Drohnenvorreiter im Kreis Cham: Feuerwehr Blaibach nutzt unbemannte Luftfahrzeuge

Von Nils Mayer · 8. September 2025 um 05:00

Es ist der erste Drohnenflug für den Blaibacher Feuerwehrmann Benedikt Breu, als plötzlich ein Kollege Hunderte Meter entfernt von seiner Terrasse aus anruft. „Kannst du mal schauen, welche Spielkarte ich in der Hand halte?“ Also richtet die Drohne ihre Kamera in den Garten, zoomt ran und erspäht das Ziel: „Herz König“, sagt Breu und fliegt weiter.

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Die unbemannten Luftfahrzeuge kommen für die Feuerwehr Blaibach aber auch bei ernsteren Angelegenheiten zum Einsatz. Sie werden bei Brandeinsätzen, Unwetterlagen oder zur Personensuche eingesetzt – bald auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

Für den Kreisbrandrat Michael Stahl steht fest: „Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten, aber wir haben auch ganz klare Grenzen.“ Die Feuerwehr wolle keinen „Drohnenwildwuchs“ im Landkreis haben. Auch alle luftfahrttechnischen Vorschriften gelte es einzuhalten. „Außerdem bilden wir extra Drohnenpiloten aus, damit bei den Einsätzen nichts schiefgeht.“ Denn mit der richtigen Ausbildung, ist sich der Kreisbrandrat sicher, „gibt es viele Vorteile für die Feuerwehr mit den Drohnen“. Und wie eine solche Ausbildung abläuft, zeigt sich ein paar Tage später am Ortsrand von Blaibach.

Regelmäßiges Training

Dort treffen sich an einem Dienstagabend die drei Feuerwehrleute Thomas Raab, Alexander Ziereis und Benedikt Breu. Auch mit dabei: die 30.000 Euro teure Drohne der Firma DJI. Das Ziel: Feuerwehrmann Breu das Drohnenfliegen beibringen. „Alle unsere Feuerwehrleute trainieren regelmäßig mit der Drohne, damit im Ernstfall auch alles klappt“, erklärt der Blaibacher Feuerwehrkommandant Raab. Doch wie kommt gerade die Feuerwehr in Blaibach an einen der teuren unbenannten Flugkörper?

Rund 30.000 Euro kostet das Flugobjekt samt Ausstattung. - Foto: Nils Mayer

Vor einigen Jahren nahm die Feuerwehr laut Kommandant Raab an einem Förderprojekt teil. „Ursprünglich sollte so die Vermisstensuche beschleunigt werden.“ Schlussendlich sei die Drohne einfach übrig geblieben und die Blaibacher Feuerwehr hatte „zugeschlagen“, so Raab. Seitdem will die Feuerwehr laut Raab die Drohne nicht mehr missen.

Und dann darf auch Feuerwehrmann Breu das allererste Mal die Steuerung übernehmen. Unterstützt wird er dabei jederzeit von dem Kameraführer Ziereis, der bei den Feuerwehrlern die Rolle des Technikexperten übernimmt. Und der weiß: „Drohnenfliegen ist bei uns echte Teamarbeit.“ Neben dem Piloten und Kameraführer sei auch immer ein Luftraumüberwacher im Einsatz. Diese Aufgabe übernimmt diesmal Raab, der Ausschau nach Vögeln oder Helikoptern hält.

Jetzt ist alles frei und die Drohne fliegt in wenigen Sekunden einige hundert Meter in die Luft. „Das Teil ist gerade mit rund 75 Kilometern die Stunde unterwegs“, so Breu. Dort verweilt sie dann erst einmal und Pilot Breu macht sich mit der Steuerung vertraut.

Das ist natürlich ideal, wenn du nach vermissten Personen suchst.

Feuerwehrkommandant Thomas Raab über die Wärmebildkamera der Drohne

Danach steht die Kamera im Fokus. Kameraführer Ziereis stellt die verschiedenen Möglichkeiten vor: „Wir haben Wärmebild, Weitwinkel und einen Hammerzoom“, meint er. Den kann die Drohne dann kurz darauf nicht nur bei der Spielkarte des Feuerwehrkollegen unter Beweis stellen, sondern auch bei der Personensuche.

Hier kommt die Wärmebildkamera ins Spiel. Der heiße Asphalt, ein Hase im Feld oder eben der Körper des Menschen werden farblich hervorgehoben. „Das ist natürlich ideal, wenn du nach vermissten Personen suchst“, so Feuerwehrkommandant Raab.

Die Kamera übertragt das Bild direkt an einen Bildschirm der Feuerwehr. - Foto: Nils Mayer

Und tatsächlich kam die Drohne dafür auch vor einigen Wochen in Hohenwarth zum Einsatz. Bei einem etwas außergewöhnlichen Einsatz halfen die Feuerwehren Blaibach und Roding, die beide über Drohnen verfügen, dabei, einen von der Polizei gesuchten Mann zu finden, der sich im Dickicht versteckt hatte.

Keine Zauberei

„Solche Einsätze sind aber kein Alltag, sondern die Ausnahme“, verrät Raab. Die Drohne könne nicht zaubern und auch kein Feuer löschen. „Meistens geht es um Aufklärung und Übersicht.“

Und die hat Drohnenpilot Breu nun auch über ganz Blaibach. Dabei ist ein Flug kaum zu überhören und auch die Anwohner sind meistens nicht begeistert, wie Kommandant Raab erzählt: „Da gibt es schon ab und zu Beschwerden, weil die Leute denken, dass wir sie willkürlich beobachten würden.“ Die Feuerwehr halte sich aber an alle Flugvorschriften und an die Privatsphäre der Bewohner, betont der Kommandant.

Nach rund einer halben Stunde macht der erste Akku schlapp. Kein Problem, denn die Feuerwehr hat noch ein paar mehr davon. Und so kann Feuerwehrmann Breu auch noch in der Dunkelheit der Nacht üben. Natürlich hat die Drohne auch eine Beleuchtung für Einsätze in der Dunkelheit.

Auch bei Nacht kann die Drohne mit Licht fliegen. - Foto: Nils Mayer

Wann der nächste richtige Einsatz für die Drohne ansteht, das steht laut Kommandant Raab noch in den Sternen.