Kinder fangen invasive Signalkrebse im Feckinger Bach bei Hausen – Eine Gefahr für heimische Arten?

Im Landkreis Kelheim breitet sich der aus Nordamerika eingeschleppte Signalkrebs aus. Jüngst wurden die Tiere im Feckinger Bach bei Hausen gefangen. Fachleute warnen: Die invasive Art bedroht heimische Flusskrebse und andere Gewässerbewohner – und gilt als kaum mehr einzudämmen.
Im Landkreis Kelheim breitet sich der Amerikanische Signalkrebs aus – eine invasive Art, die heimische Flusskrebse und andere Gewässerbewohner bedroht. Fachleute schlagen Alarm: Das robuste Tier trägt Krankheiten in sich, die für einheimische Arten tödlich enden können. Dazu gilt der amerikanische Eindringling als kaum mehr aufzuhalten.
Zuerst fällt nur das Schimmern auf. Wer den Krebs dann genauer anschaut, erkennt an den Scheren des Tieres kleine weißlich-türkise Flecken, die im Licht fast leuchten. Für Fachleute ist das ein untrügliches Signal: Hier handelt es sich um den Amerikanischen Signalkrebs – eine invasive Art, die nun auch im Landkreis Kelheim Fuß gefasst hat.

„Nicht mehr entfernbar“
Im Feckinger Bach bei Hausen wurden die handgroßen Krebse kürzlich im Rahmen einer Ferienaktion mit zahlreichen Helfern abgefischt. Was für die Kinder ein spannendes Abenteuer war, ist für Biologen ein ernstes Warnsignal. Denn wo der Signalkrebs auftaucht, geraten heimische Arten wie Edel- oder Steinkrebs in Gefahr. Er trägt eine Krankheit mit sich, die für ihn selbst harmlos ist, für die einheimischen Tiere jedoch tödlich endet.
Der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) stammt ursprünglich aus Nordamerika. Dort wird er durch natürliche Feinde im ökologischen Gleichgewicht gehalten. In Europa jedoch fehlt dieser Gegenpart. Seit er in den 1960er Jahren bewusst nach Europa eingeführt wurde, verbreitete er sich ungebremst. Seine Anpassungsfähigkeit ist beeindruckend: Er verträgt verschiedene Gewässertypen, wandert bei Regen sogar über Land und kann so auch Wehre überwinden. Das macht ihn nahezu unaufhaltbar.

Optisch ist er klar von heimischen Krebsarten zu unterscheiden. Neben dem hellen Fleck am Scherengelenk ist sein Panzer glatt und trägt keine Dornen an der Nackenfurche. Beim Edelkrebs hingegen ist die Gelenkhaut zwischen den Scheren rot gefärbt.
Wie stark sich der Signalkrebs im Landkreis verbreitet hat, weiß derzeit niemand genau. „Eine systematische Erhebung der invasiven Krebsarten liegt nicht vor“, teilt das Kelheimer Landratsamt mit. Meist handle es sich um Zufallsfunde. Doch die bekannten Nachweise – darunter jene im Feckinger Bach – legen nahe, dass er bereits weit verbreitet ist. Deshalb startete der Landkreis im vergangenen Jahr gemeinsam mit Bund Naturschutz und Fischereivereinen ein Projekt, um über die Thematik aufzuklären und gezielt in verschiedenen Gewässern nach Krebsen zu suchen.
Besonders bedrohlich ist nicht nur die robuste Lebensweise, sondern auch das, was der Signalkrebs oft mit sich trägt: den Erreger der Krebspest. Dieser Pilz befällt das Nervensystem der Tiere. Für nordamerikanische Arten und für Menschen ist der Pilz ungefährlich – heimische Krebse jedoch sterben daran. „Und das auch noch innerhalb weniger Tage“, so das Landratsamt.
Schmeckt wie Hummer
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) warnt, die Folgen reichten weit über die Krebse hinaus: „Durch ihre artspezifische Biologie können invasive Flusskrebse auch einen negativen Einfluss auf Amphibien, Fische oder Muscheln haben.“
Welche Gegenmaßnahmen bleiben? Ernüchternd fällt die Antwort der Fachleute aus. Die Möglichkeiten, gegenzusteuern, seien begrenzt. „Diese invasiven Arten sind nicht mehr aus einem Fließgewässer entfernbar, wenn sie erst einmal etabliert sind“, erklärt das LfU. Absammeln sei in Fließgewässern keine vollends wirksame Methode. „Das Verhindern der weiteren Wanderung flussaufwärts in potenzielle Habitate einheimischer Flusskrebse mittels Krebssperren ist daher die beste und wohl einzige Möglichkeit zum Schutz der einheimischen Tiere.“
Fischer können durch das Fangen und Verzehren von Signalkrebsen helfen, da er als schmackhaft gilt
Brit Schiergl, Kreisfischereiverein Kelheim
Auch der Kreisfischereiverein Kelheim beschreibt die Lage als problematisch: Der Signalkrebs fresse auch Laich von Fischen und Fröschen und mache so auch bedrohten Tierarten zu schaffen. Dennoch könne der Mensch beitragen, den Bestand zumindest etwas zu reduzieren. „Fischer können durch das Fangen und Verzehren von Signalkrebsen helfen, da er als schmackhaft gilt“, sagt Brit Schiergl.
Gleichzeitig mahnt sie zur Vorsicht: Die generelle Freigabe der Fischerei mit Krebsreusen oder Krebstellern sei riskant, weil sich Krankheitserreger über die Geräte verbreiten könnten. Zudem müsse Rücksicht auf die noch vorhandenen Edelkrebsbestände genommen werden. Auch wenn man aktuell zwar nur eine „geringe Hoffnung“ habe, noch viele heimische Krebse vorzufinden.

Geplant seien deshalb Weiterbildungsseminare für Fischereischeininhaber, um das richtige Vorgehen zu vermitteln. Dabei gehe es auch um Verhaltensregeln: Ausrüstung müsse nach jedem Einsatz vollständig getrocknet werden, um das Übertragen von Erregern zu vermeiden. Auch das Aussetzen gefangener Edelkrebse sei strikt verboten.
Die Ferienaktion in Hausen zeigte, wie Aufklärung und Praxis Hand in Hand gehen können. Kinder bastelten eigene Fanggeräte, erfuhren Spannendes über die Ökologie und durften am Ende die gefangenen Krebse auch noch probieren. Der Geschmack sei vergleichbar mit Hummer, hieß es.