Fischotter, Grundel und Steckerlfisch: Nöte und Glück der Oberpfälzer Fischer

Von Beate Weigert · 14. September 2025 um 19:00

Die Kelheimer Kreisfischer richteten Oberpfälzer Verbandstag aus. Umwelt-Minister Thorsten Glauber und Finanz-Minister Albert Füracker hörten sich die Sorgen der Hobby- und Berufsfischer an.

Video ansehen

Der Oberpfälzer Fischereiverband trifft sich in Niederbayern? Wo ist der Fehler? Es gibt keinen. Seit 2004 gehört der Kelheimer Kreisfischereiverein (KFV) als einer der mitgliederstärksten Vereine dem Oberpfälzer Verband an. Am Samstag richteten die Kelheimer den Oberpfälzer Fischereitag 2025 aus. Dazu gehörten das traditionelle Hegefischen am Morgen, Fortbildungen und politischer Besuch.

Der erste, der am Nachmittag im erst tags zuvor eingeweihten neuen „Haus der Fischerei“ eintraf, war Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU). Einen Angelschein habe er nicht, verriet der Oberpfälzer. „Da wäre ich zu ungeduldig.“

Bei einer Führung konnte Albert Füracker das neue virtuelle Aquarium im „Haus der Fischerei“ testen. - Foto: Beate Weigert

19.000 Fischer und Fischerinnen in der Oberpfalz

Für Andreas Kiendl aus Alkofen (Kreis Kelheim) ist das Fischen dagegen die große Leidenschaft. Gar nicht so sehr wegen der Fische, mehr wegen des „Draußen-Seins“. Der 50-Jährige findet am Wasser Ausgleich vom Job in der Autoindustrie. Zum (Kelheimer) Fischerkönig werde es nicht reichen, sagte er am zugelosten Angelplatz: „Bislang nur Grundeln.“ Die invasive Art aus der Schwarzmeerregion beschäftigt die Donaufischer seit Jahren.

Andreas Kiendl holte am Samstag nur Grundeln aus dem Wasser. Die invasive Art beschäftigt die Fischer seit Jahren. - Foto: Beate Weigert

Kiendl ist einer von 19.000 Hobby- oder Berufsfischern im Verband. Mehr Frauen könnten es noch mehr werden, befand Cosima Georgieff aus Bad Abbach. Sie war eine der wenigen Anglerinnen. „Fischen ist auch für Frauen, die gerne in der Natur sind, ein schönes Hobby“, so die 28-jährige Steuerfachfrau. „Umweltschutz machen wir auch“, sagte sie und schilderte, wie sie oft am Donauufer Müll sammelt.

Eine Ausnahme: Fischerin Cosima Georgieff mit Vater Richard - Foto: Beate Weigert

Gut 100 Fischer aus der ganzen Oberpfalz waren nach Kelheim gekommen. Die einen zum Angeln, die anderen zu Fortbildungen. Aus Neumarkt i.d. Opf., Amberg, Nittenau oder Schierling. Ein paar Brachsen hätte Christoph aus Ursulapoppenricht gerne geangelt. „Stattdessen habe ich nur Grundeln aus dem Wasser gezogen. Die gibt’s bei uns nicht.“ Wie das Abwiegen am Mittag zeigte, erging es vielen der 60 Teilnehmer des Bezirkshegefischens so.

Am Nachwuchs mangelt es nicht: Diese zwei Jungs aus Mintraching angelten sich noch ein paar Werbegeschenke. - Foto: Beate Weigert

Das Hegefischen habe eine lange Tradition, betonte Oberpfälzer Verbandschef Hans Holler. Es gebe zudem Aufschluss über den Fischbestand.

Zwei Minister zu Besuch: Umweltminister Thorsten Glauber (3.v.li.) und Finanzminister Albert Füracker (Mitte) kamen nach Kelheim. Mit im Bild Axel Bartelt vom Landesfischereiverband (2.v.li.), Hans Holler (2.v.re.) und Reiner Wolfrath (3.v.re.) vom Oberpfälzer Verband und die Kelheimer Gastgeber Steffen Schneider (re.) und Manfred Beck. - Foto: Beate Weigert

Mit Umweltminister Thorsten Glauber (FW) kam ein zweiter Minister nach Kelheim. Nun ging es für die Fischerei-Vertreter um das Wichtigste an diesem Tag. Den Landespolitikern ihre Forderungen mit auf den Weg zu geben. Bei Holler wie auch Landes-Präsident Axel Bartelt dürfte der Fischotter auf der Liste ganz oben stehen. „Unsere Gewässer einzuzäunen, kann nicht die Lösung sein“, sagte Holler mit Blick auf die Lage vieler verzweifelter Oberpfälzer Teichwirte. Bartelt kritisierte, dass zwei Naturschutzverbände aus anderen Bundesländern Ausnahmeregelungen in Bayern juristisch behinderten. Das sei „Missbrauch des Verbandsklagerechts“.

Der Fischotter bereitet den Fischern Probleme – in den Oberpfälzer Teichen, aber auch in Flüssen. - Foto: Patrick Pleul/dpa

Glauber: „Schwieriger Weg“

Minister Glauber sagte, dass er in der Oberpfalz einen guten Erhaltungsstand der bislang streng geschützten Fischotter sehe. Doch für eine Lösung brauche es „eine rechtliche Grundlage“. Bis dahin sei es „ein schwieriger Weg“. Grundsätzlich teile er die Ansicht der Fischer: „Man kann nicht eine Art gegen andere stellen.“ Die Fischer forderten bis zur Klärung Übergangshilfen – gut, dass da auch der Finanzminister im Saal saß.

Umwelt-Minister Thorsten Glauber stellte sich den Fragen der Fischer. - Foto: Beate Weigert

Auch Albert Füracker äußerte Verständnis für die Fischer und zollte ihnen Respekt. Sie trügen bei zu Umwelt- und Artenschutz und pflegten Bayerns Kulturlandschaft.

Das „Highlight“ für viele Gäste beim Oberpfälzer Fischereitag – ein Steckerlfisch - Foto: Beate Weigert

Bereits am Freitag hatten Michaela Kaniber und Hubert Aiwanger das „Haus der Fischerei“ in Kelheim besucht. Alex Bartelts Fazit: „Vier Minister in zwei Tagen, damit ist Kelheim in die Champions League der politischen Veranstaltungen aufgestiegen.“

Von Fischotter bis Eixendorfer Stausee

• Verband: Der Fischereiverband Oberpfalz besteht seit 1881. Er vertritt 90 Vereine und Fischereigenossenschaften und etwa 40 Teichwirte, Berufsfischer und Fischzüchter. Als einziger niederbayerischer Verein gehört der Kelheimer Kreisfischerverein (KFV) dem Oberpfälzer Verband an. Mit dem neuen, bislang bayernweit einmaligen „Haus der Fischerei“ waren die Niederbayern Gastgeber beim Oberpfälzer Fischereitag.

• Probleme: Fischotter, Gänsesäger, Kormoran, die Liste der Fressfeinde der Fische ist lang. Doch auch viele Fischarten seien bedroht, betonte Hans Holler, der Oberpfälzer Verbandschef. Landes-Präsident Alex Bartelt legte auch beim Eixendorfer Stausee (Kreis Schwandorf) den Finger in die Wunde. Nach millionenschwerer Investition seit dort ein Entnahmeturm, der das Blaualgenproblem lindern soll, nach wie vor nicht in Betrieb.