverband - Diese Aspekte treiben Kelheimer Akteure um

Mit Spannung blicken mindestens vier Gemeinden im Landkreis Kelheim und lokale Windkraft-Kritiker auf die Sitzung am Donnerstag in Neumarkt.
Am Donnerstag, 18. September, tagt ab 16 Uhr der Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands Regensburg (Region 11), zu dem auch der größte Teil des Landkreises Kelheim gehört. Die spannende Frage – welche Gebiete in der Region werden nach Sichtung der Einwände und Stellungnahmen als Vorrangflächen für Windräder festgeschrieben? Einige lokale Vertreter wollen die Sitzung in Neumarkt i.d. Opf. live verfolgen.
Bekanntermaßen können auf dem Großteil des Kelheimer Landkreis-Gebiets keine Windräder gebaut werden, weil militärische Sperrzonen Priorität haben. Nur an den nördlichen Rändern – in Kapfelberg bei Kelheim, nahe Painten und Riedenburg finden sich Flächen im Regionalplan. Die Ergebnisse der Sitzung vom Frühjahr – als im ergänzenden Beteiligungsverfahren Flächenänderungen bekannt geworden waren, machten einige Akteure im Landkreis (aus sehr unterschiedlichen Gründen) wütend.
Riedenburg sieht Hauptlast für den Kreis Kelheim auf sich zukommen
Bad Abbachs Bürgermeister etwa hätte gerne Windräder realisiert, allerdings waren in der neuen Karte – wegen militärischer Flugkorridore – alle Vorrangflächen gestrichen. Andere Gemeinden dagegen sahen plötzlich deutlich größere Zonen vermerkt.
Die „Hauptlast“ für den ganzen Landkreis Kelheim bei der Windkraft sieht Riedenburg auf sich zukommen, so Bürgermeister Thomas Zehetbauer und hat dafür „wenig Verständnis“. Hinzu komme, dass sich auch im Nachbar-Landkreis Regensburg auf Hemauer Gebiet „erhebliche Flächen konzentrieren“. Die seien von Riedenburger Ortsteilen „einsehbar“, insofern sei man auch davon betroffen.
Nachbar Painten beschäftigt die Windkraft seit vielen Jahren. Im Frühjahr musste Bürgermeister Michael Raßhofer schlucken. Statt der gemeldeten 1,8 Prozent des Gemeindegebiets setzte der Regionale Planungsverband neun Prozent in seine Karte. Der Grund: Es gibt viel Staatsforst um Painten. Die Bayerischen Staatsforsten planen bereits konkret sechs Windräder – und wollen eventuell weitere dazubauen. Im Juni zeigte sich Paintens Gemeinderat mit sechs Anlagen einverstanden. Von der Wohnbebauung sollen diese zwei Kilometer entfernt sein.
Bislang am wahrnehmbarsten wird im Nordosten Kelheims um Vorrangflächen und drei konkret geplante Windräder gerungen. Denn im Grenzgebiet zu Sinzing (Kreis Regensburg) könnten die Windräder sehr nah an Einzelgehöfte heranreichen. In einem beschlossenen Regionalplan bis auf 900 Meter an Dörfer und bis auf 550 Meter an einzelne Höfe. Wenngleich Kelheims Bürgermeister Christian Schweiger und Vertreter der Firma Bögl in Aussicht stellten, dass man „freiwillig nach Möglichkeit“ auf 1000 Meter Abstand achten wolle.
Bad Abbachs Bürgermeister ist verhindert
Die Kelheimer Initiative „Heimat retten“ fordert die komplette Rücknahme der Planungen. Entsprechend viele Stellungnahmen gingen laut Sprecher Florian Karl beim Planungsverband ein. Die Sitzung in Neumarkt wolle er live verfolgen, so Karl. Für Kelheim hat der Regionalplan eine weitere Fläche „auf der Karte“. Doch ein Windradbau rückte vor Monaten in weite Ferne. Die Eigentümer stellten den Grund nicht zur Verfügung, informierte der Bürgermeister.
Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald und Mitglied des Planungsausschusses für den Landkreis ist am Donnerstag verhindert. Er geht aber davon aus, dass das, was sich für die Region „aktuell auf dem Papier befindet, beschlossen wird“. Grünewald hatte im Frühjahr nach dem Aus für mögliche Abbbacher Windkraft-Flächen schon einmal über juristische Schritte nachgedacht. Nach der Entscheidung vom Donnerstag werde man sehen müssen, „ob das Sinn macht“.