Patent auf Erfindung: Stählerne Blöcke einer Chamer Firma haben Crashtest bestanden

Das Sicherheitskonzept der Stadt Cham ist noch jung und wird gerade ausgebaut. Aber es hat seinen ersten Crashtest bestanden. Eine Firma aus dem Stadtgebiet hat dafür gesorgt: all2work in der Gartenstraße. Dort ist Geschäftsführer Kevin Decker damit beauftragt, aus einem Stahlblock eine runde Sache zu machen.
Die Firma hat das Patent auf ihre Erfindung und zwei dieser Blöcke auf den Chamer Marktplatz gestellt, wo sie Teil einer Absperrung sind. Sie sollen dort dauerhaft den Platz als Veranstaltungsort sichern. Nun hat der Block die Zertifizierung mit einem Crashtest geschafft, bei dem ein Lastwagen mittig aufgefahren ist. Der Block kippte auf – wie vorgesehen – und verzahnte sich mit seinem sägeartigen Anbau im Asphalt.
Sicherheit aus der Region
Obwohl das Fahrzeug weit vor der vorgeschriebenen 25-Meter-Marke zum Stehen kam, gibt es bereits erste Verbesserungsideen. „Wir werden wohl ein Zweikammer-System einbauen und den Beton vorne einfüllen, damit der Block noch schneller kippt“, sagt Decker.
In der zweiten Kammer sitzt die Technik. Unter anderem eine Hydraulik, mit der die Stadt den mehr als zwei Tonnen schweren Block auf die innenliegenden Räder pumpen kann. Auf ebenem Untergrund kann er dann von einem Arbeiter verschoben werden.


Wer von außen auf die Firma all2work in der Gartenstraße schaut, der sieht Arbeitskleidung. Im Inneren wird daraus eher etwas wie eine Wundertüte. Denn all2work steht auf einigen Standbeinen mehr. Die Firma ist gut vernetzt im Containerbau, im Blaulicht-Milieu und im Katastrophenschutz.
Der „VariBlock“, wie all2work das neue Produkt getauft hat, ist als Prototyp von der Firma Markl in Reichenbach hergestellt worden. Auch die anderen inzwischen Beteiligten sind regional: Maschinenbau Werner Rädlinger baut die Blöcke inzwischen auch, und den Beton füllt Zitzmann ein. Laut Geschäftsführer Kevin Decker beteiligt sich all2work inzwischen an mehreren Ausschreibungen von Städten, die Inventar für ihr Sicherheitskonzept suchen.
Die Blöcke haben bereits ihre ersten Einsatzorte gesehen. Neben Cham hat sie auch Bad Kötzting, das sie an Lam weiterverleiht. Auch beim Gäubodenvolksfest standen die Sicherheitsbarrieren aus Cham. Der Verleih gehört ebenfalls zu den Überlegungen in der Gartenstraße. Dazu will man ein Netz aus Stützpunkthändlern aufbauen, um die Transportkosten und den Logistikaufwand klein zu halten.
„Das wird ein Standbein, weil dafür auf absehbare Zeit ein Bedarf besteht“, sagt Geschäftsführer Decker. Außerdem will er sich gleichzeitig auf Sicherheitskonzepte spezialisieren. „Das muss man eigentlich schon fast mit anbieten, weil kleinere Gemeinden und auch Vereine mit solchen Konzepten überfordert sind“, so Decker. Der Block müsse nämlich mit anderen Komponenten kombiniert werden, weil er eine spezielle Komponente für breite Zufahrten darstellt, die höheres Gefährdungspotenzial haben.
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Das bestätigen der Chamer Bürgermeister und sein Beauftragter für das städtische Sicherheitskonzept. Christian Weihrauch verweist auf die zahlreichen Zufahrtsmöglichkeiten zum Chamer Marktplatz und die ganz verschiedenen Anforderungen. „Ich kann nicht in jede Gasse , in der keine Geschwindigkeit entwickelt werden kann, einen solchen Block stellen“, sagt er.
„Man kann Sicherheitsauflagen für Feste nicht einfach ignorieren. Wenn etwas passiert, dann entsteht ein Haftungsproblem“, sagt Chams Bürgermeister Martin Stoiber. Er bemüht sich um einen Spagat, was das Sicherheitskonzept betrifft. „Die Menschen sollen sich sicher fühlen, ohne ständig den Gedanken zu haben, dass es gefährlich sein könnte, zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt zu sein.“
Die Menschen sollen sich in Cham sicher fühlen, ohne ständig den Gedanken zu haben, dass es auf einem Weihnachtsmarkt gefährlich sein könnte.
Martin Stoiber, Chams Bürgermeister über das Ziel des Sicherheitskonzeptes
Deswegen setzt die Stadt – dort, wo sie es sich leisten kann – auch auf unauffällige Elemente. In manchen Zufahrten parkt ein Lastwagen aus dem Bauhof. Vor dem Lutzgässchen steht ein großer Blumentrog. Der Behälter ist aus Holz, hat aber eine Betoneinlage und Kies im Bodenbereich. „Das geht dort, weil da wegen der Enge der Zufahrt keine schweren Fahrzeuge kommen können und kaum ein Anlauf möglich ist“, sagt Christian Weihrauch.
Das Konzept ist kompliziert
Das Komplizierte an dem Sicherheitskonzept sind die verschiedenen Arten von Zufahrten. Hinter Kurven braucht es weniger Gewicht. Bei einer geraden Zufahrt muss die Möglichkeit einberechnet werden, dass im schlechtesten Fall auch ein zertifiziertes Sicherungselement bis 25 Meter verschoben werden darf. „Deswegen muss es auch dahinter in solchen Fällen eine gewisse Sicherheitszone geben“, sagt all2work-Geschäftsführer Decker.
Für eine Stadt wie Cham ist ein solcher Aufwand hoch, aber stemmbar. Sie greift auf ihrem Marktplatz deswegen Vereinen und Veranstaltern unter die Arme, was die speziellen Vorkehrungen am Veranstaltungstag betrifft.
Decker will sich auch hier spezialisieren: „Wir wollen für kleine Gemeinden und für Vereine das Konzept gleich mit anbieten und arbeiten daran, uns da zu qualifizieren.“