Uni-Leitung besucht Juwel in Wettzell

Bad Kötzting/Wettzell. Das Geodätische Observatorium Wettzell ist aus der Wissenschaftswelt der Erdvermessung weltweit nicht mehr wegzudenken. Betrieben wird die Station in Wettzell nahe Bad Kötzting vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) zusammen mit der Forschungseinrichtung Satellitengeodäsie der Technischen Universität München (TUM). Damit bildet Wettzell quasi auch einen der weltweiten Campus der Technischen Universität. Um diese außergewöhnliche Außenstelle ging es am vergangenen Freitag bei einem Besuch durch das TUM-Präsidium, zu dem fast die gesamte Führung der Hochschule in das kleine Dorf reiste.
Kritische Infrastruktur
Vorangegangen war eine Einladung von Dr. Alexander Neidhardt anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums an den Präsidenten der TUM, Prof. Dr. Thomas Hofmann, und den Kanzler Albert Berger. Dieser Einladung folgte man in München gerne, um die Bedeutung des Standortes und damit des seit den 1970er-Jahren bestehenden Vertrages zwischen den Einrichtungen von Bund und Land zu unterstreichen.
So stellte Präsident Hofmann gleich zu Beginn heraus: „Ich habe mich heute Morgen richtig gefreut, hier herkommen zu dürfen.“ Für die Wettzeller Belegschaft war der Besuch ebenfalls eine besondere Ehre, bildet das dortige Personal doch nur eine verschwindende Anzahl von 0,5 Promille der insgesamt 12.299 Beschäftigten der Universität, wie Dr. Neidhardt ausführte. Zudem war es seit Bestehen der Einrichtung der erste Besuch dieser Art.Auch das Bundesamt unterstrich die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit. Der Präsident des Amtes, Prof. Dr. Paul Becker, war zusammen mit dem Abteilungsleiter Geodäsie, Dr. Johannes Bouman, extra aus Frankfurt am Main angereist. Durch die zunehmende Anzahl an weltweiten Konfliktherden wird auch die Bedeutung der permanenten Beobachtung und Berechnung von Satellitenbahnen als Grundlage für Navigationsanwendungen immer sichtbarer. Deshalb ist das Observatorium nun Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland. Dies birgt zahlreiche neue Herausforderungen, die nicht immer unmittelbar in einen wissenschaftlichen Betriebsablauf passen. So war dieser erste Besuch auch ein Statement, diese Herausforderungen gemeinsam angehen zu wollen.
In Wettzell hatte man sich schon lange auf den Besuch vorbereitet. Das Team um Dr. Neidhardt aus TUM- und BKG-Kollegen boten einen spannenden Einblick. Während der gegenseitigen, einleitenden Begrüßungen unterstrich TUM-Präsident Hofmann einmal mehr, dass Wettzell ein Juwel in der Forschung und im Multi-Campus-Verbund der TUM sei. Präsident Becker betonte kurz die zentrale Rolle der Mitarbeit der TUM sowie die neuen KRITIS-Aufgabengebiete, welche bis zu einem neuen Exzellenzzentrum der Geodäsie der Vereinten Nationen in Bonn reichen. Anschließend führte der Stationsleiter, Prof. Dr. Schüler, in die nationalen und globalen Aufgaben des Observatoriums ein. Zentraler Programmpunkt aber war der Rundgang bei strahlendem Sonnenschein über das Gelände. Dort konnten die Mitglieder und Mitarbeitenden des Präsidiums in kleinen Gruppen die Technik der Radio- und Laserteleskope, sowie des neuen Solarflux-Teleskops und des Ringlasers in unmittelbarer Nähe bestaunen. Nebenbei lernten sie die lokalen Mitarbeiter der TUM kennen, die mit Stolz „ihre“ Systeme präsentierten und konnten sich von der guten Verzahnung zu den Kollegen des Bundesamts überzeugen. Ein Highlight war, dass der Ringlaser wegen Wartungsmaßnahmen geöffnet und damit begehbar war.
Besuch im Kurpark
Dies ist ein seltenes Privileg, das nur wenigen zu Teil wurde und welches dem Präsidium gerne von Dr. Jan Kodet gewährt wurde. Er ist mittlerweile als Nachfolger von Prof. Schreiber für das Hochpräzisionsgerät zum instantanen Messen der Erdrotation zuständig. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem man den Präsidenten in lockeren Gesprächen so nahe wie sonst nie kommen konnte, ging es noch zur Ausstellung „Faszination Universum“ im Sinocur Bad Kötzting. Das von der Familie Neidhardt betriebene und von der Stadt Bad Kötzting unterstützte, kleine Museum dient als Wissensvermittlung astronomischer Themen. Es begeistert für den Weltraum, wofür die TUM die richtigen Studiengänge anbietet und sich damit Chancen für eine Zusammenarbeit bieten. Zum Ausklang ging es durch den Kurpark, wo Dr. Thomas Klügel als Vorsitzender des Fördervereins Geodätisches Informationszentrum Wettzell e.V. zusammen mit dem Mitglied Franz Plötz den Planetenweg erklärte.

