Ausstellung „Faszination Universum“ in Bad Kötzting lockt mit neuem Raumschiff-Simulator

Einsteigen, anschnallen, Knopf drücken – und schon geht die Reise zu einem fremden Planeten los. Mit einem neuen Raumschiff-Simulator lädt die Ausstellung „Faszination Universum“ im Sinocur in Bad Kötzting ab sofort zu einer Expedition in ferne Welten ein. Das Exponat, das einen virtuellen Flug zum erdähnlichen Planeten Proxima Centauri b ermöglicht, ist das jüngste Glanzstück der Schau.
Kurator Dr. Alexander Neidhardt hat dafür selbst Hand angelegt: Rund 50 bis 60 Stunden steckte er in den Bau der Einstiegsschleuse, die mit Holz, Kunststoff und Klebeband verblüffend realistisch gestaltet ist. Hinter der Schleuse warten zwei Plätze im Kommandosessel.
Von hier aus startet die virtuelle Mission: Drei große Monitore mit einem 120-Grad-Panorama vermitteln das Gefühl, durch echte Raumschifffenster in die Tiefe des Alls zu blicken. Unterwegs erscheinen Infotafeln zu Himmelskörpern, die die Besucher passieren – spannend und lehrreich zugleich. „Natürlich dauert ein echter Flug unvorstellbar lange“, sagt Neidhardt. „Bei uns dagegen erreicht man Proxima Centauri b in nur zehn Minuten.“
Leihgabe ist 5000 Euro wert
Dass das neue Exponat nach Bad Kötzting kam, hat einen besonderen Hintergrund: Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums hatte Neidhardt das Präsidium der Technischen Universität München sowie den Präsidenten des Bundesamts für Kartografie und Geodäsie ins Geodätische Observatorium Wettzell eingeladen – und anschließend in die Ausstellung im Sinocur.
Begeistert vom Konzept sorgten die Gäste dafür, dass das Exponat vom Exzellenzcluster ORIGINS leihweise und auf unbestimmte Zeit zur Verfügung gestellt wurde. Es hat einen Wert von 5000 Euro und war bereits in verschiedenen Museen, unter anderem auf der MS Wissenschaft, zu sehen.













Die Ausstellung selbst ist vergleichsweise klein – etwa 70 bis 80 Quadratmeter –, aber facettenreich. Neidhardt hat sämtliche Exponate privat erworben. Auf zwei Etagen geht es von den Tiefen des Universums mit Sternengeburten und -explosionen bis hin zu unserem Sonnensystem, wo Besucher die Eigenheiten einzelner Planeten nachvollziehen können. Experimente laden dazu ein, unterschiedliche Anziehungskräfte selbst zu erleben.
Kinder sollen hier spielerisch ihre Fantasie entwickeln können.
Dr. Alexander Neidhardt, Kurator der Ausstellung
Besonderes Augenmerk legt der Lohberger beim Angebot auf Kinder und Familien. Neu ist eine Kinderecke mit nachgebauter Mondlandschaft und Raumfahrtspielzeug. „Kinder sollen hier spielerisch ihre Fantasie entwickeln können“, betont Neidhardt. Schon mehrfach haben Schulklassen aus der Region die Ausstellung besucht. Wichtig sei ihm, dass die Schau nicht mit Fachwissen überfordere, sondern Begeisterung für den Kosmos wecke.
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Neidhardt selbst, 50 Jahre alt und Leiter der Betriebsgruppe Mikrowellenverfahren an der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie, findet vor allem an Proxima Centauri b Gefallen. „Es ist der uns nächste Planet, auf dem man am ehesten Leben vermuten könnte“, sagt er. Für Menschen bleibe die Entfernung zwar unüberwindbar, für Roboter-Missionen sei er aber durchaus ein realistisches Ziel.
So verbindet die Ausstellung in Bad Kötzting Wissenschaft mit Erlebniswert – und macht das Universum auf kleinem Raum ganz groß.
Hintergründe und Öffnungszeiten
Forschungsnetzwerk: Das Exzellenzcluster ORIGINS widmet sich den großen Fragen der Kosmosgeschichte – von den Anfängen beim Urknall bis hin zu den Bedingungen, unter denen Leben entstehen kann. Seit 2019 wird dieser interdisziplinäre Zusammenschluss im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Beteiligt sind unter anderem Fachrichtungen wie Astrophysik, Biophysik und Teilchenphysik. Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es etwa, die Entstehung von Planeten mit der Bildung erster lebenswichtiger Moleküle in Beziehung zu setzen. Damit wollen sie zeigen, dass Leben kein Zufall ist, sondern ein nachvollziehbarer Prozess, der sich aus den physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten des Universums ergibt. Getragen wird das Cluster von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der Technischen Universität München (TUM), mehreren Max-Planck-Instituten, der Europäischen Südsternwarte (ESO) sowie dem Leibniz-Rechenzentrum (LRZ).
Faszination Universum: Die Ausstellung „Faszination Universum“ befindet sich im Aufgangsgebäude im Sinocur. Sie ist zu folgenden Zeiten geöffnet: montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr; samstags von 10 bis 12 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 12 Uhr (Juli bis September). Erweiterte Öffnungszeiten gibt es zu den bayerischen Ferienzeiten.